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Vielfalt gibt es nicht nur im Regenwald

Biologische Vielfalt im Landkreis Vielfalt gibt es nicht nur im Regenwald

Im Bündnis sollen die Mitglieder unter anderem von dem Austausch ihrer Erfahrungen profitieren, um die Biodiversität besser fördern zu können.

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In der Wetschaftaue bei Todenhausen konnte Dr. Ursula Mothes-Wagner die biologische Vielfalt des Schilfgebiets am Ufer der Wetschaft zeigen. Vor Ort waren Jürgen Könnemann (von links) vom Landkreis Marburg-Biedenkopf, Hartmut Kaiser vom Landkreis Waldeck-Frankenberg, Volker Rothenburger, Vorstandsmitglied des Bündnis Kommunen für biologische Vielfalt, und Kirchhains Bürgermeister Jochen Kirchner.

Quelle: Philipp Lauer

Wetter. „Artenvielfalt gibt es nicht nur im Regenwald mit den Orang-Utans zu schützen. Die gleiche Verantwortung haben wir auch für die Arten, die nur bei uns vorkommen“, sagt Volker Rothenburger. Er ist der Leiter der Unteren Naturschutzbehörde Frankfurt und Vorstandsmitglied im Bündnis.

Die Bündnismitglieder verpflichten sich freiwillig selbst dem Grundsatz, dass sich „Artenschutz aus konkretem Handeln ergibt“, erklärt Rothenburger. Außerdem betont er, dass „UN-Konventionen und Naturschutzgesetze auf kommunaler Ebene umgesetzt werden müssen“.

Regionale Kulturpflanzen und Nutzvieh gehören dazu

Dazu setzt das Bündnis auf vier Felder: Die Nutzung von Grün- und Freiflächen im öffentlichen Raum, den Schutz von Arten und Biotopen, die nachhaltige Nutzung der kommunalen Flächen und Umweltbildung über Öffentlichkeitsarbeit. Die schützenswerte Vielfalt beschränke sich dabei nicht nur auf die wilden Arten, sondern schließe ausdrücklich auch den Erhalt regionaler Kulturpflanzen und Nutzviehrassen ein. Die Mitglieder sollen von einem Netzwerk profitieren, um sich mit Vorreitern über ihre Erfahrung in der Arbeit auszutauschen.

Neben der Öffentlichkeitsarbeit soll das kommunale Bündnis auch ein politisches Gewicht darstellen, das sich in Entscheidungen einbringen und „auch politischen Druck aufbauen kann, damit das Land die richtigen Rahmenbedingun­gen herstellt“, erklärt Jürgen Könnemann von der Naturschutzbehörde des Landkreises.

Dr. Ursula Mothes-Wagner, die stellvertretende Vorsitzende des Regionalvereins, sieht insbesondere außerhalb der einzelnen Naturschutzgebiete Handlungsbedarf. Der Regionalverein stehe zwischen den Ebenen Kreis und Kommune und will im Bündnis sowohl von den Erfahrungen der Partner profitieren als auch die eigenen einbringen.

Biodiversi­tät ist kein Hindernis für Fortschritt

Auch das Land will mit der sogenannten Hessischen Biodiversitäts-Strategie einen Beitrag zum Erhalt der Vielfalt leisten. Jeder Landkreis hat dazu eine Liste an Arten und Lebensräume erhalten, die er in einer Art „Patenschaft“ besonders fördern soll, erklärt Könnemann. Er berichtet von nachlassendem ehrenamtlichem Engagement im Naturschutz. „Deshalb sollten wir die Themen von der Kreisebene auf die Ortschaften herunterbrechen und die Bürger dabei mitnehmen.“ Ein konkreter Ansatzpunkt könnte sein, die Menschen dabei zu unterstützen, weg vom „Einheitsgrün“ aus den Baumärkten hin zur Diversität im eigenen Garten zu kommen.

Da möchte auch Kirchhains Bürgermeister Jochen Kirchner mit einem Kleingartenprojekt ansetzen. Kirchhain ist Gründungsmitglied im Bündnis und Kirchner betont: „Biodiversi­tät ist kein Hindernis für Fortschritt. Sie hat praktischen Nutzen und ist schön.“ Als Beispiel nennt er städtische Grünflächen, die zu Blühflächen umgewandelt wurden. Seitdem zähle das Bieneninstitut wieder mehr Wildbienen. In dem Kleingartenprojekt sollen Bürger beraten werden, wie sie ihren Garten naturnäher gestalten können.

Eh-da-Flächen sollen verstärkt genutzt werden

„Beim Einsatz für biologische Vielfalt gilt es auch die vielfältigen Meinungen, Akteure und Interessen zusammenzubringen und ein Forum zur Diskussion darzustellen“, sagt Mothes-Wagner. Deshalb will sie als nächstes konkretes Projekt bei einem Forum alle interessierten und beteiligten Akteure zusammenbringen und eine Möglichkeit zur Diskussion und zum Erfahrungsaustausch bieten. Weiterhin möchte sie verstärkt die sogenannten Eh-da-Flächen zur Förderung der biologischen Vielfalt nutzen - Flächen, die eh da sind, wie Straßenränder oder Wegsäume. Diese könnten zum Beispiel mit blühenden Pflanzen vielen Insekten dienen.

Kai-Uwe Spanka freute sich als Vorsitzender des Regionalvereins und Bürgermeister in Wetter, dass die Regionalentwicklung dieses große Thema Biodiversität aufnimmt. Spanka hofft, dass es nun in die Gemeinden getragen wird und dass das Bündnis „Anstöße für eine fruchtbare zukünftige Zusammenarbeit bringt“.

von Philipp Lauer

Biologische Vielfalt im Landkreis
Der Landkreis Marburg-Biedenkopf soll für bestimmte Arten und Lebensräume eine besondere Verantwortung tragen. Dazu zählen unter anderem folgende Lebensräume: Borstgrasrasen, trockene Heiden, Magerrasen und Flachlandmähwiesen. Auf der Liste der Tiere und Pflanzen finden sich unter anderem das Ackerleinkraut, der Feldenzian, das Braunkehlchen, die Mops­fledermaus, der Eisvogel und der Rotmilan. Einige dieser Tiere und Pflanzen wollen wir Ihnen bald im Rahmen einer Reihe kleinerer Beiträge nach und nach vorstellen.
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