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Alte Schätze zwischen Ruß und Schutt

Heimatverein gibt nicht auf Alte Schätze zwischen Ruß und Schutt

Mehrmals pro Woche kommen Helfer im Dorfmuseum Oberrosphe ­zusammen. Mit Rußentferner, Topfreinigern und sogar Zahnbürsten versuchen sie zu retten, was von den Ausstellungs­stücken noch übrig ist.

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Das Geburtszimmer im Obergeschoss zeigt, wie viel Ruß in alle Räume eingedrungen ist.

Quelle: Manfred Schubert

Oberrosphe. Fassungslos schaut sich Anna Vigelahn im rußgeschwärzten Obergeschoss um. „Das ist ja nicht auszuhalten“, stöhnt sie und bricht in Tränen aus. Zum ersten Mal nach dem Brand in der Nacht vom 22. zum 23. März hat sie das stark beschädigte Hauptgebäude des Dorfmuseums betreten. „Solche Schätze. Ich habe dort einige Male Führungen gemacht, auch in russischer Sprache, zum Beispiel für Studentengruppen aus Moldawien. Die Leute waren so begeistert. Einige haben irgendwie von dem Brand erfahren und mich angeschrieben, um zu erfahren, was hier los ist“, erzählt sie.

Trotz aller Trauer haben die Mitglieder des Heimat- und Verschönerungsvereins nicht den Mut verloren. Montags, mittwochs und samstags treffen sich freiwillige Helfer auf dem Hofgelände. Café, Laden und Küche, die völlig ausgebrannt waren, sind inzwischen leer. „Es war eine schwarze Hölle, jetzt ist es wieder aufgeräumt“, sagt Silke Wolf, Schriftführerin des Vereins, erleichtert und betont, dass die Helfer durchaus auch Spaß an der gemeinsamen Arbeit haben. Und mittlerweile werden die Einsatzzeiten akkurat mit einer jüngst gespendeten Stempeluhr festgehalten.

 
Bei einem Arbeiteinsatz entdecken Silke Wolf (von links), Hans Bertram und Erhard Jakobus Klonk unter einer rußgeschwärzten, gesprungenen Scheibe ein fast unbeschädigtes Bild. Foto: Manfred Schubert

Draußen im Freien sitzen die Helfer, sortieren die Ausstellungsstücke, die aus den anderen Räumen herausgeholt werden, waschen und putzen mit Rußentferner, Topfreinigern und sogar Zahnbürsten, was noch zu retten ist. Stücke aus Stoff sollen in eine Reinigung gebracht werden. Manchmal gibt es Glücksmomente: Silke Wolf, der Vorsitzende Hans Bertram und Erhard Jakobus Klonk entdecken unter der rußgeschwärzten, gesprungenen Scheibe ein fast unbeschädigtes besticktes Bild aus der Zeit des Ersten Weltkriegs.

Im Keller unter dem Haupthaus ist bereits eine stattliche Menge an gesäubertem Geschirr und Steingut gelagert. Mittlerweile wird alles sorgsam weggeschlossen, nachdem bereits einige Interessenten dagewesen seien, die sich an den gereinigten und im Hof zum Trocknen aufgestellten Exponaten bedienen wollten, um sie auf Flohmärkten zu verkaufen.

Wenn alles leergeräumt ist, muss das Gebäude vom Bauingenieur, der Versicherung und vom Denkmalschutz begutachtet werden, bevor es an die Sanierung gehen kann. „Im Obergeschoss wird es relativ flott gehen, die Wände müssen gewaschen werden, aber unten muss neu aufgebaut werden“, sagt Hans Bertram. Dennoch hoffe man, zur Krippenausstellung wieder eröffnen zu können. Einiges werde man ersetzen können, anderes werde auf der Strecke bleiben. Beispielsweise seien die historischen Untergemälde an den Wänden des Cafés zerstört worden.

  • Der Verein hofft auf Spenden, um die Kosten decken zu können. Wer finanziell beim Wiederaufbau des Museums helfen möchte, erhält weitere Informationen unter www.dorfmuseum-oberrosphe.de

von Manfred Schubert

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