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„Will nicht nur einfach so dastehen“

Erste-Hilfe-Kurs „Will nicht nur einfach so dastehen“

Die Seitenlage bei Bewusstlosigkeit und die Wiederbelebung bei Atemstillstand waren zwei zentrale Themen eines DRK-Kurses, der auf die Belange von Senioren zugeschnitten war.

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Die Teilnehmer des Erste-Hilfe-Kurses für Senioren haben keine Berührungsängste, wenn es ums Helfen geht.

Quelle: Götz Schaub

Sterzhausen. „Leben retten steht vor allem anderen“, macht Uwe Kühnel, Sanitätsausbilder beim Kreisverband Marburg-Biedenkopf des Deutschen Roten Kreuzes, unmissverständlich klar. In der Not müssen Ersthelfer auf das zurückgreifen, was für sie schnell erreichbar ist. So gesehen sind alle Versuche, Hilfe zu leisten, besser, als nichts zu unternehmen. Gerade bei heftig blutenden Wunden kann es sehr schnell lebensbedrohlich werden, wenn kein Versuch unternommen wird, die Blutung zu stoppen.

„Ein erwachsener Mensch besitzt etwa sechs Liter Blut im Körper. Verliert er einen Liter, droht die Bewusstlosigkeit und der Mensch kann sich nicht mehr selbst helfen, er verblutet“, sagt Kühnel.

Und weiter: „Natürlich ist es immer gut, mit sterilen Materialien aus dem Erste-Hilfe-Kasten zu arbeiten, aber wenn dieser nicht da ist, muss es auch anders gehen.“ „Anders gehen“ heißt, man versucht, die fehlenden Materialien aus dem Notfall-Kasten durch andere Gegenstände behelfsmäßig zu ersetzen. Bei einer heftig blutenden Wunde ist und bleibt es wichtig, die entsprechende Schlagader abzudrücken und die Wunde selbst mit einen Druckverband zu versehen.

Kühnel erläutert die wenigen, aber elementar wichtigen Schritte, die Leben retten können, als ob er über einen normalen alltäglichen Vorgang sprechen würde. Er strahlt Ruhe aus. Jene Ruhe, die Ersthelfer auch bewahren müssen, wenn ihre Hilfe effektiv sein soll. „Wer kein Blut sehen kann und Gefahr läuft, deshalb selbst umzufallen, sollte wenn möglich andere Personen um Hilfe bitten und lieber den Part übernehmen, die Rettungsstelle unter der 112 anzurufen“, so Kühnel.

Praxisbezogenes Lernenwird sehr gut angenommen

Die 18 Senioren, die seine Ausführungen im Sitzungssaal der Gemeindeverwaltung in Sterzhausen aufmerksam und interessiert verfolgen, wirken entschlossen, genau die Fähigkeiten zu erwerben oder aufzufrischen, die helfen, Leben zu retten oder zu erhalten bis professionelle Hilfe eintrifft.

Manfred und Anne Bartelmeß aus Michelbach haben sich spontan entschlossen, den über vier Terminen verteilten Kurs zu besuchen. „Der Kurs hat uns viel gebracht“, sagt Manfred Bartelmeß und seine Frau ergänzt: „Herr Kühnel hat das alles sehr lebendig dargestellt.“ Und dann sagt sie: „Man ist ja jetzt auch so in einem Alter. Da möchte man schon Bescheid wissen, was man tun kann bei Herzinfarkt oder Schlaganfall.“ Karin Kühn aus Caldern sagt: „Der letzte Kurs ist so lange her. Ich habe festgestellt, dass sich sehr viel geändert hat und viel Neues gelernt.“ „Sicher ist es jetzt wichtig, sich das Gelernte in Erinnerung zu rufen. Ich weiß nicht, ob mir das alles im Ernstfall wieder einfallen würde“, sagt Wolfgang Klonus. Generell haben alle Kursteilnehmer das gute Gefühl, etwas gelernt zu haben. „Ich will einfach nicht nur so dastehen“, bringt es Gisela Heller aus Bürgeln für sich auf den Punkt.

Und sie haben wirklich einiges gelernt und selbst getestet, etwa das Anlegen von Druckverbänden bei stark blutenden Wunden, die richtige und effektive Handhabung mit einem Pflasterwundverband oder die Erstversorgung bei Verbrennungen und Kopfverletzungen. Sie wissen, wie einfach die stabile Seitenlage zu erreichen ist, und sie wissen, was zu tun ist, wenn das Herz eines Verunglückten nicht mehr pumpt.

Die Seniorenbeauftragte der Gemeinde Lahntal, Ortrud Lauer, sieht sich darin bestätigt, dass es in der Bevölkerung großes Potential für solche Kurse gibt. Deshalb wird es im Oktober einen zweiten geben. „Wir hatten schon für diesen Kurs 40 Anfragen, aber bei 20 Leuten pro Kurs ist das Maximum erreicht.

Warum? Nun, Kühnel lässt die Teilnehmer auch praktisch lernen und möchte sich dabei auch um jeden einzelnen ausreichend kümmern können. „Natürlich lernt man praxisbezogen am besten. Aber niemand muss jetzt Angst haben, auf dem Boden rumkriechen zu müssen. Die Übungen machen wir mit Rücksicht auf das Alter auch gerne direkt am Tisch oder auf dem Stuhl“, sagt Kühnel.

Auch Lahntals Bürgermeister Manfred Apell wohnte der letzten Stunde bei und freute sich über die große Resonanz aus der Bürgerschaft. Dabei wurde ihm bewusst, dass die Sterzhäuser Feuerwehr auch über einen Defibrillator verfügt. Damit werden Menschen mit Herzstillstand effektiv erstversorgt bis die übernehmenden Retter eintreffen. „Das sollten wir in der Gemeinde ruhig bekannter machen“, so der Bürgermeister, der damit schon ein gutes Thema für seine nächsten Mitteilungen aus der Gemeindeverwaltung für das Mitteilungsblatt „Lahntal aktuell“ ausgemacht hatte.

von Götz Schaub

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