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Wenn Bürgersteige zum Hindernis werden

Projekt des Seniorennetzwerks Wenn Bürgersteige zum Hindernis werden

Schüler der Hephata Ergotherapieschule Fokus haben mit der Gemeinde und dem Seniorennetzwerk Cölbe eine Karte ­erarbeitet, die die Befahrbarkeit der Bürgersteige mit Rollstuhl, Rollator und Kinderwagen darstellt.

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Maria Krack (von links), Theresa Thielemann, Ortsvorsteherin Gisela Nagel-Rotarius, Bürgermeister Volker Carle, Sabine von Aschwege-Vießmann vom Seniorennetzwerk Cölbe, Julia Bernsen, Projektleiter Herbert Helmbrecht und Joanne Westhauser präsentierten die „Mobil in Cölbe“-Karte.

Quelle: Manfred Schubert

Cölbe. Manche Bürgersteige sind zu schmal oder fehlen ganz, ebenso vereinzelt Fußgängerüberwege. Der Bordstein ist zu hoch, vor Eingangstüren sind hohe Stufen. Und oft ist es die Gedankenlosigkeit (noch) nicht selbst von Einschränkungen Betroffener, die Hindernisse schafft: Sie stellen Mülltonnen so hin oder parken Autos so, dass man mit Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen nicht vorbeikommt und auf die Straße ausweichen muss. Ungeschnittene Hecken erschweren das Vorbeikommen oder sind so hoch, dass sie den Blick auf den Weg oder die Verkehrssituation versperren und so das Überqueren von Straßen erschweren.

„Bei uns häuften sich Beschwerden, dass man in Cölbe schlecht mit dem Rollator unterwegs sein kann“, berichtete Sabine von Aschwege-Vießmann, die das Seniorennetzwerk Cölbe betreut. „Die Ergotherapieschule Fokus nahm sich gleich der Sache an. Wenn wir einen Hilfeschrei loslassen, wird dort daraus sofort ein Projekt gemacht!“, hob sie hervor.

In diesem Fall wurde es für sieben Schülerinnen und einen Schüler im zweiten Ausbildungsjahr zu einem praxisorientierten Projekt zum Thema „gemeinwesenorientierte Ergotherapie“. Zwei Wochen lang fuhren sie selbst mit Rollstuhl, Rollator und Kinderwagen alle Straßen in Cölbe ab, zum Teil war auch eine ältere Rollstuhlfahrerin dabei. Zusätzlich führten sie eine Befragung durch.

Die jetzt vorgestellte Karte „Barrierefreiheit in Cölbe. Mobil mit Rollstuhl, Rollator und Kinderwagen“ kann man in großer Ausführung in der Gemeindeverwaltung und in den Räumen des Seniorennetzwerks einsehen. Im Internet findet man sie unter www.fokus-ergotherapie.de/karte.html, und als Faltblatt ist sie in verschiedenen öffentlichen Einrichtungen sowie in Geschäften erhältlich. Wesentlich mehr Bürgersteige sind rot als nicht befahrbar oder nicht vorhanden markiert, die grünen, gut befahrbaren, sind in der Minderheit.

Bürgermeister Carle: Karte ist ein Handlungsplan

Bürgermeister Volker Carle versprach: „Das ist für uns ein Handlungsplan, nicht nur eine Karte, die in der Schublade verschwindet.“ Es sei eine tolle Bereicherung, dass die ­Fokus-Ergotherapieschule sich des Problems mit der Einstellung angenommen habe, selbstbestimmte Lösungen zu finden und das mit den Betroffenen als gleichberechtigten Partnern anzugehen.

Herausforderung des demografischen Wandels sei, Möglichkeiten zu schaffen, dass alte Menschen selbstbestimmt und eigenverantwortlich ihr Leben bewältigen können. Für die entsprechenden Rahmenbedingungen zu sorgen, sei eine gewaltige Aufgabe für die Gemeinde. Ein - teilweise schon umgesetztes - Ziel sei, die Bürgersteige mit ihren Bordsteinkanten ganz zu beseitigen. Auch eine weitere Idee der Schüler griff er auf, mehr Ruhebänke, eventuell über Patenschaften, aufzustellen, um das Innehalten beim Einkaufen zu ermöglichen. Beispielsweise auf dem recht langen Weg vom Seniorenheim zum Rewe-Markt fehle eine.

Andere kleine Verbesserungen wurden schon während des Projektes umgesetzt. „Wir waren in verschiedenen Geschäften. Uns fiel auf, dass die Besitzer sehr hilfsbereit sind“, berichtete eine Schülerin. Daraufhin druckten die Schüler laminierte Zettel, die nun an den Geschäften darauf hinweisen, dass Hilfe bei Zugang und Einkauf geboten wird. Denn manch einer halte sich bei der Bitte um Hilfe vielleicht doch zurück, so ein Hinweis erleichtere dies.

Projektleiter Herbert Helmbrecht berichtete, aus der Schülerschaft kämen noch weitere Ideen, zum Beispiel die Gaststätten bezüglich ihrer Barrierefreiheit zu kartieren. Aber auch Anderen soll die Karte bestehende Probleme bewusst machen, sie sensibilisieren und eventuell zu Lösungsvorschlägen anregen.

Carle erinnerte daran, dass die Seniorenarbeit der Gemeinde auch zum Teil auf der Arbeit der Ergotherapieschule fuße, die vor fünf Jahren einen Fragenkatalog zu den Lebensumständen der Senioren erstellte. Unter anderem das Seniorennetzwerk sei daraus hervorgegangen, die Karte sei nun ein weiterer Meilenstein.

von Manfred Schubert

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