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Rebhühner finden Schutz in Blühwiesen

Artenschutz Rebhühner finden Schutz in Blühwiesen

Füchse, Dachse, Marder, Greifvögel, Eulen, mitunter auch Hunde und auch Waschbären haben sie auf der Jagd- oder Speisekarte: Rebhühner leben auch in der in Hessen geltenden vierjährigen Jagdschonzeit gefährlich.

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Gottfried Löwer freute sich im Sommer über den Steinklee auf der Blühwiese.

Quelle: Privatfoto

Mellnau. Imker aus dem Landkreis Marburg-Biedenkopf haben mit dem Kreisbauernverband und mit Geld aus Toto-Lotto-Mitteln des Landes 120 Kilo Saatgut für Blühwiesen bereitgestellt – darüber berichtete die OP im Juli. Heimische Landwirte brachten das Saatgut auf insgesamt rund 15 Hektar Fläche aus – als Beitrag, Bienen und anderen Nektar saugenden Insekten Nahrung anzubieten.

Gottfried Löwer aus Mellnau hat die 80 schon längst überschritten. Für ihn ist das aber kein Grund, die Zügel nun einfach etwas mehr schleifen zu lassen. Er will noch mitwirken an der Zukunft der Menschheit und begrüßt dabei jeden Baustein, der in eine bessere Richtung weist.

Hintergrund

Das Rebhuhn wird in der Roten Liste gefährdeter Arten als „stark gefährdet“ geführt. In Hessen sollen sich die Bestände bis Ende 2019 erholen können. Erst nach einer Bestandsaufnahme soll dann entschieden werden, ob sie wieder bejagt werden dürfen. Im Nachbarland Rheinland-Pfalz gibt es noch ein Jagdfenster im Frühherbst, aber viele Jäger verzichten dort freiwillig auf die Rebhuhnjagd. Der Bestand in Deutschland ist seit den 80er-Jahren um rund 90 Prozent zurückgegangen und das obwohl eine Henne bis zu 20 Eier legt.

Das Beispiel  mit den Blühwiesen mit Sonnen- und Ringelblumen, Koriander und Wicken findet er richtig gut. Und er macht dabei nicht nur mit, er hat da auch eine ganz eigene Methode entwickelt, die nicht nur den Bienen noch mehr bringt, sondern auch anderen Tieren, dem so genannten Niederwild, das auf landwirtschaftlich bearbeiteten Flächen etwa im hohen Weizen nur eine trügerische ­Sicherheit vorfindet.

Steinklee blüht über Monate

Löwers Herz schlägt auch für die Rebhühner, deren Bestand sich in Deutschland in den vergangen Jahrzehnten drastisch reduziert hat. So sehr, dass Hessens Umweltministerin Priska Hinz (Bündnis 90 / Die Grünen) im Dezember 2015 eine Jagdverordnung unterschrieb, in der festgehalten wurde, dass Rebhühner für die Dauer von vier Jahren nicht gejagt werden dürfen.

Löwer hat sich eine Genehmigung eingeholt, auf einer Blühwiese auch Steinklee wachsen zu lassen. Der geneigte Naturkundler wird jetzt sagen: Ja klar Honigklee, gute Idee. In der Tat gehört Steinklee zur Unterfamilie der Schmetterlingsblütler. „Und Steinklee hat einen enormen Vorteil. Er blüht über einige Monate hinweg und trägt darüber hinaus noch sehr viel ­Samen für die Vögel – auch für die Rebhühner.“

Aufgrund seiner Höhe bietet der Steinklee zudem den Niederwild, also den Rebhühnern Schutz vor Räubern, insbesondere aus der Luft. Löwers Taktik dabei. Es geht darum, den Steinklee nicht am Rand zu säen, sondern mitten in der Blühwiese. Die Blühwiese sollte nach Möglichkeit mindesten 200 Meter von Bäumen entfernt sein, auf denen Greifvögel sitzen und ihr „Futter“ lokalisieren können. Je länger nämlich deren Flugstrecke ist, umso größer die Chance des „Opfers“ sich noch in eine Blühwiese zu retten. Mehr Schutz geht dann nicht mehr. Jedenfalls was den Sommer angeht.

Im Winter, insbesondere bei Schnee, so Löwer, sind Rebhühner auf den freien Flächen sehr gut sichtbar und müssen dann zusehen, wie sie sich durchschlagen. Dass er in diesem Sommer welche im Feld bei Mellnau gesehen hat, stimmt ihn jedenfalls positiv, auch im nächsten Sommer nicht nur Bienen und Schmetterlingen, sondern auch Rebhühnern wieder ein gutes Nahrungs- und Schutzangebot machen zu können.

von Götz Schaub

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