Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 13 ° Regen

Navigation:
Weidezaun für das Braunkehlchen

Nabu-Ortsgruppe Lahntal Weidezaun für das Braunkehlchen

Im Sommer grasen auf den „langen Wiesen“ bei Goßfelden Rinder. Auf den feuchten Weiden an Rodenbach und Plauelbach findet auch eine bedrohte Vogelart optimale Bedingungen vor.

Voriger Artikel
Musik ertönt im alten Gotteshaus
Nächster Artikel
Neues im Innenraum für alte Kirche

Im hohen Altgras entlang des Rodenbachs kann das Braunkehlchen sein Nest bauen – auf den Weidepfosten sitzend Reviergesänge singen und auf Beutefang gehen.

Quelle: Philipp Lauer

Goßfelden. Das Braunkehlchen ist deutschlandweit besonders geschützt. In Hessen ist der Singvogel laut der aktuellen roten Liste sogar vom Aussterben bedroht. Auf den „langen Wiesen“ bei Goßfelden hat die Ortsgruppe Lahntal des Naturschutzbundes (Nabu) im vergangenen Jahr einiges getan, um im Schutzgebiet gute Voraussetzungen für das Braunkehlchen zu schaffen.

Ende November hat eine beauftragte Firma einen 1,6 Kilometer langen Weidezaun aufgebaut. Der Nabu Lahntal stellte drei Helfer und einen Traktor zum Betrieb der Pfahlramme. Wie der Zaun dem Braunkehlchen nützt, erklärt der Vorsitzende Joachim Backhaus (Foto: Philipp Lauer). „Der Vogel nutzt die Zaunpfosten, um darauf zu sitzen und mit Reviergesängen sein Gebiet zu markieren. Außerdem nutzt er sie als Ansitzwarte, um auf Insektenjagd zu gehen“, sagt Backhaus.

Neben passenden Sitzgelegenheiten findet das Braunkehlchen in dem vom Nabu bewirtschafteten Gebiet feuchte Wiesen. „Hier fließen Rodenbach und Plauelbach zusammen. An den Rändern lassen wir das Gras über Jahre hinweg stehen“, erklärt Backhaus. In dieser sogenannten hochstaudenreichen Vegetation und den Altgrasbeständen finden die Braunkehlchen Platz, um ihre Nester zu bauen.

Elektrozaun umringt die Weiden

Natürlich wurde der Zaun nicht in erster Linie für das Braunkehlchen gebaut. Der Elektrozaun umringt die Weiden, die der Nabu ökologisch bewirtschaftet. Im Sommer steht hier Pensionsvieh. Im vergangenen Jahr haben von Anfang Mai bis Anfang Dezember 22 Rinder eines Bio-Landwirts auf den Weiden des Nabu gegrast. Die Tiere kommen zuerst auf das höchstgelegene Stück. Wenn die Rinder dieses abgegrast haben, werden sie auf das nächste Stück gelassen.

Dahinter steckt ein Konzept: „Wir nehmen am Halm-Programm teil“, erklärt Backhaus. Die Abkürzung steht für Hessisches Programm für Agrarumwelt- und Landschaftspflege-Maßnahmen. Halm fördert umso mehr, je später im Jahr eine Fläche beweidet oder gemäht wird. Extrapunkte gibt es zum Beispiel auch, wenn die Wiesen nicht zusätzlich entwässert werden und die Bewirtschaftung deshalb aufwändiger ist, erklärt Backhaus.

Lebensraum für zahlreiche Tierarten

All diese Bemühungen zeigen Wirkung – auf der Fläche der Ortsgruppe Lahntal finden zahlreiche Vögel und Tierarten einen Lebensraum. Zum Beispiel Schwarzkehlchen, Turmfalken, Bekassine. Auf einem großen Haufen sammelt der Nabu Steine, die der Verein und andere ortsansässigen Bauern bei der Feldarbeit auflesen. Dort wiederum finden die Bachstelze, der Steinschmätzer und Wiesel einen Unterschlupf. „Auch Kiebitze wurden hier gesichtet, vielleicht siedelt er sich auch irgendwann wieder an“, hofft Backhaus. Vorgemacht hat es dem Kiebitz der Steinkauz, der bis vor kurzem zwar schon südlich von Marburg vorkam, seit einiger Zeit aber auch Nistkästen des Lahntaler Nabu bewohnt.

Die Nistkästen sind ein großer Bestandteil der Arbeit des Vereins, der aus dem Bund für Vogelschutz hervorgeht. „Wir betreuen genau 672 Nistkästen für ganz verschiedene Tiere, die in Höhlen nisten. Vom Turmfalken über Hohltauben, Fledermäuse bis hin zu eigentlich allen Singvogelarten. An vielen Stellen montieren wir auch Kotbretter, die Fassaden vor Schmutz schützen“, erklärt Backhaus.

Ersatzkästen in allen Größen

In der bisherigen Vereinswerkstatt in einer ehemaligen Schreinerei nimmt ein Regal eine ganze Wand ein. Darin lagern Ersatzkästen in allen Größen und Formen. Ansonsten stellt der Nabu in der Garage seine landwirtschaftlichen Geräte  unter, die für die Bewirtschaftung der Weiden und Streuobstwiesen gebraucht werden. Rund 30 Hektar bewirtschaftet der Verein. „Die Größe eines mittleren landwirtschaftlichen Betriebs“, vergleicht Backhaus. Etwa 1000 Arbeitsstunden kommen jährlich zusammen, berichtet er.

Für das neue Jahr steht ein großes Projekt an: Der Bau einer neuen Gerätehalle. Außerdem ist im September erstmals ein großes Apfelfest geplant. Weitere Informationen über die Aktivitäten der Nabu-Ortsgruppe Lahntal gibt es auch im Internet unter www.nabu-lahntal.de.

von Philipp Lauer

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr