Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / 0 ° Schneeregen

Navigation:
Unterrosphe? - Gegenwind kommt aus Mellnau

Kindergarten-Neubau Unterrosphe? - Gegenwind kommt aus Mellnau

Die gemeinsame Sitzung der drei Wetteraner Ausschüsse zum Kindergartenneubau trug phasenweise die Züge einer Bürgerversammlung, weil einige Mellnauer noch einmal Grundsatzfragen aufwarfen.

Voriger Artikel
Sieben Jahre Wartezeit haben ein Ende
Nächster Artikel
Schläger kommt mit Bewährung davon

Das Interesse, den favorisierten Kiga-Standort in Unterrosphe zu sehen, war sehr groß.

Quelle: Götz Schaub

Unterrosphe. Die Mitglieder der drei gemeinsam tagenden Ausschüsse des Wetteraner Stadtparlaments waren sich am Montagabend nach einer Ortsbesichtigung in Unterrosphe vor 40 Gästen aus Mellnau, Oberrosphe und Unterrosphe relativ schnell einig, den vom Magistrat überarbeiteten Beschlussvorschlag zu einem Kindergarten-Neubau in Unterrosphe „grundsätzlich“ mittragen zu können.

Für endgültiges grünes Licht sollen aber noch ein paar Punkte geklärt werden. So soll das geplante Raumprogramm für einen dreigruppigen Kindergarten mit der zuständigen Genehmigungsbehörde abgeglichen werden. Die für die Dorferneuerung zuständige Bank soll einen in einem Telefongespräch in Aussicht gestellten Zuschuss schriftlich bestätigen. Des Weiteren soll der Finanzierungsbeschluss erst gefasst werden, wenn über die Ausführungsart - Massivbauweise oder Modulbauweise - entschieden wurde. Bisher liegen die Kosten für eine Massivbauweise etwa 200000 Euro über den Kosten einer Modulbauweise, doch möchte die Stadt Wetter nach Möglichkeit heimische Firmen am Bau beteiligen, die aber nicht in Modulbauweise bauen, und sich deshalb noch weitere Angebote einholen. Und auf Antrag der CDU sollen noch die Ortsbeiräte aus Mellnau, Oberrosphe und Unterrosphe zum Vorhaben Stellung nehmen.

Sollten sich aus den noch zu klärenden Dingen nennenswerte Veränderung zur Absicht in Unterrosphe den Kindergarten zu bauen, ergeben, müsse noch einmal neu nachgedacht werden, folgerte CDU-Mann Niklas Zielen daraus und erhielt eigentlich von allen Seiten Zustimmung. Bisher steht aber die Planung für Unterrosphe - in erster Linie, weil die Ausschuss-Mitglieder der Arbeit der Kindergartenkommission Respekt und Anerkennung zollten und die Ergebnisse als nachvollziehbar erachteten. Dann jedoch kamen sehr kritische Stimmen aus Mellnau zum Tragen. Der Ortsbeirat, die Eltern seien gar nicht gehört worden, hätten nicht in der Kommission mitarbeiten können, würden einfach von anderen überstimmt. Die wichtigen Fragen, etwa ob Mellnauer Eltern bereit sind, ihre Kinder nach Unterrosphe zu bringen seien nicht erörtert worden, es fehle an einem Beförderungskonzept und die Standortfrage sei überhaupt nicht thematisiert worden, die Mellnauer müssten dies jetzt einfach so hinnehmen. Dieser Gegenwind vom Ort mit der Burg überraschte Ausschuss-Mitglieder wie auch andere Gäste der Sitzung und blieb nicht ohne Reaktion. Vor allem Eltern aus Oberrosphe wunderten sich darüber, dass die Mellnauer so viel Wissensdefizit offenbarten. Heinrich Hahn aus Oberrosphe sagte: „Die dreigruppige Lösung ist gut. Die Orte wachsen so mehr zusammen. Die Kinder lernen sich im Kindergarten kennen, gehen zusammen zur Schule, und in die Vereine, verbringen sehr viel Zeit miteinander.“ Wenn das Ergebnis der Kommission jetzt hier nichts gelte, sei es für ihn das erste und letzte Mal gewesen, sich derartig zu engagieren.

Richard Hess von der SPD zeigte ein gewisses Verständnis für die Mellnauer: „Ich kann verstehen, dass es nicht einfach ist, wenn Liebgewordenes verändert wird.“ Er stellte aber heraus: „Für mich als Stadtverordneter steht das pädagogische Konzept im Vordergrund. Es geht um die Kinder und ihre Entwicklungschancen, Ich bin froh, dass die Kommission so qualifiziert besetzt war.“

Erich Gärtner, Vorsitzender des Bauausschusses, zeigte sich entsetzt über die Meinung einiger Eltern, sie würden im Falle eines Kindergartenneubaus in Unterrosphe ihre Kinder dann eher nach Wetter bringen, weil das wegen der Fahrt zur Arbeit einfacher sei. Die Stadtteile im Westen hätten auch nur einen Kindergartenstandort und da funktioniere es auch. „Dann muss das hier auch möglich sein“, so Gärtner. Bürgermeister Kai-Uwe Spanka versicherte, dass die Kinderbeförderung gar kein Problem darstelle und auch mit den Eltern abgesprochen werden könne. „Diese Lösung in Unterrosphe ist das Optimum für alle, davon habe auch ich mich überzeugen lassen.“ „Wir schaffen hier etwas für unsere Kinder und auch für die Eltern, die durch verlängerte Öffnungszeiten flexibler werden können“, meinte Arnold Radke von der Partei Die Linke. Allein einige Mellnauer blieben skeptisch und setzen nun darauf, dass die Ortsbeiräte die Standortfrage neu aufrollen.

Hintergrund:

Warum soll der Standort in Unterrosphe sein? Von Seiten des Magistrats ist diese Frage leicht zu beantworten. Nur bei einem Neubau in Unterrosphe kann die Stadt Wetter mit einem Zuschuss aus dem Dorferneuerungsprogramm rechnen, weil es in Unterrosphe keinen Gebäude-Leerstand gibt. Zudem könnte die Stadt auf einem eigenen Grundstück bauen, so dass Ankaufskosten entfallen. Für einen Kindergarten-Neubau in Mellnau oder Oberrosphe gibt es definitiv keinerlei Zuschüsse, in Oberrosphe darf während der Dorferneuerung kein Neubau entstehen, weil es im Ort Leerstände gibt wie etwa das nicht mehr in Betracht kommende ehemalige Raiffeisengebäude, das sich für einen dreigruppigen Kindergarten auch nicht eignet.

von Götz Schaub

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nordkreis

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr