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Großer Spaß mit kleinen Kugeln

OP-Serie zu alten Spielen Großer Spaß mit kleinen Kugeln

Früher von keinem Spielplatz wegzudenken, heute eher selten zu sehen: Kinder, die konzentriert mit Murmeln, Klickern oder Schussern, wie sie auch genannt werden, gegeneinander antreten.

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Mindestens zwei, aber auch wesentlich mehr Teilnehmer können bei Murmelspielen mitmachen.

Quelle: Manfred Schubert

Mellnau. „Als erstes brauchen wir ein Loch“, erklärte Margot Diehl Kim und Cora. Und wie man das am einfachsten gräbt, machte die Ortsvorsteherin von Mellnau auch gleich vor: den Schuhabsatz fest in die sandige Erde drücken und sich ein- bis zweimal im Kreis drehen. Das könnte es schon gewesen sein, doch als erfahrene Murmelspielerin hat sie noch einen trichterförmigen Plastikbecher mitgebracht, den sie ins Loch steckt und damit die Seitenwände stabilisiert. Einige Schritte entfernt wird eine Startlinie markiert.

Faktencheck

Schwierigkeitsgrad: Zwei Punkte
Kostenaufwand: Zwei Punkt
Fun-Faktor: Zwei Punkte
Revival-Chancen : Zwei Punkt

Jetzt braucht jeder Spieler noch eine gleiche Zahl an Murmeln, jeweils von anderem Aussehen, um sie unterscheiden zu können. Margot Diehl hat ein prall gefülltes Säckchen mit grünlich oder bläulich schimmernden Glasmurmeln mitgebracht, auch undurchsichtige schwarze und weiße sind dabei. Dann kann es losgehen mit der wohl bekanntesten und vielleicht auch ältesten Art des Murmelspiels: „Murmel ins Loch“ oder „Einlochen“.

Nacheinander versuchen die Spieler, ihre Murmeln geschickt zu werfen oder zu rollen. Alle bleiben dort liegen, wo sie hingefallen sind. Wenn alle Murmeln gespielt sind, beginnt der Spieler, der die meisten versenkt hat oder dessen Murmeln dem Lochrand am nächsten liegen, die neben dem Loch liegenden mit dem Finger ins Loch zu schnippen oder schubsen.

An dieser Stelle gibt es zwei mögliche Varianten: Entweder bekommt der Spieler alle Kugeln, die er ins Loch trifft, bis er daneben zielt und der Nächste an der Reihe ist, oder derjenige, der die letzte Kugel einlocht, gewinnt und erhält alle Murmeln oder einen vorher festgelegten Teil.

Faktencheck

Aus welcher Zeit stammt das Spiel?
3000 vor Christus
Wo wurde es gespielt?
Weltweit
Was braucht man?
Murmeln
Wie viele Speiler braucht man?
Mindestens zwei
Wie viel Zeit nimmt das Spiel in Anspruch?
Mindestens zehn Minuten

Es gibt zahlreiche andere Arten, mit Murmeln zu spielen. Was nicht weiter verwunderlich ist, gehört es doch zu den ältesten Kinderspielen, wie archäologische Funde belegen. Die ältesten, als Beigabe im Grab eines ägyptischen Kindes gefundenen, Murmeln wurden auf 3 000 vor Christi datiert. Damals bestanden sie aus Stein, meist aus Marmor. Vom mittelhochdeutschen Wort Marmel oder Mermel für Marmor leitet sich Murmel ab. Später wurden sie auch aus Ton hergestellt. Übrigens nicht nur als Spielzeug, sondern als Kriegsmunition auf Segelschiffen, weil sie mehr Schaden im Tauwerk als Metallkugeln anrichteten. Im Thüringer Wald war das lange ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Wer sich genauer darüber informieren möchte, kann das Murmelmuseum Sachsenbrunn im Thüringer Wald, nach eigenen Angaben Europas einziges Stein- und Tonkugelmuseum, besuchen (www.bleistiftzeichnung.de).

In Thüringen wurde auch die Glasmurmel 1848 erfunden, vom Glasbläser Christoph Simon Karl Greiner, der die „Märbelschere“ entwickelte, um die Herstellung von Glasaugen zu vereinfachen. Deutschland war bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs die führende Nation bei der Glasmurmelherstellung. Heute findet man Murmeln hauptsächlich aus Glas, seltener aus Stein, manchmal aus Stahl, und in unterschiedlichen Preisklassen.

Übrigens: Seit 1996 wird Murmeln auch als Deutsche Meisterschaft ausgetragen. Dieses Jahr fand sie im Juli in Ludwigshafen statt. Deutscher Meister wurde der „SV Murmel 011“ aus dem Landkreis Oldenburg in Niedersachsen.

von Manfred Schubert

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