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Nie wieder zurück in die alte Schule

In Wetter rückt die Abrissbirne an Nie wieder zurück in die alte Schule

Die derzeit 140 Schüler der Grundschule in Wetter sowie ihre Lehrer haben Abschied genommen von ihrer alten Schule. Sie macht noch in diesem Jahr Platz für einen Neubau. 

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Schuldezernent Marian Zachow (von links), Fachbereichleiter Reiner Röder (Schule und Gebäudemanagement beim Landkreis) sowie die stellvertretende Schulleiterin Sabine Keifler präsentieren das Modell der neuen Burgwaldschule. Im Hintergrund ist der ältere von zwei Gebäudeteilen zu ­sehen, derjenige, der abgerissen werden soll.

Quelle: Tobias Hirsch

Wetter. Ferien. In dicken roten Lettern prangt das Wort an den Fensterscheiben im obersten Stockwerk ganz links. Es sind die letzten Sommerferien, die Kinder und Lehrer im Altbau der Burgwaldschule in Wetter eingeläutet haben. Das aus dem Jahr 1959 stammende Gebäude gibt es bald nicht mehr. Bis zum Herbst steht es noch. Sobald ­Tische, Stühle, Bücher und ­Tafeln fortgeräumt sind, rückt die Abrissbirne an.

Nachgehakt

Die Schülerzahlen der Zukunft
Der Neubau in Wetter wird so ausgelegt, dass die Burgwaldschule künftig über Platz für 250 Schüler verfügt. Dahinter steckt mehr als nur ein Zugeständnis an die Schule, die sich dringend mehr Platz gewünscht hat. Dahinter stehen auch die Prognosen des Kreises, die von steigenden Schülerzahlen in Wetter ausgeht. So rechnet der Schulträger mit 170 Schülern in den Jahren 2022 und 2023 an der Burgwaldschule – aktuell sind es rund 140. Im Aufwärtstrend noch nicht mit eingerechnet seien die Faktoren von Zuwanderung und einer Zunahme bei den Geburten, sagt Schuldezernent Marian Zachow. Wie sich der Ausbau der Burgwaldschule auf deren ­Außenstandort in Mellnau und Oberrosphe oder auch auf die Grundschule in Amönau auswirkt, ist unklar. Der Landkreis bekennt sich zu all diesen Schulstandorten und will sie erhalten, doch sei ihr Fortbestand vor allem von den Anmeldungen abhängig, „davon, für welche Schule sich die Eltern entscheiden“, erklärt Zachow. So könnte eine attraktivere Schule in Wetter auch mehr Anmeldungen dort und weniger auf den Dörfern mit sich bringen. „Wir gehen aber davon aus, dass die Eltern die kurzen Wege schätzen und wir auch auf den Dörfern weiterhin Klassen bilden können“, sagt Zachow. Bei wenigen Anmeldungen kann es auch schon mal kritisch werden, wie in Mellnau, wo fürs kommende Schuljahr nur eine Klasse gebildet wird. „Das kann dann zu einem Problem bei der Betreuung werden, wenn nur eine Lehrkraft vor Ort ist und niemand mal einspringen kann“, sagt Zachow. Die Situation in Mellnau entspannt sich nur dadurch, dass ausgelagerte Klassen im kommenden Schuljahr ebenfalls dort unterrichtet werden, weil in Wetter dann schon die Bauarbeiten begonnen haben. Damit sind auch wieder mehr Lehrkräfte vor Ort.

Der Landkreises, der als Schulträger der Bauherr ist, will das Gebäude im Oktober oder ­November niederreißen lassen. Platz für einen Neubau soll entstehen – für ein Gebäude, das besser zur Schule von heute passt als das 60 Jahre alte Schulhaus. Dafür nimmt der Landkreis 5,2 Millionen Euro in die Hand.

Vor allem an Platz habe es ­gefehlt, sagt die stellvertretende Schulleiterin Sabine Keifler, die sich schon auf den Neubau freut. Schluss mit dem ständigen Umräumen von Klassenzimmern, die bislang als Versammlungs- und Besprechungsräume herhalten mussten. „Das war immer sehr umständlich.“ Schluss mit Gruppenarbeit auf dem Flur und in der Küche. Durch zusätzliche Räume für Lerngruppen, einen Mehrzweckraum, eine Bibliothek und eine Aula­ – alles barrierefrei zugänglich – will die Schule ihr „pädagogisches Konzept“ künftig besser umsetzen können. „Inklusion gehört bei uns jetzt schon dazu, und bislang hätten wir gar kein Kind mit Rollstuhl aufnehmen können aufgrund der Treppen“, nennt Keifler ein Beispiel. Hinzu kommt, dass die Schule­ wachsen will – von der Schülerzahl, aber auch vom Angebot her, das allmählich in Richtung Ganztagsschule geht.

Schluss mit Gruppenarbeit auf dem Flur

Künftig könne bei Bedarf auch eine Mittagsverpflegung für Schüler angeboten werden. Bis zu 250 Kinder könnten vom Raumangebot her in der neuen Schule unterrichtet werden, sagt der Erste Kreisbeigeordnete und Schuldezernent Marian Zachow (CDU). Künftig, das heißt ab 2019. Zwei ganze Schuljahre lang ist für die Burgwaldschule nun Improvisieren angesagt. Acht Klassenräume gibt die Wollenbergschule in Wetter an die jüngeren Kinder ab, „wir sind sehr dankbar, dass wir dort mit unseren zweiten, dritten und vierten Klassen unterkommen“, sagt Keifler.

Vorklasse und beide ersten Klassen ziehen für die Bauzeit an die Außenstandorte der Burgwaldschule in Mellnau und Oberrosphe um. „Es ist ein Glücksfall, das wir das so regeln können“, sagt Zachow, „sonst hätten wir Container aufstellen müssen“.

Eine von rund 70 Schulen im Kreis, in der einmal nicht während den Unterrichtszeiten gebaut werden muss mit permanenter Rücksicht auf den Schulbetrieb. Reiner Röder, Leiter des Fachbereichs Schule und Gebäudemanagement beim Landkreis, ist froh über die komfortable Situation. „Dafür wird es hier auch viel schneller gehen. In eineinhalb Jahren soll das Gebäude fertig sein.“

Eineinhalb Jahre – die Zeit läuft ab dem Frühjahr 2018. Dann soll der Bau des neuen­ Schulhauses beginnen. Und wenn alles klappt, dürfen Schüler und Lehrer dort zum neuen Schuljahr 2019 einziehen. Der hintere Gebäudetrakt der Burgwaldschule, der aus den 1980er-Jahren stammt, bleibt erhalten, wird aber umgestaltet. Glaswände oder Oberlichter sollen für mehr Helligkeit sorgen.

Hintergrund

Für den Umbau der Burgwaldschule in Wetter hatte der Landkreis als Schulträger erstmals einen Architekten-Wettbewerb ausgeschrieben. Fast 100 Büros bewarben sich. Davon loste der Kreis 20 Teilnehmer aus, von denen 15 Büros schließlich Entwürfe einreichten. Der Kreis verteilte 31.000 Euro als Anerkennung für die vier besten Entwürfe. Eine Jury traf die Auswahl. Ihr gehörten neben Mitgliedern von Kreisausschuss und Kreistag auch Vertreter der Architektenkammer, der Schule und der Stadt Wetter an.

Von 15 Entwürfen war der des Büros LSK Architekten Darmstadt der einzige, der einen Abriss und vollständigen Neubau des 60 Jahre alten Schulbaus vorsah. Es war auch der Entwurf, der bei den Kosten führte. „Durch einen Neubau entstehen für die Schule natürlich mehr neue Möglichkeiten als bei einer Sanierung – und das war auch einer der Gründe, weshalb dieser Entwurf sich durchgesetzt hat“, erklärt Schuldezernent Marian Zachow (CDU), Erster Beigeordneter des Landkreises. Preisgeld erhielten neben den Darmstädter Architekten auch drei weitere Bewerber. „Wir wollten den Wettbewerb, damit wir uns nicht nur am Preis orientieren. Außerdem hatten dadurch auch jüngere­ Büros eine bessere Chance, weil der Zuschlag sonst meistens an die erfahreneren Bewerber geht“, erklärt Zachow. Die Investition in das Preisgeld rechne sich, da die Architekten den Entwurf nun nicht mehr in Rechnung stellen könnten.

Für die Erneuerung der Burgwaldschule waren bereits 3,5 Millionen Euro im Kreishaushalt eingeplant, die Summe wird nun auf 5,2 Millionen Euro aufgestockt. In ihrer jüngsten Sitzung stimmten die Kreistagsmitglieder geschlossen dafür.

 
So sieht der Gewinner-Entwurf aus dem Architektur-Wettbewerb aus. Ein Atrium soll für Helligkeit sorgen und die Räume miteinander verbinden. Grafik: LSK Architekten Darmstadt
 
 

von Carina Becker-Werner

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