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Wenn Eltern Eltern fürchten

Schutz für Kinder Wenn Eltern Eltern fürchten

Mehr Sicherheit für die Kinder auf der Straße vor dem Kindergarten in Sterzhausen wünscht sich der Elternbeirat. Etwa durch Fahrbahnschwellen oder einen Zebrastreifen. Den größten Teil des Autoverkehrs verursachen Eltern.

Sterzhausen. Sehr anschaulich, mit detaillierten Angaben untermauert und nach Rücksprache mit einem Fachanwalt für Verkehrsrecht, stellten fünf Mitglieder des Elternbeirats des Kindergartens Sterzhausen das Anliegen dar. Der Vorsitzende, Dr. Hansjörg Aust, hatte eine Powerpoint-Präsentation zur öffentlichen Anhörung in die Gemeindeverwaltung mitgebracht, an der dreizehn Personen teilnahmen. Unter anderem war neben Lahntals Bürgermeister Manfred Apell auch Andreas Feußner vom Fachdienst Straßenverkehr der Kreisverwaltung dabei.

100 Betreuungsplätze hat der Kindergarten, 45 Kinder sind in der Spätbetreuung. Bring- und Holzeiten sind 7 bis 9 Uhr, dann ist es im Winter dunkel oder Nebel kann die Sicht behindern, und 12.20 bis 12.30 Uhr. Mehr als zwei Drittel der Kinder werden mit Autos gebracht und geholt. Innerhalb zwei Stunden bringen morgens etwa 60 Eltern 60 Kinder und fahren oder gehen wieder weg. Zwischen 12.15 und 12.35 Uhr holen 40 Eltern 40 Kinder innerhalb von 20 Minuten ab.

Das Problem sei, dass die Parkplätze an der Mehrzweckhalle dafür genutzt werden müssen, die auf der Straßenseite gegenüber liegt. Fahr- und Fußweg sind dort identisch, Bäume vor der Halle mit tief ansetzenden Ästen nutzen die Kinder gerne zum Klettern. Für Kinder sei der Bereich unübersichtlich, und der beschränkte Parkraum verführe zum Falschparken.

Das hohe Verkehrsaufkommen in den Hol- und Bringzeiten bringe Gefahren mit sich. Es seien hauptsächlich Eltern, die zu schnell in diesem Bereich fahren würden. Nach Überzeugung des Elternbeirats brauchen diese leider einen „rechtlichen Hammer“, Reden helfe überhaupt nicht.

Zwar gilt in der Schulstraße Tempo 30, das entsprechende Zeichen wird jedoch nicht vor dem Kindergarten wiederholt, auf den nichts hinweist, auch das Zeichen „Kinder“ fehlt. Es gibt kein Geländer, das verhindert, dass die aus dem Kindergarten kommenden Kinder direkt die Fahrbahn betreten können, um den kürzesten Weg zu ihren „Kletterbäumen“ gegenüber einzuschlagen. Die vorhandenen Straßenverengungen für die Verlangsamung des Verkehrs seien zu weit vom Eingang entfernt. Der Elternbeirat habe bereits mehrmals schriftlich die Gemeinde um Beschilderung und den Bau von Fahrbahnschwellen gebeten, in Gesprächen mit dem Ortsbeirat um Verkehrsicherungsmaßnahmen, Aufstellung von Warnfiguren und eine weiße Linie zur optischen Trennung von Fußweg und Fahrbahn.

Diskussion läuft schonseit September 2012

Im September hatte sich der Ortsbeirat für einen Zebrastreifen ausgesprochen, den sich der Elternbeirat auf Höhe des Transformatorenhäuschens wünschte, wo schon eine Laterne steht. Das lehnte die Gemeinde ab. Die Fußgängerzahlen seien zu niedrig, so dass ein Zebrastreifen in diesem Bereich nicht genehmigt würde. Stattdessen bot sie an, ein Fahrbahnpiktogramm in diesem Frühjahr anzubringen.

Dr. Aust erklärte, dass laut Fachanwalt das Gebot des höheren Rechtsschutzes, in diesem Fall die sichere Fahrbahnüberquerung vor einer Kindereinrichtung, die Einrichtung eines Zebrastreifens erlaube.

Bürgermeister Manfred Apell bot an, wie in Goßfelden, wo die Situation noch schwieriger sei, eine Geschwindigkeits-Messaktion vor dem Kindergarten durchzuführen, bei der die Eltern direkt mit den Ergebnissen konfrontiert werden. Die Gemeinde habe die Situation in Sterzhausen von Anfang an im Auge gehabt, daher gebe es die farblichen Pflastermarkierungen an beiden Zufahrten und die Einbuchtungen.

Schwellen werde man nicht bauen, weil es viele Juristen in diesem Land gebe und jeder, der sich an seinem tiefer gelegten Fahrzeug den Spoiler abreiße, einen Anspruch gegen die Gemeinde habe. Ein anderes Problem seien in dem Bereich landwirtschaftliche Fahrzeuge, die hinten aufschlagen könnten.

Gegen Zebrastreifen spreche, dass diese ein Gefühl der Sicherheit vermitteln, die nicht wirklich gegeben sei. Leider gebe es immer mehr Menschen, die Zebrastreifen nicht beachten, deswegen gebe es immer weniger davon.

Den Vorschlag mit dem Schutzgitter vor dem Kindergarteneingang, um das direkte Hinauslaufen auf die Straße zu verhindern, nehme er auf, das leuchte ihm ein, sagte Apell. Zu allem werde der Elternbeirat eine Stellungnahme erhalten. Am sichersten wäre aus seiner Sicht, zu den Betriebszeiten des Kindergartens die Straße mit Schranken komplett zu sperren und die Zufahrt zum Parkplatz vor der Halle nur von hinten zuzulassen. Jedoch sei absehbar, wie viel Widerstand es gegen diese Lösung gäbe.

Andreas Feußner meinte, das Schild 136 „Kinder“ aufzustellen sei eine Möglichkeit. Es sei höherwertiger als die Geschwindigkeitsbegrenzung, ein Kraftfahrzeug müsse dann jederzeit zum Stehen kommen können.100 Prozent Sicherheit könne aber keiner geben.

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