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Wie man aus Mist Geld macht

Pelletierungsanlage Wie man aus Mist Geld macht

Wohin mit all dem Mist? Durch eine neue Düngeverordnung, die derzeit bundespolitisch erarbeitet wird, kommen ab 2017 große Veränderungen auf die Landwirte zu.

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Aus Reststoffen wurde am Freitag in Mellnau ein Wertstoff. Bei ­einer Schau-Pelletierung auf dem Bioenergiehof Lölkes verwandelte diese Maschine trockenen Hühnerkot in feste Pellets. Das fertige Produkt ist ein hochwertiger Dünger, kann platzsparend gelagert und leicht transportiert werden.

Quelle: Carina Becker

Mellnau. Einen Lösungsansatz, um künftig die Menge von Mist und anderer Biomasse zu reduzieren, zeigten am Freitagvormittag in Mellnau auf dem Bioenergiehof Vor den Tannen der Landkreis und der Wasser- und Bodenverband auf. Stephan Lölkes stellte seinen Betrieb für einen Pelletierungsversuch zur Verfügung. Rund 100 Gäste, vorwiegend Landwirte und Biogasanlagen-Betreiber aus Mittelhessen, nahmen daran teil.

Durch eine neue Düngeverordnung ergeben sich voraussichtlich ab übernächstem Jahr erhebliche Einschränkungen für die Landwirtschaft. Die Zeiten, zu denen Gülle und Mist auf den Feldern ausgebracht werden darf, sollen stark eingeschränkt werden. Ziel ist unter anderem, die Einträge ins Grundwasser zu verringern.

Mist darf nur noch von April bis Juni auf das Feld

Aktuell fahren die Bauern ihren Mist übers ganze Jahr aufs Feld, „außer von November bis Januar, wenn es friert“, erklärt Norbert Fett, Fachbereich Ländlicher Raum beim Landkreis. „Das wird nach der neuen Düngeverordnung nur noch in der Vegetationsperiode von April bis Juni erlaubt sein, dann, wenn die Pflanzen die Stoffe auch ­aufnehmen können“, ­sagte Fett.

Wohin dann mit dem ganzen Mist, den die Landwirte werden einlagern müssen, bis die Zeit fürs Düngen wieder gekommen ist? Werner Metke, Verbandsvorsteher des Wasser- und Bodenverbands Marburger Land, sprach über eine mögliche Lösung. Der Wasser- und Bodenverband könnte eine Pelletierungsanlage anschaffen und sie seinen Mitgliedern zur Verfügung stellen. Für rund 30 bis 40 landwirtschaftliche Betriebe in Marburg-Biedenkopf könne dies von Interesse sein, schätze er. Die Investition könnte der Verband aus seinen Mitteln für die Neuanschaffung von Maschinen stemmen, „durch Nutzungsbeitrage refinanzieren wir dies“, erklärte Metke und verwies darauf, dass der Verband im kommenden Jahr 700.000 Euro für Maschinenkäufe eingeplant habe.

Geld für eine Pelletierungsanlage werde erst 2017 zur Verfügung stehen – und auch nur dann, wenn genügend Landwirte ihr Nutzungsinteresse bekundeten. „Die neue Düngeverordnung kommt schon 2016, aber es gelten Übergangsfristen. Ab 2017 müssen wir uns allerdings darauf einstellen“, erklärte­ ­Metke.

Drei zentrale Standorte für Lagerung und Pelletierung

Biogasanlagenbetreiber Lölkes ging noch einen Schritt weiter. Er regte an, dass die Landwirte darüber diskutierten sollten, ob man im Landkreis drei zentrale Standorte für die Lagerung und Pelletierung schaffen wolle, um die Betriebe zu entlasten. Vom Wasser- und Bodenverband gibt es bereits seit dem Jahr 2000 insgesamt 14 Standorte im Marburger Land, an denen die landwirtschaftlichen Betriebe ihre Jauche gemeinschaftlich sammeln.

Durch Pelletierung von Mist und Biomasse können die Mengen erheblich verringert werden – zudem wird das Material dadurch haltbarer und kann leichter transportiert werden. Dies ging aus der Präsentation des Ingenieurs Dr. Kai Masuch hervor, der auf dem Bioenergiehof in Mellnau Pelletierungsanlagen und Techniken der Firma Qalovis vorstellte. So könne das Ausgangsvolumen von Biomasse durch die Pelletierung um bis zu 75 Prozent verdichtet werden.

Eine Anlage, die das Unternehmen zur Demonstration aufgebaut hatte, presste Pellets. „Bei Hühnertrockenkot schafft sie 250 Kilogramm pro Stunde, bei Gärresten weniger“, erklärte Masuch und bezifferte den Preis der Vorführanlage auf 40.000 Euro. Neben besseren Bedingungen für Lagerung, Transport und einer guten Verteilbarkeit auf den Felden sollen die Pellets noch einen weiteren Vorteil bringen: Durch Verkauf als hochwertigen Dünger könnten Landwirte sich eine neue Einnahmequelle erschließen, ihre eigenen Ausgaben für Mineraldünger senken und somit quasi Geld machen aus Mist.

von Carina Becker

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