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Viele gute Ideen verpuffen im Nichts

Enttäuschung in Wetter Viele gute Ideen verpuffen im Nichts

Der Arbeitskreis Verkehr in Wetter der Initiative „Wetter ist uns wichtig“ hat sein eigenständiges Arbeiten aufgegeben. Die letzten vier Mitglieder haben sich der Gruppe „Kernstadt“ angeschlossen. Warum ging es nicht weiter?

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Ausreichend breit oder viel zu schmal? In Wetter gab es Diskussionen über die Gehsteige in der Schulstraße. Menschen mit Rollatoren oder Kinderwagen müssen stellenweise gezwungenermaßen die Straßenseite wechseln.

Quelle: Helmut Naumann

Wetter. Eine Idee zu haben, wie man sich sicherer im Straßenverkehr bewegen kann, ist bestimmt immer eine gute Sache. Aber in der Umsetzung kann eine solche Idee daran scheitern, dass andere der Auffassung sind, dass es an vorgeschlagener Stelle schon sicher genug ist. Entscheidende Behörden sehen sich dabei ganz stark an Vorschriften gebunden. So ist beispielsweise ein Unfallschwerpunkt erst dann gegeben, wenn an gleicher Stelle innerhalb eines Jahres drei gleichgelagerte Unfälle geschehen.

Aber zurück zur Verbesserung der Sicherheit als solche. „Das ist schwer zu verstehen und schwer bis gar nicht zu akzeptieren, wenn so etwas abgelehnt wird“, sagt Helmut Naumann, der sich in der Initiative „Wetter ist uns wichtig“ engagiert. Eigentlich als Mitglied des Arbeitskreises Verkehr. Doch der ist praktisch zum Erliegen gekommen, nachdem es einfach viel zu viele für die Mitglieder unverständliche Entscheidungen gegen ihre Ideen gegeben hatte. Die vier übrig gebliebenen Arbeitskreis-Mitglieder, Helmut Naumann, Ulf Geißel, Heinrich Berger und Martin Krieger, haben sich dem Arbeitskreis Kernstadt angeschlossen, der sich der Thematik Verkehr mit annehmen möchte.

Entscheidungen hängen an Behörden

Ein echter Genickschlag für das Engagement der Mitglieder des ehemals eigenständig tagenden Arbeitskreises Verkehr waren die Ergebnisse einer Verkehrsschau im Juli vergangenen Jahres. Die meisten der vorgeschlagenen Veränderungen bedurften nämlich der Zustimmung übergeordneter Behörden wie HessenMobil, der Straßenverkehrsbehörde des Landkreises und natürlich der Polizei.

Und die entscheiden alle nicht nach Gutdünken oder vermeintlicher Sinnhaftigkeit, sondern danach, wie oft es dort konkret zu erfassten, also nachweisbaren Unfällen gekommen ist und wie sich die Gegebenheiten vor Ort darstellen. Und dann hieß es nach der besagten Verkehrsschau oftmals nur, dass bis dato keine Unfallhäufigkeit festgestellt wurde und es deshalb auch keinen Handlungsbedarf gebe.

Es ging schlicht um die Erhöhung der Sicherheit  

„Darum ging es bei unseren Überlegungen nicht. Wir haben Vorschläge erarbeitet, wie man die Sicherheit erhöhen kann, ohne dass vorher erst etwas passieren muss“, sagt Naumann. So ging es dem Arbeitskreis beispielsweise um die Versetzung der Ortstafel von Goßfelden kommend (Weinstraße) vor der Einmündung zur Gesamtschule. Um das Ortsschild versetzen zu können, das automatisch den Verkehr auf 50 Stundenkilometer runterbremsen lassen sollte, bedarf es einer beidseitig bebauten Ortslage, die dort aber nicht vorhanden ist.

Der Kompromissvorschlag, dann das 60er-Schild gegen ein 50er-Schild auszutauschen, wurde während der Verkehrsschau auch abgelehnt. Der Grund für diese angestrebte Veränderung ist, dass der dort befindliche Bürgersteig bekanntermaßen auch Schulweg ist.

Arbeitskreis stellt präventive Ideen vor

Ebenso wurde das Ansinnen, die komplette Schulstraße als Tempo-30-Zone auszuweisen, abschlägig beschieden. Wetters Bürgermeister Kai-Uwe Spanka, der an der Verkehrsschau teilgenommen hatte und die Vorschläge des Arbeitskreises vortrug, gab an den Arbeitskreis als Rückmeldung, dass die zuständigen Behörden der Meinung seien, dass die Geschwindigkeitsreduzierungen auf Höhe des Kindergartens und des Seniorenheims ausreichend seien. Es gebe in der Schulstraße keine Unfallhäufigkeit zu beobachten, zudem seien auf beiden Seiten Gehwege vorhanden. „Dies ist jedoch auf den ersten 250 Metern, beginnend von der Fuhrstraße, nicht der Fall“, sagt Naumann und fragt dann: „Muss denn erst etwas passieren, bis man gute Vorschläge umsetzt? Wir denken doch präventiv.“

Das präventive Denken der Arbeitskreismitglieder kam an anderer Stelle hingegen sehr gut an, als nämlich die Burgwaldschule den Plan für den Schulweg der Wetteraner Kinder aktualisierte, waren die Lehrer für die Mithilfe sehr dankbar.

Situation in der Fuhrstraße bleibt so wie sie ist

Auch die Geschwindigkeitsreduzierung in der Fuhrstraße wurde abgelehnt. Der enge Fahrbahnverlauf mache dort kaum ein schnelleres Fahren möglich. Zudem sei auch die Fuhrstraße keine Straße, die sich in der Verkehrsunfallstatistik bemerkbar mache. Eine sehr schwer zu verstehende Antwort, finden die Wetteraner. Vom Obertor bergab bis in die Fuhrstraße gibt es bekanntlich die Begrenzung auf 30 Stundenkilometer. Bergauf jedoch ist Tempo 50 erlaubt, obgleich sich in diesem Bereich auch die empfohlenen Schulwege für die Burgwaldschule beziehungsweise für die Gesamtschule Wollenbergschule befinden.

Harald Althaus, Mitglied der Arbeitsgruppe Kernstadt, fasste zusammen: „Solange nichts passiert, lässt sich kein Vorschlag zur Verbesserung des Schutzes schwächerer Verkehrsteilnehmer durchsetzen.“

Als sei das nicht schon ernüchternd genug, müsse man aber schon feststellen, dass in anderen Kommunen durchaus andere Ergebnisse möglich waren. „Es ist frustrierend, dass vernünftige Vorschläge, und das nehmen wir für uns in Anspruch, aufgrund von Verwaltungsvorschriften nicht umgesetzt werden.“ Er wolle nicht Äpfel mit Birnen vergleichen, aber in Niederwetter gelte nun mal selbst auf der Bundestraße auf der gesamten Länge des Dorfes Tempo 30.

Abknickende Vorfahrt soll geändert werden

Als unbefriedigend empfinden die Arbeitsgruppen-Mitglieder die Situation an der abknickenden Vorfahrt Ecke Fuhrstraße/Bahnhofstraße. Althaus dazu: „Da wird es wohl Veränderungen geben. Aber weil es sich bei den Straßen um Landes- und Kreisstraßen handelt, können wir da nicht großartig tätig werden. Wir müssen abwarten.“

Der Arbeitskreis Kernstadt/Verkehr hat seine monatlichen Zusammenkünfte schon auf das gesamte Jahr terminiert. Mit großen Erwartungen gehen sie aber auch davon aus, dass sich einige Themen schon bald in dem neu gewählten Ortsbeirat Kernstadt einbringen lassen werden. Ein gemeinsames Projekt könnte schon alsbald die Attraktivitätssteigerung des Bruchparkplatzes werden.

„Da könnten wir etwas mehr anbieten als nur Parkfläche, etwa Sitzgelegenheiten und Begrünungen. Dazu sollten aber auch Gespräche mit den Anliegern stattfinden“, so Althaus.

von Götz Schaub

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