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Wenn Bäume in die Luft fliegen

OP-Serie: Unser Wald Wenn Bäume in die Luft fliegen

Spektakuläre Aktion im Burgwald: Erstmals in der gesamten Region wurde die Krone eines Baumes abgesprengt. Dies erledigten ehrenamtliche Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks aus Marburg, Frankenberg und
Wächtersbach.

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Revierförster Thomas Figge schaut sich das Ergebnis der Sprengung an. Auf der Vorderseite sieht der Stamm zwar sehr zerrissen aus, doch es ist genug intakt geblieben, insbesondere die pilzbewachsene Rückseite, und in den Spalten können Fledermäuse nisten.

Quelle: Manfred Schubert

Burgwald. Ein gewaltiger Knall hallt durch den Wald. Ein Reh springt aufgeschreckt durch eine Schonung. Die etwa 20 Zuschauer, zumeist Forstamtsmitarbeiter, starren zwar angestrengt in die Richtung, in der die Explosion stattfinden soll, aber 300 Meter Sicherheitsabstand und etliche Bäume verhindern eine gute Sicht aufs Geschehen.

Nach einigen Minuten erklingen drei kurze Hornsignale – das Zeichen, dass die Sprengung beendet ist. Alle machen sich wieder auf den Weg zurück, um das Ergebnis aus der Nähe in Augenschein zu nehmen.
Die Absicht war gewesen, einer etwa 200 Jahre alten und 33 Meter hohen, morsch gewordenen Rotbuche in sieben Metern Höhe die Krone abzusprengen. Äste drohten abzubrechen und stellten somit eine Gefahr für Wanderer und Spaziergänger auf dem direkt an dem Baum vorbeiführenden Weg dar.

Erstmals wurde in der Region die Krone eines Baumes gesprengt. Der Rest der Rotbuche soll nun zu einem neuen Lebensraum werden.

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Andererseits handelte es sich um einen „wunderschönen Baum genau am Weg, besiedelt mit Pilzkolonien. Es mangelt immer an stehendem Totholz im Wald. Die Idee war, dass der Stamm als Blickfang sowie als Lebensraum für Tiere und Pilze stehen bleiben sollte“, erklärte Thomas Figge, Leiter der Revierförsterei Roda im Forstamt Burgwald.

Entsprechend der Selbstverpflichtung von Hessen-Forst sollen drei Laubbäume pro Hektar Wald dem natürlichen Verfall anheim gegeben werden. Wenn man den nahe beim viel von Spaziergängern genutzten Herrenweg wachsenden Baum komplett hätte stehen lassen, hätte man den direkt daran vorbeiführenden Waldweg sperren müssen. „Mit hätte es sehr leid getan, den Baum zu fällen. Und in dieser Höhe wäre es bei einem faulen Baum zu gefährlich gewesen, Waldarbeiter mit einem Hubwagen die Krone absägen zu lassen. Die Sprengung, um einen Teil des Stamms stehen zu lassen, ist ein guter Kompromiss“, sagte Figge. Eine
solche Sprengung hatte er einmal bei Wiesbaden miterlebt, im Forstamt Burgwald und vermutlich der ganzen Region sei es eine Premiere, meinte der Revierförster.

1,3 Kilo Sprengstoff aufs Gramm genau bestellt

Und auch für die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks aus den Ortsgruppen Frankenberg, Marburg sowie Wächtersbach, wo die Fachgruppe Sprengung untergebracht ist, war es keine alltägliche Arbeit. „Das ist schon eine gewisse Herausforderung, eine solch präzise Sprengung vorzunehmen“, betonte der Sprengberechtigte Christian Sohn vom THW Marburg. Und eine willkommene Gelegenheit, die erlernten Fähigkeiten aufzufrischen und zu vertiefen sowie die ohnehin alle zwei Jahre erforderliche Übungssprengung zu absolvieren. Die Fachleute bohrten zur Vorbereitung eine Reihe Löcher in den Stamm und brachten die Ladungen darin unter. 1,3 Kilogramm gewerblicher Sprengstoff, genauer gelatinöser Gesteinssprengstoff, kamen zum Einsatz.

Das eigentliche Hantieren mit dem Sprengstoff durfte nicht fotografiert oder gar gefilmt werden, schließlich sollte keine Anleitung für Bombenbastler geliefert werden. Und beim THW lagert kein Sprengstoff, unterstrich Sohn, um niemanden auf dumme Gedanken kommen zu lassen. Die benötigte Menge bestelle man aufs Gramm genau und hole sie am Tage der Sprengung ab.

Im Baumstumpf können nun Fledermäuse nisten

Etwa eineinhalb Stunden dauerten die Vorbereitungsarbeiten für die erste Sprengung, später sollte noch ein zweiter Baum niedergelegt werden. Das Ergebnis der ersten Aktion schien zunächst nicht wunschgemäß ausgefallen zu sein. Der Stamm sah von vorne aus, als sei ein Blitz eingeschlagen und habe ihn zersplittert. „Der Baum war doch verfaulter, als es zunächst schien, daher ist er so zerrissen“, erklärte Christian Sohn.
Doch nachdem Revierförster Figge sich den Stamm angeschaut hatte, zeigte er sich zufrieden. „Er erfüllt die vorge­sehene Funktion als Lebensraum für andere Tiere, als sie in liegendem Totholz vorkommen. In den entstandenen Spalten können Fledermäuse, beispielsweise die Bechsteinfledermaus, nisten“, sagte er.

Mit einer Seilwinde zogen die THW-Mitarbeiter noch ein Stück der Krone zur Seite, dann machten sie sich auf den Weg zur nächsten Einsatzstelle.

von Manfred Schubert

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