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Wenig Arbeit und jahrelange Freude

Serie: Saisongarten Wenig Arbeit und jahrelange Freude

Ohne Stauden sind blühende Gärten kaum vorstellbar. Die Mehrjährigen unter den Blumen bereiten wenig Arbeit und blühen über viele Jahre immer wieder.

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Die Akelei gehört zu den schönsten Frühjahrsstauden.

Quelle: Frank Rademacher

Sterzhausen. Die Stauden bilden im Garten gewissermaßen das Gerüst, einen festen Rahmen, dessen Lücken Jahr für Jahr neu mit ein- und zweijährigen Blumen ausgefüllt werden können. So haben wir einen konstanten Teil, über den wir uns jedes Jahr aufs Neue freuen können und dazwischen genügend Platz für Variationen.

Mit einer größeren Auswahl an Stauden können Hobbygärtner sicherstellen, dass von Ende März bis zum ersten Schnee im November immer etwas blüht im Garten. Die Kuhschelle gehört zu den ersten Blühern. Ihre gefiederten Blätter erscheinen, wenn kein Schnee mehr liegt, schon Ende März. Kaum sind ihre violetten, roten oder gelben Blüten entfaltet, schiebt auch die Gemswurz schon ihre Blütenstengel in die Höhe, auf denen bald gelbe Sterne leuchten.

„Nicht zu vergessen ist Helleborus in allen Sorten und Arten, so ist die stinkende Nieswurz eine Nahrungsquelle für Hummeln und Pelzbienen, zudem ist sie sehr attraktiv mit ihrer frühen Blüte“, sagt Irene Becker, Vorsitzende der mittelhessischen Ortsgruppe der Gesellschaft der Staudenfreunde.

Sie zählt auf, welche Stauden im Laufe des Gartenjahres für Furore sorgen. Ende April blühen auch Euphorbien auf. Sie veranstalten ein grün-gelbes Blütenmeer. Zypressen-Wolfsmilch, Mandelblättrige und Vielfarbige Wolfsmilch sind für Irene Becker drei empfehlenswerte Sorten.

Zu den schönsten Frühjahrsstauden zählt auch die Akelei, die in zahlreichen Rot- und Violett-Tönen, aber auch gelb oder mehrfarbig blüht. Die Blüten selbst sind ausgesprochen filigran und kunstvoll gestaltet, was auch für die Samenstände gilt. Eine Selbstaussaat lässt sich nur verhindern, wenn die Blütenstände vor der Samenbildung abgeschnitten werden.

Verblühtes abschneiden regt eine zweite Blüte an

Zu den Klassikern gehört die Margerite, deren weiße Form die bekannteste ist. Auch bei ihr empfiehlt es sich, die verblühten Blütenstände rechtzeitig abzuschneiden. Das verhindert nicht nur das unkontrollierte Aussamen, sondern fördert auch eine zweite Blütenbildung. Das Ziel der Blumen ist die eigene Fortpflanzung. Werden die Blütenstände vor der Samenbildung entfernt, registrieren die Pflanzen dies und bilden eine zweite Blüte. „Früher gab es die klassische Kombination Rosen und Margeriten, heute pflanzt man eher Napeta, Salvia und Einjährige zu Rosen“, erklärt Irene Becker.

Mit dem zeitigen Entfernen der verblühten Blütenstände lassen sich auch zweijährige Pflanzen wie die Stockrose austricksen. Sie bilden im ersten Jahr nur eine starke Blattrosette und blühen dann im zweiten Jahr. Wird das Verblühte abgeschnitten, ist der „Auftrag“ gewissermaßen noch nicht erfüllt - und die Stockrose treibt im kommenden Jahr erneut aus und blüht wieder.

Funkien, Taglilien, Phlox und Sonnenbraut ein Muss

Nicht fehlen dürfen im Staudengarten die Funkien, „das sind strukturbildende Stauden, die Ruhe ins Beet bringen, aber den leichten Schatten benötigen“, erklärt Irene Becker. Ein Muss sind für die Staudenexpertin auch die Taglilien, der wunderschön duftende Phlox und die Sonnenbräute (Hellenium).

Der Sonnenhut ist das vielleicht schönste Beispiel, einen Unterschied zu erklären. Die beliebte Gartenblume gibt es in unzähligen Sorten, die sich wiederum in zwei Gattungen unterteilen: die einjährige Rudbeckia und die mehrjährige Echinacea.

Die einjährigen Sonnenhut-Sorten werden im Frühjahr ausgesät, später pikiert und dann ins Blumenbeet versetzt, wo sich die Pflanzen innerhalb weniger Wochen zu stattlichen Blumen entwickeln, die bis in den Herbst hinein mit meist gelben, aber auch rostbraunen Blütenblättern, die um einen schwarzen Kopf angeordnet sind, aufwarten.

Und während die Ende April direkt an Ort und Stelle ausgesäten Einjährigen im Mai noch in den Kinderschuhen stecken, stören auch leichte Frostnächte die Sonnenhut-Stauden nicht. Sie treiben teilweise schon Ende März aus dem Boden, lassen sich in der Entwicklung etwas mehr Zeit, bestechen dann aber von Ende Juli bis September mit ihren Blüten. Den Stauden-Sonnenhut gibt es in den Farben Gelb, Weiß und Rot. Die Pflanze bildet im Laufe der Jahre kräftige Horste, die man dann im Herbst mit einem Spaten teilen und so vermehren kann. Ansonsten lassen sich über die Samen Nachkommen ziehen.

Stauden kommen zum Teil mit extremen Bedingungen zurecht

Natürlich lässt sich auch ein reiner Staudengarten anlegen, was aber mit grundsätzlichen Schwierigkeiten verbunden ist. Die Stauden nehmen im Laufe der Jahre im Umfang zu, so dass man bei der Pflanzung genügend Platz lassen muss. Entweder bleiben in den ersten Jahren also Lücken oder es wird später sehr eng.

Die Stauden haben zudem den Vorzug, dass unter ihnen auch solche sind, die mit extremen Bedingungen gut zurecht kommen. Staunässe ist ein vergleichsweise sicheres Mittel, Pflanzen absterben zu lassen. Die Sumpfschwertlilie und der Blutweiderich aber lassen sich von dauerhaft nassen „Füßen“ nicht schrecken - im Gegenteil, im feuchten Untergrund fühlen sie sich sogar richtig wohl. Andere Stauden wie das Steinkraut oder der Steinbrech gedeihen dagegen auch auf sehr kargen Böden.

Gemein ist allen Stauden, dass sie in der Pflege eher anspruchslos sind. Einmal gepflanzt, reicht es vielen, wenn ihre verblühten Blütenstände abgeschnitten und sie von einwachsendem Unkraut frei gehalten werden. Insbesondere die großen Prachtstauden sind auch ganz dankbar, wenn sie im Frühling zum Neustart eine Portion Kompost bekommen.

von Frank Rademacher

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