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Vom Allround-Biologen mit Muskelkraft

OP-Serie: Unser Wald Vom Allround-Biologen mit Muskelkraft

Holzernte ist zu jeder ­Jahreszeit. Das liegt nicht zuletzt an der niemals nachlassenden Nachfrage. Deshalb wird immer ­moderner, schneller und vor allem kostengünstiger geerntet.

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Die Aufgaben eines Forstwirts sind vielfältig, letztendlich hat er aber immer wieder mit Holz zu tun.

Quelle: Götz Schaub

Lahntal. Schneller und kostengünstiger bedeutet, Muskelkraft macht großflächig geballter motorisierter Pferdestärke Platz. Riesige Holzerntemaschinen, die sogenannten Harvester, sind derzeit das Maß aller Dinge. Ein Harvester schafft in einer Stunde rund 15 Festmeter Holz. Um dasselbe Ergebnis zu erhalten, müssten schon zehn Waldarbeiter eingesetzt werden. Das ist in heutiger Zeit nicht mehr zu bezahlen.

So gibt es zwangsläufig immer weniger Forstwirte, denn Großaufträge werden schon längst nicht mehr von Forstämtern erledigt, sondern fremdvergeben. Auch wenn viele ausscheidende Forstwirte ihre Stelle quasi mit in den Ruhestand nehmen, und somit die Zahl der aktiven Forstwirte stark rückläufig ist, braucht es sie weiterhin für die täglich anfallende Arbeit im Wald. „Es ist gut, dass Forstwirte nicht nur Bäume fällen und für den Abtransport fertig machen? Das ist absolute körperliche Schwerstarbeit. Wir sind deshalb darum bemüht, viele Ausgleichsarbeiten zu bieten, die den Körper entlasten und den Beruf interessant gestalten“, sagt Lahntals Revierleiter Jörg Reinl. Und in der Tat, ein Forstwirt muss breit aufgestellt sein: er muss sowohl über technische Fertigkeiten als auch umfassende forstbetriebswirtschaft­liche und biologische Kenntnisse verfügen, um die zugeteilten Arbeiten bewältigen zu können. Des Weiteren muss er ein hohes Maß an Selbstständigkeit und Verantwortungsbewusstsein, aber auch an Teamfähigkeit besitzen und darüber hinaus ganz viel Liebe für die Natur übrig haben. By the way – auch wenn bis hierher immer nur die Rede vom Forstwirt war, sollte man keinesfalls unerwähnt lassen, dass dieser Beruf auch von weiblichen Fachpersonal ausgeübt wird.

Reinl: "Der Natur möglichst mehr zurückgeben, als wir nehmen"

In der Revierförsterei Lahntal, wo Jörg Reinl arbeitet, sind die beiden Forstwirte Frank Kleinwächter und Jakob Krümmelbein tätig. Ihr Einsatzgebiet ist unter anderem das stark bewaldete Naherholungsgebiet Wollenberg zwischen Sterzhausen und Wetter. Sie helfen mit, dass der Wald so aussieht wie er aussieht. „Auch wenn mehr Holz geerntet wird, sind wir sehr darum bemüht, der Natur möglichst mehr zurückzugeben, als wir ihr nehmen“, sagt Reinl. Arno Süßmann, Bereichleiter beim Forstamt Burgwald, nickt beipflichtend und ergänzt: „Die groß angelegte Kahlschlagwirtschaft gehört der Vergangenheit an.“ Natürlich wissen Reinl und Süßmann auch, dass es hier und da mal alles anders als „schön“ aussieht, denn die Holzernte kann nicht ruhen. Wenn es regnet und Waldwege matschig sind, hinterlassen die Einsatzfahrzeuge wie Harvester tiefe Rillen und oftmals stark ramponierte Wege. „Wir wollen in der Wiederherstellung der Wege unser Management noch verbessern“, sagt Süßmann. Doch das ist eine andere Geschichte, die im Rahmen der Serie auch schon mal thematisiert wurde. Hier und jetzt soll es dann doch mehr um den Forstwirt gehen. Steht die Fällung von Bäumen an, muss nicht nur die Ausrüstung pflichtbewusst angelegt werden, jeder Handgriff muss dann einfach sitzen.

Es mag für den Laien, der eine solche Aktion einmal beobachten darf, fast spielend leicht aussehen, doch wenn nur ein Zwischenschritt schlampig ausgeführt wird, kann dieser schon die ganze Aktion gefährden, ja richtig gefährlich machen, ­gefährlicher als sie ohnehin schon ist. Denn beim Baumfällen kann sehr viel passieren, was nicht geplant war. Doch wenn alle Vorgaben eingehalten werden – toi, toi, toi – wird die Gefahr auf ein klitzekleines Restrisiko gebannt. Nach der großzügigen Absperrung des Geländes beginnt die Arbeit mit der Festlegung der Fallrichtung. Dazu gehört auch immer ein Blick in die Krone des Baumes, um etwaige Hemmnisse frühzeitig zu erkennen. Dann muss zunächst ein sicherer Rückzugsweg angelegt werden. Das heißt, die entsprechende Fläche muss freigeräumt werden.

Sicherheit geht im Wald vor

„Hier dürfen keine Äste mehr liegen, die mich unter Umständen stolpern lassen können“, sagt Frank Kleinwächter bei einer Baumfäll-Demonstration. Seine umfangreiche Schutzkleidung hat er dabei schon angelegt. Dann geht es los. Er sägt in gebückter Haltung etwas oberhalb des Stumpfes ein dreieckiges Stück auf der Seite des Baumes aus, auf die er fallen soll. Und dann folgt schon von der anderen Seite her der sogenannte Fällschnitt, der horizontal ausgeführt wird. Nur wenige Zentimeter vor Erreichen der Kerbe zieht Kleinwächter die Motorsäge zurück. Der Baum wird so nur noch von einer Bruchkante gehalten, die dann während des Fallens wie ein Schanier funktioniert. Der Forstwirt hilft kurz mit dem Fällheber nach und ehe man sich versieht neigt sich der Baum in die gewünschte Richtung und fällt. Dann beginnt auch schon die etwas zeitraubende und auch anstrengende Entästung mit der Motorsäge. Fertig, der Baum ist bereit zur Abholung. Kleinwächter und sein Kollege Krummelbein wollen als nächstes ein paar Bäume pflanzen.

In der Regel wird im Herbst gepflanzt. Dann auch mal in größerem Stil. „Wir achten dabei sehr auf eine ausgewogene Artenvielfalt“, sagt Reinl. Und wie auf Kommando zeigt Axel Viering, Funktionsbeschäftigter Technische Produktion vom Landesbetrieb Hessen-Forst, ein ziemlich weitläufiges Aufforstungsgebiet.

„Hier hat der Orkan Kyrill im Januar 2007 ganze Arbeit geleistet“, sagt er. Und danach der Revierleiter und sein Team. Das ganze Gebiet besticht durch Artenreichtum.

von Götz Schaub

Hintergrund: Vermessen, fotografieren und verkaufen
Während einer Fahrt in den Wald kann ein Forstwirt in wenigen Schritten Holz verkaufen, ohne mit dem Kunden auch nur ein Wort gewechselt zu haben. Die moderne Technik macht es möglich. Das kleine handliche Gerät – rechts im Bild zu sehen – ist ein Multi­tasking-Instrument. Dort werden die Zahlen zu den besuchten Holzpolter, die zum Verkauf angeboten werden, eingespeist und verrechnet. Sie werden online direkt an potenzielle Kunden weitergeleitet, die sich dann gleich einen umfassenden Eindruck über die Menge, Qualität und Art des Holzes machen können. Bei Gefallen wird dann auch schon mal gekauft, ohne das Holz jemals berührt zu haben. Natürlich wissen die Käufer auch, dass man sich auf die Leute vom Forstamt Burgwald verlassen kann. Das einzige, was bei der Darstellung der Holzpolter neben dem Eintippen der Zahlen noch manuell gemacht wird, ist das Anlegen der Messstangen, die dem Betrachter des Fotos eine Vorstellung der Größenordnung bieten. „Auf dem Gebiet gibt es immer wieder Neuheiten“, sagt Axel Viering. Das bedeutet, immer wieder Weiterbildungen.
Was ein Forstwirt so braucht

Schutzhelm

Schutzhelme für Waldarbeiter besitzen auch einen hochklappbaren Gesichtsschutz und einen Nackenschutz.

Gehörschutz

Der Schutz der Ohren gehört bei Baumfällarbeiten immer dazu und bildet mit dem Helm eine Einheit.

Sicherheitsjacke

Die Sicherheitsjacke sollte mit weit sichtbaren Signalfarben ausgestattet sein und die Bewegungsfreiheit nicht unangemessen einschränken. In den Ärmeln und im Brustbereich verfügt sie auch über Schnittschutz.

Handschuhe

Besondere Handschuhe mit Knöchelschutz schützen die Hand vor abgerutschten oder gerissenen Ketten­sägen.

Sicherheitsschuhe

Sicherheitsschuhe gibt es auch mit Schnittschutz. ­Eine gute Erfindung, denn eine Kettensäge kann auch einem versierten Holzfäller mal entgleiten.

Hose mit Schnittschutz

Die obere Schicht der Hose besteht aus Fasern, die sich bei einem ungewollten Kontakt mit der Kettensäge sofort darin verfangen und die Säge in Sekundenbruchteilen außer Gefecht setzen.

Spaltaxt

Die keilförmige Kopfform soll bei geringem Kraftaufwand gute Ergebnisse erzielen.

Kettensäge

Kettensägen gibt es im Baumarkt schon ab 59 Euro, Sie können aber auch mehr als 1000 kosten. Für die Waldarbeit sollte es eine sehr verlässliche Säge sein.

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