Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 0 ° wolkig

Navigation:
Vom Mittelpunkt Europas in die Welt

Ehrenabzeichen für Elfriede Lindner Vom Mittelpunkt Europas in die Welt

Sie ist Cölberin durch und durch. In Cölbe ist sie geboren, dort hat sie immer gelebt und sich wohlgefühlt. Das heißt aber nicht, dass sie die Welt drumherum nicht gesehen hat - ganz im Gegenteil.

Voriger Artikel
Keine Tränen: Sicherungskonzept ae
Nächster Artikel
Windkraft lohnt sich auch finanziell

Elfriede Lindner wusste in ihrer aktiven Zeit, Kinder von der Idee des Trachtentanzens zu begeistern. Zudem engagierte sie sich im Partnerschaftsverein Cölbe-Koscierzyna.

Quelle: Götz Schaub

Cölbe. Elfriede Lindner, geborene Stei, ist 87 Jahre alt und wohnt seit ihrer Geburt in Cölbe. Das ist ihre unumstößliche Heimat. Ihr Zuhause ist aber weit größer, es ist praktisch ganz Europa. Denn mit dem Verein Fröhlicher Kreis Cölbe, der sich seit seiner Gründung 1971 der Pflege des Trachtentanzes widmete, kam sie als Betreuerin und Tanzleiterin der jungen Tänzer ganz gut rum in Europa.

Und das zu einer Zeit, in der das Reisen, insbesondere in osteuropäische Staaten, noch nicht so selbstverständlich war wie heute.

Der Verein widmete sich nicht nur dem Erhalt eines Brauchtums, sondern engagierte sich mit seinen Fahrten, die auch auf andere Kontinente führten, sowie als Gastgeber ausländischer Folklore-Gruppen in Sachen Völkerverständigung. Das gefiel Elfriede Lindner immer gut und sie brachte sich da voll und ganz mit ein. Und zwar so sehr, dass sie heute noch zahlreiche internationale Freundschaften­ pflegt. Der Verein trug nicht nur seine Tänze im Ausland vor, die einzelnen Gruppen hatten mit ihren ausländischen Gästen­ auch hier im Landkreis viele ­ungezählte öffentliche Auftritte, brachten also die Tradition des Trachtentanzes auch im modernen gesellschaftlichen Wandel immer wieder in das Bewusstsein der Menschen.

Elfriede Lindner gelang es, die Kinder und Jugendlichen von der Idee des Vereins zu begeistern. Es kam nicht von ungefähr, dass drei ihrer vier Kinder dort auch tanzten. Alle internationalen Begegnungen sind ihr in guter Erinnerung, ob in Finnland, Schweden, Portugal, Belgien, Frankreich, Rumänien oder in Polen. Mögliche Sprachbarrieren wurden dabei leicht durch Gesten beseitigt. Als rechte Hand des Vereinsgründers Fritz Lenz ging es nur zwei Jahre nach der Gründung, also 1973, nach Krakau.

Und dann kam eineGruppe aus Koscierzyna

Ein echtes Abenteuer mit vielen positiven Erinnerungen. Aus dieser Zeit resultiert ihre längste Freundschaft, die sich über alle­ damaligen Grenzen hinwegsetzte.

Lindner erfuhr herzliche Gastfreundschaft bei Menschen, die selbstlos alles gaben für einen schönen Aufenthalt in ihrem Land. In diesem Zusammenhang fällt ihr die Reise nach Rumänien ein: „Die Menschen dort hatten nicht viel und lebten in sehr bescheidenen Verhältnissen. Wir haben dort Armut gesehen. Aber uns zu Ehren schlachteten sie ihre Hühner.“

Und ein Tänzer aus Skopje,­ den Elfriede Lindner mit ihrer­ Familie während des Aufenthalts seiner Gruppe in Cölbe­ Unterkunft gaben, lud anschließend ihre Familie zu seiner Hochzeit in seinem Heimatland ein. „Da sind wir dann privat auch hingefahren und es war sehr, sehr schön“, so Elfriede Lindner. Über die Teilnahme am internationalen Folklorefestival im Landkreis Marburg-Biedenkopf, den der 1974 gegründeten Arbeitskreis Internationales Folklorefestival Marburg-Biedenkopf ins Leben gerufen hatte, knüpfte der Verein nicht nur Kontakte zu internationalen Gruppen, er transportierte auch viel aus Deutschland ins Ausland, sorgte dort für ein neues positives Bild junger Deutscher.

Polen sollte nach der ersten Fahrt nach Krakau für Elfriede Lindner noch einmal ein besonders Land werden. Die internationalen Begegnungen führten schließlich eine Gruppe aus Koscierzyna nach Cölbe.

Wenn es Arbeit gab,wurde sie erledigt

Was daraus entstand, war erst vor wenigen Wochen in der OP zu lesen: eine mittlerweile seit 25 Jahren dauernde Partnerschaft der beiden Kommunen. „Das hat mir alles immer sehr viel Freude gemacht“, sagt ­Elfriede Lindner in ihrer Rückschau auf ihre aktive Zeit im Fröhlichen Kreis und dann natürlich auch im Partnerschaftsverein Cölbe-Koscierzyna. Sie übernahm unter anderem über viele, viele Jahre die Aufgabe, die Unterkünfte für die Besucher aus Koscierzyna zu besorgen.Wie beim Fröhlichen Kreis war sie auch im Partnerschaftsverein immer mit dabei, wenn es darum ging, ehrenamtlich Arbeiten zu erledigen.

Als Cölberin ist Lindner auch in anderen Vereinen Mitglied. Beim Turnverein und als Frau ihres verstorbenen Mannes auch bei den Alt-Herren des FV Cölbe, im Frauenchor und im evangelischen Frauenkreis, der alle 14 Tage stattfindet und zu dem sie sehr gerne geht.

Lindners kulturelles und soziales Engagement wird am Mittwoch mit der Überreichung des Hessischen Verdienstordens im Landratsamt gewürdigt. Zur feierlichen Übergabe des Ehrenabzeichens erwartet Landrätin Kirsten Fründt auch Hessens Finanzminister Dr. Thomas Schäfer.

von Götz Schaub

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nordkreis

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr