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Wichtiger Beitrag zum Frieden in Europa

25 Jahre Cölbe-Koscierzyna Wichtiger Beitrag zum Frieden in Europa

Mit der Erneuerung des Partnerschaftsvertrags sowie Reden und Musik wurde die Freundschaft zwischen Cölbe und Koscierzyna gebührend gefeiert

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Die Urkunden unterzeichneten Krzysztof Blawat (von links), stellvertretender Vorsitzender der Gemeindevertretung Koscierzyna, Christian Hölting, Vorsitzender der Gemeindevertretung Cölbe, Teresa Preis, Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung Koscierzyna, Grzegorz Piechowski, Bürgermeister der Gemeinde Koscierzyna, Micha Majewski, Bürgermeister der Stadt Koscierzyna und Cölbes Bürgermeister Volker Carle.

Quelle: Manfred Schubert

Schönstadt. Etwa 120 Gäste, darunter 26 aus Cölbes Partnerstadt und -gemeinde Koscierzyna, nahmen am Samstagnachmittag am zweieinhalbstündigen Festakt im Bürgerhaus teil. Im Mittelpunkt stand dabei die offizielle Erneuerung der Partnerschaft mit der Unterzeichnung von Urkunden, die den Wunsch zum Ausdruck bringen, die Kontakte zwischen den Bürgern und den Austausch weiter im Sinne der Völkerverständigung und des friedlichen Zusammenlebens von Deutschen und Polen auszubauen.

Volker Carle hob hervor, dass er am Tag nach seiner Ernennung zu Cölbes Bürgermeister mit einer Delegation nach Koscierzyna fuhr und dort mit einer solchen Wärme empfangen worden sei, wie er sie nie zuvor erlebt habe. Ähnlich positive Erfahrungen hatten auch andere Cölber bei ihren Besuchen in Polen gemacht.

Christian Hölting, Vorsitzender der Gemeindevertretung Cölbe, erklärte: „Polen steht für mich für Gastfreundschaft und Nächstenliebe. Manchmal denke ich auch, dass Polen fortschrittlicher als Deutschland ist. Wir müssen weiter arbeiten für die Einigung Europas, dabei sind Partnerschaften wie die unsere wichtig.“

Hartmut Reiße, Ehrenvorsitzender des Partnerschaftsvereins Cölbe-Koscierzyna, hob in seiner Festansprache die Bedeutung der kommunalen Partnerschaften für den Erhalt des Friedens in Europa hervor. Er hob hervor, dass 1991 ein besonderes Jahr für die Beziehungen beider Länder mit der Unterzeichnung des Vertrags über Nachbarschaft und freundschaftliche Beziehungen gewesen sei. Er blickte auf die Geschichte der Partnerschaft, die mit ersten Kontakten 1970 begann, zurück.

Beitrag zur Aussöhnungder beiden Völker

1970 hatten sich Hartmut Reiße, späterer Vorsitzender des 1974 gegründeten Arbeitskreises Internationales Folklorefestival Marburg-Biedenkopf, und der in Kassel lebende ehemalige polnische Zwangsarbeiter Boleslaw Bodys für eine erste Teilnahme einer polnischen Gruppe an dem Festival eingesetzt. 1973 waren 65 junge Polen zu Gast in Cölbe bei der Folklore-Gruppe „Fröhlicher Kreis“.

Bodys stellte 1984 den ersten Kontakt mit Koscierzyna her, Helga und Fritz Lenz und Ulla und Heinz Wilhelm Wilke fuhren zum ersten Besuch dorthin, was bei den damals noch wirklich bestehenden Grenzen und der noch existierenden DDR kein leichtes Unterfangen gewesen sei.

„Wir alle, die wir uns engagierten, taten dies mit der Überzeugung, etwas für Frieden und Aussöhnung beider Völker zu tun. Um solch ein Engagement zu entwickeln, muss man wissen, was die beiden Weltkriege in Europa anrichteten. Die Wissensvermittlung über diese Zeit wird in Schule und Elternhäusern heute vernachlässigt“, meinte er. Die kommunalen Partnerschaften seien die besten Beispiele für aktive Bürgerbeteiligungen zum Erhalt des Friedens in Europa. Allerdings habe er den Eindruck, die Europäische Union werde als großes Friedensprojekt nicht mehr wahrgenommen. Das aktuelle Säbelrasseln werde den Menschen in Europa nicht weiterhelfen, man dürfe die Politik an dieser Stelle keinen politischen Rattenfängern überlassen, forderte Reiße unter dem Applaus des Publikums.

Agnieszka Sauerwald, seit diesem Jahr Vorsitzende des Partnerschaftsvereins, bezeichnete die Bürger von Cölbe und Koscierzyna als Vorbild für die große Politik. Deutschland und Polen seien Schlüsselländer für Erfolg oder Scheitern gesamteuropäischer Verständigung.

In ähnlichem Sinne sprachen sich Micha Majewski und Grzegorz Piechowski, Bürgermeister der Stadt Koscierzyna beziehungsweise der Gemeinde Koscierzyna, für Weiterbestand und Fortentwicklung der erfolgreichen Partnerschaft aus. Für den polnischen Partnerschaftsverein sprach Tomasz Derra, stellvertretender Vorsitzender.

Musikalisch umrahmten der Schönstädter Kinderchor „Kernige Kids“ unter Leitung von Jessica Lenz mit drei Liedern, darunter „Bruder Jakob“ in deutscher und polnischer Version, sowie Ronny Moucka den Festakt. Begleitet von Jessica Lenz sang er „Wind of Change“, mit dem die Scorpions 1990 den politischen Wandel in Osteuropa feierten, und mit dem Gitarristen Rolf Wahl „Bring him home“ aus dem Musical Les Miserables. Während ihres Aufenthalts von Donnerstag bis Sonntag lernte die polnische Delegation unter anderem die ehrenamtliche Flüchtlingsarbeit des CAF in Cölbe sowie das WABL-Projekt kennen, besichtigte Marburg mit einem Schwerpunkt auf der jüdischen Geschichte und nahm am Rotweinlauf teil.

Nach dem Festakt am Samstagabend wurde im Bürgerhaus Schönstadt fröhlich miteinander gefeiert.

von Manfred Schubert

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