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Ein anderes Empfinden für Dreck

Straßenreinigungspflicht Ein anderes Empfinden für Dreck

In der Stadt kommen weniger Bewohner der Straßenreinigungspflicht nach als auf den Dörfern. Denn dort wüssten die „Alteingesessenen“, was zu tun sei, meinen Ortsvorsteher.

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Wurzeln von Pflanzen wie Löwenzahn, wie hier in einer Wetteraner Straße in der Innenstadt, zerstören Bordsteine.

Quelle: Tobias Hirsch

Wetter. „Alle Versuche über den Wetteraner Boten, die Eigentümer zur Straßenreinigung zu bewegen, fruchteten leider nicht“, schrieb Bürgermeister Kai-Uwe Spanka im Bekanntmachungsblatt der Stadt Anfang des Monats. Beschwerden über den Zustand der Straße seien vor allem aus der Innenstadt gekommen.

Gräser und Büsche am Straßen- und Bordsteinrand seien teilweise über einen halben Meter hoch gewachsen. „Das sieht manchmal schon abenteuerlich aus“, ergänzt Spanka im Gespräch mit dieser Zeitung. Wichtig sei die Pflege nicht nur für das Erscheinungsbild der Stadt, sondern auch zur ­Instandhaltung der Straßen, da Wurzeln häufig Pflaster oder Asphalt beschädigten. Kosten für die Straßensanierung könnten der Kommune und den Anwohnern so länger erspart bleiben.

"Anschwärzen ist so eine Sache"

Nicht zum ersten Mal habe­ er im Wetteraner Boten an die Pflicht erinnert, so Spanka. Nach der letzten Aufforderung in dem Bekanntmachungsblatt habe sich nicht viel getan. Daher hätten die Kollegen aus dem Ordnungsamt eine Kontrolle durchgeführt und 70 Eigentümer und Mieter angeschrieben.

„Wer seiner Pflicht nachhaltig nicht nachkommt, dem wird eine Zwangsmaßnahme angedroht“, erläutert der Bürgermeister. Der Bauhof oder ein Fremdunternehmen übernehme dann die Reinigung und stelle sie dem Eigentümer oder Mieter in Rechnung. Dass es tatsächlich dazu komme, sei aber ganz selten. „Keine fünf Mal im Jahr kommt das vor“, so der Bürgermeister.

In den Außenstadtteilen sei das Problem generell geringer. „Da ist das Empfinden für ­eine dreckige Straße ein anderes“, sagt Spanka. Wenn dem Landwirt von nebenan Mist vom Fahrzeug falle, nehme man Schippe oder Besen in die Hand und beseitige den Dreck. Nur in einzelnen Fällen seien auch dort schon Briefe versandt worden.

Hans Heinrich Dersch, dem Ortsvorsteher von Warzenbach ist ein solcher Fall aus seinem Dorf bekannt. Ein Bewohner sei schon zweimal vom Ordnungsamt zum Kehren aufgefordert worden. Er spreche die Leute aber lieber persönlich an. „Das Anschwärzen auch als Ortsvorsteher ist so eine Sache“, so Dersch.

Einzelne Fälle im Dorf

Auch der Treisbacher Ortsvorsteher, Wolfgang Achenbach, erklärt, einige Bewohner hätten ihre Nachbarn beim Ordnungsamt gemeldet. Er gehe persönlich auf Bürger zu. „Die Leute sind kooperativ. Wenn man es anspricht, passiert auch was.“ Einen Grund für eine gelegentliche Vernachlässigung sieht er in dem Zustand der Straße. „Wenn Löcher im Asphalt sind, die Bürgersteige marode, dann wird auch nicht richtig gepflegt“, so der Treisbacher Ortsvorsteher. Teilweise seien Bewohner auch zu alt, um ihrer Pflicht adäquat nachkommen zu können.

Trotzdem seien sie davon nicht entbunden, erklärt Bürgermeister Spanka im Gespräch mit dieser Zeitung. Hausmeisterdienste oder hilfsbereite Nachbarn könnten Abhilfe schaffen.

Häufig seien es Zugezogene,­ die ihrer Pflicht nicht nachkämen, meint der Warzenbacher Dersch. Sie seien mit den örtlichen Gepflogenheiten nicht so vertraut. Andere ließen das Gras einfach lieber wachsen.

Grundsätzlich habe man mit Dreck und Unkraut aber kein Problem. „98 Prozent kommen ihrer Pflicht nach,“ meint Dersch.

Auch Florian Lies, Ortsvorsteher von Unterrosphe, berichtet: „Hier ist es überwiegend so, dass die Leute von jeher wissen, was sie zu tun haben.“ Mit den „Alteingesessenen“ gebe es keine Probleme. Er sehe derzeit eher Hundekot als Problem. Die Hinterlassenschaften der Vierbeiner ärgerten Benutzer des „Matsch-Spielplatzes“. Im Ortsbeirat habe man daher darüber beraten, Spender für Hundekottüten aufzustellen, mit denen man sich einen sauberen Spielplatz erhoffe.

von Freya Altmüller

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