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Urteil gilt: Unfallfahrer muss zahlen

Gericht Urteil gilt: Unfallfahrer muss zahlen

Das schwer verletzte Opfer eines Verkehrsunfalls erstattete Anzeige - der Unfallverursacher legte Berufung ein. Das neue Verfahren erbrachte keine strafmildernden Gründe.

Marburg. Das Marburger Amtsgericht hatte den angeklagten Mann in erster Instanz wegen fahrlässiger Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 500 Euro verurteilt. Gegen den Beschluss legte der 22-Jährige Berufung ein. Daher musste er sich vor der achten Strafkammer des Landgerichts erneut erklären.

Ende Oktober 2012 fuhr der Angeklagte auf einer Kreisstraße in Richtung Treisbach. In einer Kurve auf der ihm unbekannten Strecke verlor er die Kontrolle über sein Fahrzeug, geriet auf die Gegenspur und rammte ein entgegenkommendes Auto. Er war mit einer Geschwindigkeit von etwa 60 bis 70 Stundenkilometern unterwegs. Der zweite Wagen wurde durch die harte Kollision von der Straße gedrängt und überschlug sich. Der Fahrer verständigte Notarzt und Polizei, während der Unfallverursacher noch unter Schock stand. Beide Männer wurden ins Krankenhaus gebracht. Der Fahrer des zweiten Wagens erlitt bei dem Unfall Prellungen, ein Schädel-Hirn- sowie ein Halswirbelschleudertrauma und verbrachte einige Zeit in ärztlicher Behandlung. Der Angeklagte selbst erlitt bei dem Zusammenstoß ein Halswirbelschleudertrauma, konnte die Klinik jedoch nach wenigen Stunden wieder verlassen.

Der Geschädigte stellte Strafantrag gegen den Unfallverursacher. Dieser hatte pflichtwidrig gehandelt, war auf der fremden, schmalen Straße ohne Vorsicht walten zu lassen in die Kurve gefahren und habe den Unfall provoziert, fand das Amtsgericht und verurteilte ihn wegen fahrlässiger Körperverletzung. Der Mann zeigte Einsicht, hatte seine Schuld von Anfang an eingeräumt und sich bei dem Geschädigten entschuldigt, was ihm zu seinen Gunsten ausgelegt wurde. Gegen die milde Geldstrafe von 500 Euro legte er trotzdem Berufung ein - wegen finanzieller und beruflicher Nachteile, begründete der Angeklagte. Eine gerichtliche Verurteilung brächte für den Studenten künftig berufliche Schwierigkeiten. Zudem habe er finanzielle Probleme. Die Straße war nur unzureichend mit Hinweisschildern ausgestattet und bekannt für ihre gefährlichen Streckenabschnitte, ergänzte sein Verteidiger. Sein Mandant habe die geltende Geschwindigkeitsbegrenzung nicht überschritten, das Unfallopfer habe mittlerweile auch kein Interesse mehr an einer Strafverfolgung. Die Verteidigung schlug daher eine Verwarnung unter Strafvorbehalt vor.

Richter Lange bemerkte: „Da muss man schon vorsichtig fahren, ob Schild oder nicht. Sie waren zu schnell.“ Er hob erneut die bereits abgemilderte Strafzumessung der ersten Instanz hervor. Das Urteil sei zweifelsfrei gerechtfertigt. Der Angeklagte habe fahrlässig gehandelt, stimmte Staatsanwältin Brinkmeier zu. Der Angeklagte nahm die Berufung schließlich zurück. Da auf Rechtsmittel verzichtet wurde, ist das Urteil somit rechtskräftig.

von Ina Tannert

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