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Vom Hauptamt ins Ehrenamt

Gemeinde Lahntal Vom Hauptamt ins Ehrenamt

Man wird ihn vermissen. Nicht nur, weil Wilfried Schneider als offener und fröhlicher Mensch geschätzt wurde, sondern auch, weil seine Kompetenz fehlen wird.

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Bürgermeister Manfred Apell (links) überreichte Oberamtsrat Wilfried Schneider die Urkunde über die Versetzung in den Ruhestand.

Quelle: Manfred Schubert

Sterzhausen. Glücklicherweise konnte sich die Gemeinde die ehrenamtlichen Dienste des scheidenden Hauptamtsleiters sichern: für das Projekt Bürgerbus. Mehr als eine Lobrede und verschiedene Anekdoten waren im Sitzungssaal der Gemeindeverwaltung zu hören, in der etwa 50 Mitarbeiter, Vertreter der Politik, Freunde und Verwandte zusammengekommen waren, um Oberamtsrat Wilfried Schneider in den Ruhestand zu verabschieden. Zum Monatsende scheidet der Hauptamtsleiter auf eigenen Antrag nach 34 Jahren in Diensten der Gemeinde aus. Insgesamt war er fast 46 Jahre im öffentlichen Dienst tätig.

Bürgermeister Manfred Apell lockerte seinen Überblick über den Werdegang des im Dezember 1952 in Caldern geborenen, dort den Dorfnamen „Rupperts Wilfried“ tragenden Schneider mit einigen heiteren Anmerkungen auf. Außer bis nach Marburg sei er kaum aus Lahntal herausgekommen, unterstrich Apell dessen Bodenständigkeit, und bezweifelte, dass er je die deutsche Grenze überschritten habe. Dänemark, Italien und England habe er besucht, warf Schneider ein.

Nach der Mittleren Reife an der Friedrich-Ebert-Schule in Marburg begann Schneider 1969 beim Zweckverband Stadt- und Kreisgesundheitsamt Marburg, das 1974 zum Kreisgesundheitsamt Marburg-Biedenkopf wurde, die Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten. „Er begab sich auf die so genannte Ochsentour“, umschrieb Apell die Verfolgung der mittleren und dann gehobenen Beamtenlaufbahn bis zur Ernennung zum Inspektor 1980. Als dann die Stelle des Hauptamtsleiters in Lahntal ausgeschrieben wurde, bewarb sich Schneider und trat den Posten am 1. August 1981 an. Von 1986 bis 1994 war er nebenamtlich zudem Dozent für Organisation der öffentlichen Verwaltung beim Hessischen Verwaltungsschulverband und wurde nach entsprechender Ausbildung 1994 zusätzlich Standesbeamter in Lahntal.

Den Kollegen ruft er zu: „Das kriegt ihr schon hin!“

„Der Tag deines Ruhestands wird für uns alle eine Zäsur. Ins Büro Wilfried Schneiders ging man, wenn man etwas erreichen wollte, beispielsweise die Ortsvorsteher. Und manchmal hatte man bei den Verwaltungsmitarbeitern den Eindruck, dass er wichtiger war als der Personalrat. Er konnte trösten, wenn ich wieder einmal unerträglich war. Und für mich als Chef ist es dumm gelaufen, denn ich kann jetzt nicht mehr sagen, frag den Wilfried, der wird schon wissen, wie man das lösen kann“, beschrieb Apell die Rolle Schneiders. Aber der Abschied sei auch ein Neubeginn, denn man habe aushandeln können, dass er ab jetzt ehrenamtlich für die Gemeinde arbeite, als Leiter der Projektgruppe Bürgerbus.

„Zuverlässig, fleißig, fair, hilfsbereit, offen und fröhlich. Man kann dich fragen, was man will, du hattest immer eine Antwort, eine gute Lösung für Gemeinde und Bürger parat. Als Kollege, Mensch und Freund wirst du uns fehlen“, wandte sich Personalratsvorsitzende Ina Keil an Schneider.

Gemeindevertreter Hans Jakob Ruppersberg unterstrich, Schneider sei auch den „kleinen ehrenamtlichen Politikern“ immer ein guter Ansprechpartner gewesen: „Wir freuen uns, dass du dich entschlossen hast, mit uns die Mobilität für ältere Bürger in Lahntal aufzubauen.“

„Einerseits freue ich mich auf den Ruhestand, andererseits fällt es schwer, vom gewohnten und lieb gewonnenen täglichen Ablauf in der Gemeindeverwaltung Abschied zu nehmen“, sagte Schneider, der einen längeren Rückblick auf die Jahre seiner Tätigkeit und die Veränderungen in dieser Zeit gab. „Es gab Höhen und Tiefen, aber die Höhen haben bei weitem überwogen, ich habe all die Jahre gerne hier gearbeitet“, sagte er und rief seinen Kollegen zu: „Das kriegt ihr schon hin!“ Außer, dass er zum Vorsitzenden der Projektgruppe Bürgerbus gekürt worden sei, habe ihm auch der TSV Caldern, wo er früher bereits langjährig im Vorstand, unter anderem als Vorsitzender, tätig war, einige Aufgaben im Vereinsmanagement zugedacht. Und vielleicht sehe man ihn im Sommer auch den Kinderwagen durch Caldern schieben, wenn er zum dritten Mal Großvater werde.

Manfred Schubert

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