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Von Heimweh keine Spur

Auslandsjahr in Indien Von Heimweh keine Spur

Am 1. September hat Caroline Feisel ihren Jahresaufenthalt in Indien angetreten. Mittlerweile hat sie sich gut eingelebt und durfte vor Ort schon einiges erleben.

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Caroline Feisel und ihre indischen Schüler lernen gemeinsam und haben auch jede Menge Spaß.

Quelle: Privatfoto

Oberasphe. „Okay, wir sind nun wirklich da und es ist kein Traum. Das Abenteuer kann beginnen“, waren Caroline Feisels erste Gedanken, als sie im indischen Chennai angekommen ist. Am 1. September hat die 18-Jährige ihr Auslandsjahr angetreten (die OP berichtete). Gemeinsam mit einer zweiten Frau unterstützt sie ein Projekt des Roten Kreuzes in Yelagiri in der indischen Provinz Tamil-Nadu.

Nachdem Feisel und ihre neun Jahre ältere Kollegin Lydia in der Millionenstadt Chennai mittels eines Workshops in alles, was zur indischen Kultur gehört, eingewiesen wurden, arbeiten sie nun aktiv in einer Schule in Yelagiri und unterrichten dort die Kinder in verschiedenen Fächern. Von Mathe, über Kunst bis hin zu Musik und Englisch, bringen sie den Kindern vieles bei.

Konzert und Kunstprojekt

Sprachliche Barrieren wurden dabei oftmals schnell überwunden und so seien auch die Kinder nach den ersten Monaten schon viel zutraulicher und sähen die beiden Frauen als ihre „Akka“, was auf Deutsch so viel wie „große Schwester“ bedeutet. Bei ihrem Wirken in Indien hat Caroline Feisel noch viel vor. So möchte sie mit den Kindern ein Konzert geben und die Schule im Rahmen des Kunstunterrichts verschönern.

„Ich war von der ersten Sekunde an fasziniert“, berichtet Feisel. „Trotz der deutlich zu sehenden Armut begrüßen einen die Menschen mit offenen Armen und einer Herzlichkeit, die unbeschreiblich ist – ganz anders als in Deutschland, wo Hilfsbereitschaft beispielsweise oftmals nur aus Anstand erfolgt und nicht von Herzen kommt.“ In einer Notsituation half ihr eine fremde junge Frau beispielsweise, sich zurechtzufinden und fuhr „mal eben“ drei Stunden mit Feisel zur richtigen Bahnstation.

Duschen mit der Gießkanne

Wenn man sich mit ihr unterhält, ist man erstaunt über den Mut und den Ehrgeiz der 18-Jährigen aus Oberasphe, bei der von Heimweh nichts zu spüren ist. Auch von den deutlichen Unterschieden zu Deutschland scheint sie sich nicht verunsichern zu lassen. So duscht man in Indien beispielsweise mit einer Gießkanne, und es gibt kein Toilettenpapier.

Das indische Essen sei sehr lecker, man vermisse jedoch ab und an auch ein Stück Käse oder Fleisch. Zudem hatten Caroline Feisel und ihre Kollegin Lydia in ihrem Haus auf dem Gelände des Schuldirektors ein Rattenproblem. „Anfangs dachten wir, wir haben Streifenhörnchen im Haus – das wäre ja noch ganz süß gewesen. Als die Exkremente jedoch immer mehr wurden, die Lebensmittel und sogar die Plastikdosen angefressen waren und uns in der Küche eine Ratte über den Weg gelaufen ist, war das schon irgendwie seltsam“, so Feisel.

Doch anstatt sich angeekelt zurückzuziehen, haben die beiden jungen Frauen vor der Nutzung der Küche eben alles gründlich geputzt. Derzeit sind sie in der Schule untergebracht, was jedoch gleichzeitig auch mehr Arbeit für sie bedeutet. So hat ein Arbeitstag auch schon mal dreizehn Stunden.

Keinen Rückzieher machen

Inzwischen habe sich Feisel sehr gut an Indien und die Gegebenheiten vor Ort gewöhnt und lerne fleißig die Sprache Tamil. Auf Nachfrage, ob sie das Jahr durchziehen wird, antwortet sie zwinkernd: „Ich bin mir sicher, dass ich keinen Rückzieher machen werden. Alleine schon aus dem Grund, um es meinem Papa zu beweisen.“ Der machte sich nämlich von Anfang an große Sorgen bei dem Vorhaben der erst 18-Jährigen.

Doch wenn alle Stricke reißen, steht der jungen Frau ihre „focal person“ vor Ort zur Verfügung und hilft. Ansonsten stützen sich Caroline Feisel und ihre Kollegin Lydia gegenseitig.

von Sarah Stolle

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