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Vorläufiges Aus für Mittagstisch

Einschnitt für die Lindenschule Vorläufiges Aus für Mittagstisch

Jahrelang kamen Kinder an der Grundschule Cölbe in den Genuss eines Mittagstischs. Diese Errungenschaft bricht nun weg - vorläufig, hofft der Förderverein der Schule. Ob es weitergehen kann, hängt jetzt am Landkreis.

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Schüler einer Bochumer Schule genießen ihr Mittagessen. Ähnlich sah das Mittagsangebot bis zu den Sommerferien für die Kinder der Lindenschule Cölbe aus. Aus finanziellen Gründen musste der Förderverein der Schule die Essensausgabe einstellen.

Quelle: Roland Weihrauch

Cölbe. Es geht um 1800 Euro. Weil diese jährliche Summe derzeit fehlt, ist der Mittagstisch an der Lindenschule in Cölbe unterfinanziert und musste eingestellt werden. Jahrelang kamen der Landkreis in seiner Funktion als Schulträger und die Gemeinde Cölbe gemeinsam für das Angebot auf - beide leisteten den gleichen finanziellen Beitrag. Vor den Sommerferien entschied die Kommune, aus dem Modell auszusteigen, nachdem sie ihren Beitrag für eine Übergangsfrist von einem halben Jahr noch ein letztes Mal geleistet hatte.

Der Grund: Wie die meisten anderen Kommunen auch kämpft Cölbe mit der strukturell bedingten Unterfinanzierung - und im Rathaus sieht man sich gezwungen, freiwillige Ausgaben einzufrieren, wie Bürgermeister Volker Carle verdeutlicht. „Wir können uns das nicht mehr leisten.“ Er sieht den Landkreis als Schulträger in der Pflicht, zumal die Gemeinde über die Schulumlage, die sie alljährlich an den Landkreis abführt, bereits ihren Beitrag leiste.

Beim Landkreis ist derzeit offen, wie es weitergeht mit der Lindenschule. Das Problem fällt mitten in die Ferien - eine Klärung lässt auf sich warten. Doch während eines Gesprächs mit den Beteiligten wolle man Anfang September erörtern, wie es weitergehen soll, sagt der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow auf Nachfrage der OP. „Jedenfalls sind wir sehr daran interessiert, eine Lösung zu finden.“

Kein Wunder. Der Landkreis schreibt sich seit Jahren den Ausbau von Mittagsangeboten an den Schulen in Marburg-Biedenkopf auf die Fahnen. In Cölbe droht jetzt ein dauerhafter Rückschritt, sollte der Landkreis nicht bereit sein, den Kostenanteil, den die Gemeinde bislang zusteuerte, zu schultern.

Der Förderverein der Lindenschule, der die Mittagsversorgung bislang organisierte, will das Angebot ab den Herbstferien gern wieder aufnehmen - und zwar möglichst so, wie es zuletzt aussah und sich in den zurückliegenden Jahren bewährt hat.

Schwierige Situation für berufstätige Eltern

Die stellvertretende Vorsitzende, Sabine Martin, profitierte als zweifache berufstätige Mutter jahrelang von der Einrichtung. „Meine Kinder haben mittags so richtig Hunger - und ich möchte, dass sie dann gut versorgt sind und nicht den ganzen Tag Brot essen müssen“, erklärt sie.

Was Sohn Paul angeht, erledigt sich das Problem nun von selbst. Für den Zehnjährigen endet die Grundschulzeit und er wechselt die Schule. Für die siebenjährige Tochter Lina fanden die Martins eine Lösung, sie bekommt daheim eine Mittgsversorgung. „Wir haben auch eine echte Komfortsituation“, sagt die 44-jährige Mutter, die als Business Consultant arbeitet, teils von daheim aus und teils in Ludwigshafen. „Doch für andere berufstätige Eltern könnte es schwierig werden“, befürchtet sie und berichtet, dass durchschnittlich 20 bis 22 Kinder am Mittagessen teilnehmen.

In die bevorstehende Diskussion mit dem Landkreis will der Förderverein noch einen weiteren Aspekt mit einfließen lassen. Dabei geht es um die Abrechnung des Mittagessens - eine zeitintensive Angelegenheit, wie Sabine Martin berichtet. „Das ist eigentlich ein Job für jemanden, der eben nicht berufstätig ist“, befindet sie.

Die Eltern zahlen derzeit pro Essen für ihre Kinder 3,70 Euro - darin enthalten ist jeweils ein 50-Cent-Zuschuss, durch den eine Finanzierungslücke in der Betreuung während der Essenszeit von den Eltern getragen wird. Denn in Cölbe hat sich ein zwar verhältnismäßig aufwändiges, aber gut funktionierendes System in der Mittagsversorgung durchgesetzt.

Durch eine Betreuungskraft werden die Kinder von der Grundschule, wo die Betreuung außerhalb der Schulstunden stattfindet, zum nahe liegenden Kindergarten gebracht. Eine weitere Betreuungskraft bereitet dort von der Kirche angemietete Räume für das Mittagessen vor. Eine Köchin, die die Kirche für den Mittagstisch im Kindergarten beschäftigt, kocht frisch für die Grundschulkinder. Nach dem Mittagessen bringt eine Betreuungskraft die Kinder zurück zur Schule, die andere Betreuerin räumt den Essensraum auf.

Ein umständliches System, das sich bewährt hat

Einfacher und günstiger wäre es, die Kinder direkt in der Schule zu verköstigen, wie Sabine Martin berichtet. Denn dann würde nur eine Betreuungskraft benötigt.

In der Vergangenheit war dies auch so geregelt. „Doch da wurde für die Kinder nicht frisch gekocht, sondern das Essen wurde angeliefert und warmgehalten - das hat den Kindern nicht geschmeckt“, erinnert sie sich und erzählt, dass es deshalb zu der Zusammenarbeit mit der Kirche kam, die als Träger des Kindergartens für den Mittagstisch dort bereits eine Köchin beschäftigte. Diese übernahm dann vor einigen Jahren auch die Mittagsversorgung der Grundschulkinder. „Die Kinder mögen das Essen - wir würden dies deshalb gern so beibehalten“, sagt Martin.

Was der Förderverein ändern will: die Zuständigkeiten für die Abrechnung des Mittagessens. „Der Landkreis sollte dies übernehmen, für eine ehrenamtliche Arbeit ist es eine zu große Aufgabe - der Förderverein der Schule ist quasi allein durch die Abrechnung des Mittagessens ausgelastet“, erläutert sie und weist darauf hin, dass diesbezüglich bereits Gespräche mit dem Landkreis geführt wurden. Das Ergebnis: „Pro Mittagessen hätten die Eltern nochmals 50 Cent mehr zahlen sollen - und dabei ist unser Mittagessen schon vergleichsweise teuer“, sagt die zweite Vorsitzende. Auch darüber will der Verein noch einmal mit dem Landkreis verhandeln.

Immerhin, die Mittagsbetreuung außerhalb der Schulzeit ist in Cölbe durch den Landkreis sichergestellt - auch wenn das Mittagessen vorerst wegfällt. Dass Förderverein und Landkreis für dieses Problem eine Lösung finden, ist wahrscheinlich, denn die Eltern wollen eine Lösung für ihre Kinder und der Landkreis will einen Aus- und nicht etwa einen Abbau der Mittagsversorgung an den Schulen.

von Carina Becker

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