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Warten auf ein Zeichen aus Wiesbaden

Windpark Wollenberg Warten auf ein Zeichen aus Wiesbaden

Auch wenn das Wetter eher mild ist: Der geplante Windpark Wollenberg liegt auf Eis. Die Stadtwerke Marburg, die gemeinsam mit drei Kommunen dort sechs Windräder bauen wollen, warten auf ein Signal aus Wiesbaden.

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Ob auf dem Wollenberg im Hintergrund Windräder gebaut werden oder nicht, darüber ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.Foto: Michael Agricola

Lahntal. Marburg. Das Genehmigungsverfahren beim Regierungspräsidium (RP) Gießen kann derzeit nicht abgeschlossen werden, weil offenbar auch in Gießen noch Bedarf nach einer Klarstellung der Ministeriumsposition in Sachen Mopsfledermaus besteht.

Das hatte auch mit einem Schreiben aus dem Umweltministerium zu tun, das Ende November den Genehmigungsprozess zum Stocken brachte. Das Ministerium stellte auf OP-Nachfrage zwar klar, dass es „keinen neuen Erlass“ zum Schutz der Mopsfledermaus gebe. Die oberen Naturschutzbehörden seien „lediglich nochmals in Kenntnis gesetzt“ worden, „dass sich an den naturschutzfachlichen und -rechtlichen Grundzügen aus dem sogenannten WKA-Leitfaden nichts geändert“ habe. „Ein Bezug zu einem konkreten Vorhaben lag nicht vor“, so Ministeriumssprecher Sebastian ­Wysocki.

Klärendes Wort des Umweltministeriums wird erwartet

Dieser „Leitfaden zur Berücksichtigung der Naturschutzbelange bei der Planung und Genehmigung von Windkraftanlagen“ stammt aus dem November 2012 und gibt den Rahmen vor, welche Untersuchungen und Unterlagen Investoren für eine Genehmigung eines Windparks in Hessen vorlegen müssen. Darin sind auch konkrete Angaben zum Schutz der Mopsfledermaus enthalten. Nachgewiesen ist die seltene Art in unseren Landkreis nur mit einer Wochenstubenkolonie bei Elmshausen (Dautphetal). Der als Jagdgebiet angenommene 5-Kilometer-Radius schneidet auch den Wollenberg, wo das Vorkommen der Fledermaus auch nachgewiesen ist. Das Problem scheint jetzt - nach Darstellung der Stadtwerke - darin zu bestehen, dass in den Vorgesprächen mit der Oberen Naturschutzbehörde beim RP Gießen die Untersuchung der Tiere mittels Horchboxen als ausreichend gesehen worden sein soll, weil die Population bereits früher, etwa im Zuge der Ausweisung eines europäischen Schutzgebiets (FFH-Gebiet) umfassend mit aufwendigeren Verfahren, unter anderem mit Fangnetzen, untersucht worden war. Es sei in den Gesprächen mit dem RP seinerzeit für ausreichend gehalten worden, so Stadtwerke-Geschäftsführer Rainer Kühne, wenn mit der Untersuchung über Horch­boxen, die Daten von damals verifiziert würden.

Nun warte man auf ein klärendes Wort aus dem Umweltministerium, ob eine Genehmigung der Windkraftanlagen auf dieser Basis möglich sei oder ob weitere Untersuchungen angeordnet werden, die das Genehmigungsverfahren um viele Monate zurückwerfen würde.

"Wir wollen den Windpark weiter bauen"

Beim Regierungspräsidium hält man sich bedeckt: Das gesamte Verfahren befinde sich noch im Stadium der Vollständigkeitsprüfung, „sodass es in der Entscheidung der Behörde liegt, gegebenenfalls Nachforderungen zu stellen“, so RP-Sprecherin Gabriele Fischer.

Die vom Vorhabensträger, den Stadtwerken, eingereichten Unterlagen reichten bislang nicht aus, um die FFH-Verträglichkeit des Gesamtprojektes mit ­Sicherheit zu bestätigen. Gabriele Fischer weiter: „Insbesondere fehlt aus unserer Sicht eine vertiefende Auseinandersetzung mit den Erhaltungszielen des FFH-Gebietes. Um allerdings eine erlasskonforme Entscheidung herbeizuführen, wird noch das Votum des Umweltministeriums eingeholt.“

„Wir wollen den Windpark weiterhin bauen, versichert Kühne, allerdings müsse man nun erstmal auf die nächste Entscheidung warten. Dass diese in diesem Jahr noch fällt, ist unwahrscheinlich.

Bei einer Entscheidung noch in diesem Jahr hätte man sofort Anlagen in Auftrag geben können. Da die Fertigung der Windmühlenteile allein mehrere Monate in Anspruch nehmen, und für Rodungs- und Montage­arbeiten die Brut- und Setzzeiten der Tiere zu beachten wären, hätte der Windpark wohl gerade so bis zum Jahresende 2014 gebaut werden können.

von Michael Agricola

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