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Viel Ärger um Innenstadt-Baustelle

Sperrung der Bahnhofstraße Viel Ärger um Innenstadt-Baustelle

Über die Baustellensituation rund um die Bahnhofstraße in Wetter ärgern sich Anwohner und Autofahrer. Bürgermeister Kai-Uwe Spanka verteidigt nun das Vorgehen.

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Ein typisches Beispiel: Statt die ausgeschilderte Umleitung zu benutzen, fahren viele Autofahrer über den Auweg, um die Baustelle in der Bahnhofstraße zu umfahren – obwohl dieser nur für Anlieger freigegeben ist. Für viele Fußgänger wie zum Beispiel Horst Dersch (von links), der gern mit seiner Frau Edith und ihrem Vater im Aueweg spazieren geht, ist das keine ungefährliche Angelegenheit.

Quelle: Ruth Korte

Wetter. Fritz Müller ist sauer. Seitdem die Bahnhofstraße in Wetter gesperrt ist, muss er „das komplette Dorf umfahren, nur um beim Aldi einzukaufen“. Dabei sei „die Situation an der Baustelle ja nicht so, dass man den Autofahrern nicht eine Fahrspur überlassen könnte“, moniert der 54-Jährige. Besonders verärgert sei er darüber, dass er bei seinem letzten Besuch im Blumengeschäft Günther ein Bußgeld bezahlen musste.

Das Blumengeschäft befindet sich nämlich im Aueweg, der  während der Baustellenarbeiten in der Bahnhofstraße nur für Anlieger freigegeben ist. „Die haben in der Straße die Polizei aufgestellt, die jedem Autofahrer ein Knöllchen verpasst hat, der kein Anwohner war. Dabei wollte ich eigentlich nur Blumen holen“, bedauert Müller.  

"Laufkundschaft" bleibt aus

Solche Geschichten kennen die Mitarbeiter der betroffenen Geschäfte nur zu gut. „Unsere Kunden sind sehr verärgert“, gibt eine Mitarbeiterin gegenüber der OP an. Viele von ihnen hätten bereits wie Müller ein Knöllchen bekommen. „Letzte Woche hatten wir eine Kundin hier, die nur alle drei Monate nach Wetter kommt, um bei uns einzukaufen. Die Polizei hat ihr ein Bußgeld von 20 Euro aufgedrückt. Das ist natürlich sehr unangenehm und verschreckt die Kunden.“

Diese Unannehmlichkeiten  machen sich auch im Geschäft bemerkbar. „Bei der letzten Baustelle haben wir 30 Prozent weniger Umsatz gemacht“, berichtet ihre Kollegin. „Mein Chef musste mir damals kündigen und wenn meine Kollegin nicht auch gekündigt hätte, wäre ich weg vom Fenster gewesen.“ 

In der Schuppertsgassegab es bereits Zoff: „Da ist eine Anwohnerin mit einer Polizeikelle auf die Straße gesprungen und hat einem mobilen Menüdienst den Weg versperrt“, berichtet eine Wetteranerin.  Auch Mesut Önogul, Inhaber des Kebaphauses Atlantis, das sich mitten in der Baustelle befindet, berichtet: „Uns fehlt die Laufkundschaft.“

Besonders dreistfand er eine Geschwindigkeitsmessung der Polizei im Aueweg vor ein paar Wochen, bei der alle Autofahrer, die mehr als zehn Stundenkilometer gefahren sind, geblitzt wurden. „Das wusste natürlich keiner, der nicht hier wohnte.“ Bürgermeister Kai-Uwe Spanka verteidigt das Vorgehen.

Autofahrer weichen über Anliegerstraßen aus

„Solche drastischen Maßnahmen sind manchmal notwendig, um die Autofahrer dazu zu bringen, die Umleitung zu benutzen.“ Dass diese von vielen ignoriert werde, habe sich bereits wenige Tage nach Baubeginn bemerkbar gemacht.  Statt wie vorgegeben über die K 123 zu fahren, um an das andere Ende der Stadt zu kommen (siehe Grafik), weichen viele auf den Aueweg und die Schuppertsgasse aus. Jedoch handele es sich dabei „um reine Anliegerstraßen, die nicht für die Verkehrsmengen gedacht sind, die dort gerade täglich durchfahren. Um so ein übermäßiges Verkehrsaufkommen zu vermeiden, steht dort ein ‚Anlieger frei‘-Schild, “, erklärt er.

Zudem handele es sich um einen Naherholungsbereich, der regelmäßig von den Bewohnern des ansässigen Altenheims genutzt werde. „Wenn hier zwei Autos aneinander vorbei fahren wollen – und das passiert im Moment mehrmals täglich – bleibt für die Fußgänger kein Platz.“ Da es keine Bürgersteige gibt, sind diese gezwungen, auf die Grünflächen auszuweichen. „Es gibt Leute in dem Heim, die sich gar nicht mehr raus trauen, weil hier so viel Verkehr ist“, weiß Edith Dersch, die regelmäßig ihren Vater im Altenheim besucht. „Es gibt kaum Möglichkeit, auszuweichen.

Die Autos fahren zudem häufig über 50“, beobachtet ihr Mann Horst, der seinen Schwiegervater im Rollstuhl schiebt. Alleine würde er sich auch nicht hier raus trauen. „Es sind ganz deutlich Gefahrenpunkte – da war einfach eine Entscheidung nötig“, so Spanka. Er findet die Beschwerden „ein bisschen daneben“ und fragt: „Muss ich eine Straße fahren, die ich auch umgehen kann? Kann ich nicht einen Umweg von zwei Minuten in Kauf nehmen? Muss ich jemanden, der mit einem Rollator unterwegs ist, dazu zwingen, zur Seite zu springen, nur damit ich schneller an mein Ziel gelange? Ich bitte da einfach um mehr Rücksichtnahme.“

 
Hintergrund
Die Bahnhofstraße in Wetter ist seit dem 4. Juli in beide Richtungen gesperrt. Grund dafür sind Erneuerungsarbeiten der Kanal- und Wasserleitung. „Durch die Neubaugebiete und heftigen Regenfälle sind die Leitungen stark überlastet“, erklärt Bürgermeister Kai-Uwe Spanka gegenüber der OP. Damit der Kanal sowohl das Oberflächenwasser als auch das Abwasser aufnehmen kann, wird er von 60 Zentimetern Durchmesser auf 120 Zentimeter, also das doppelte Volumen, vergrößert. Die Bauarbeiten sind in vier Abschnitte unterteilt. „Insgesamt liegen wir gut im Zeitplan“, sagt Spanka. So kann der erste Bauabschnitt, der vom Aueweg bis zur Kandelsgasse reicht, voraussichtlich noch in diesem Monat abgeschlossen werden. Dort wurde bereits ein neuer Kanal gelegt. Die Verlegung der Hausanschlüsse für das Wasser folgt in den nächsten Tagen. Nach Abschluss des ersten Bauabschnitts besteht über die Kandelsgasse und zurück wieder die Möglichkeit, über die innerörtliche Wetschaftsbrücke in die Innenstadt Wetter zu gelangen. Die Bauarbeiten in der Bahnhofstraße dauern bis voraussichtlich Frühjahr 2017 an. In dieser Zeit bleibt die Bahnhofstraße weiter in beide Richtungen gesperrt. Die Kosten belaufen sich auf 500.000 Euro für die Kanal- und 200.000 Euro für die Wasserleitungsarbeiten. Getragen werden die Kosten vom Zweckverband Mittelhessischer Abwasserwerke (ZMA) und dem Zweckverband Mittelhessischer Wasserwerke (ZMW).

von Ruth Korte

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