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Wasserkraftwerk schont die Fische

Brungershausen Wasserkraftwerk schont die Fische

Ein neues Wasserkraftwerk am Mühlgraben der ehemaligen Mühle "Dammhammer" bei Brungershausen interessierte rund 50 Besucher.

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Selbst gebaut haben die Betreiber Maren und Ronald Steinhoff das Kraftwerkshäuschen (oben). Fische können ungehindert hindurchschwimmen. Den Höhenunterschied von 2,65 Meter am Mühlgraben nutzt die Schnecke, um aus Wasserkraft Strom zu erzeugen.Foto: Koel

Brungershausen. Brungershausen. Auf Einladung des Klimabeauftragten für den Nordkreis, Michael Meinel, stellte der Erbauer und Betreiber Ronald Steinhoff die ökologische Energieerzeugung vor rund 50 Besuchern vor.

„800 Jahre lang wurden an dieser Stelle die 2,65 Meter Gefälle des Wassers als Energiequelle genutzt. Erst in den vergangenen 100 Jahren ist diese Energieform in Vergessenheit geraten, weil sie sich nicht für Großprojekte eignet“, leitete Steinhoff, der mit seiner Frau Maren ein Planungsbüro für Wasserkraftanlagen betreibt, seinen Vortrag ein. Steinhoff, der bereits an der Wilhelmshütte in Dautphetal ein Wasserkraftwerk betreibt, hat seine Erfahrungen von dort auch für das Projekt genutzt.

Wie er berichtete, hatte die Gemeinde Dautphetal, von der er das Grundstück gekauft hat, an dieser Stelle bereits eine Wasserkraftanlage ins Auge gefasst, allerdings mit einer Turbine und natürlich mit Vergabe der Arbeiten, so dass ein Kostenvoranschlag von 850 000 Euro zusammenkam. Das wäre nicht rentabel gewesen, zumal die Amortisierungszeit von Wasserkraftanlagen relativ lang ist. Durch viel Eigenarbeit, zum Beispiel haben er und seine Frau das Haus selbst errichtet und auch alle Baumaschinen gestellt, konnte er die Baukosten auf 600 000 Euro drücken.

Wasserschnecke statt Turbine

Steinhoff baute statt der Turbine eine Wasserschnecke, die den Strom liefert - in den sechs Wochen seit Inbetriebnahme immerhin schon 40 000 Kilowattstunden, erzählt er. Wenn alles optimal eingestellt ist, will er 450 000 Kilowattstunden im Jahr erzeugen, genug, um 130 Haushalte mit Strom zu versorgen.

Die Anlage ist ans Stromnetz angeschlossen, der direkt nebenan gelegene Campingplatz bekommt den Strom direkt - für beide Seiten ein gutes Geschäft. „Der Campingplatz bekommt den Strom von mir billiger als von jedem anderen Anbieter, und ich bekomme natürlich mehr dafür als die Einspeisevergütung“, freut sich Steinhoff.

Der größte Teil geht jedoch ins Netz, 12,17 Cent pro Kilowattstunde bekommt er dafür. Das ist die höchstmögliche Vergütung für Wasserkraft, er bekommt sie aufgrund der hohen ökologischen Standards seines neuen Kraftwerks. Stromabwärts hätten die Fische bei einer Schnecke sowie kein Problem, erklärt er. „Die schwimmen einfach durch die Schnecke durch, dabei passiert ihnen nichts.“ Stromaufwärts hat er eine Fischtreppe mit rauer Rampe errichtet, auch das funktioniert. „Ich hätte es selbst nicht gedacht, aber wenn ich an der Wilhelmshütte die Fischtreppe reinige, sind immer Hunderte von Fischen aller Größen drin. Offensichtlich nutzen sie die Fischtreppe gerne“, berichtet er.

Wasserkraftanlagen seien unter Naturschützern umstritten, das weiß er. Aber es hänge vor allem von der verwendeten Technologie und von den Fischschutzmaßnahmen ab, ob so eine Anlage schädlich oder nützlich sei, findet er. Immerhin 450 Tonnen Kohlendioxid im Jahr kann er mit der Anlage einsparen, die sich auch Lahntals Bürgermeister Manfred Apell und Mitglieder des Gemeindeparlaments und des Umweltausschusses interessiert ansahen. Auch Lahntal hat die Anlage genehmigt und hofft auf Nachahmer entlang der Lahn.

Auch die Mühlen- und Wasserkraftwerksbetreiber Bernd Schautes (Pfeiffers Mühle in Caldern) und Wilhelm Lotz (Elisabethmühle, Marburg) zeigten sich beeindruckt von der Technologie. Sogar aus Nordrhein-Westfalen waren Interessierte angereist.

von Martina Koelschtzky

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