Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 5 ° Regen

Navigation:
Unfallflucht endet in der Psychiatrie

Aus dem Gericht Unfallflucht endet in der Psychiatrie

Was in der Nacht auf den 17. Juni in Schönstadt „nur“ mit einer Trunkenheitsfahrt begann, endete für einen Mann in der Psychiatrie, weil er zur Blutentnahme auf dem Revier nur mit acht Polizeibeamten zu bändigen war.

Voriger Artikel
Bürger dürfen Straßen vermutlich selbst ausbauen
Nächster Artikel
Dreiste Betrüger am Werk

Ausgangspunkt für die Anklage gegen einen 36-Jährigen war ein simpler Blechschaden beim Wenden seines Fahrzeugs. Am Ende musste sich der Angeklagte auch wegen Widerstands gegen Polizeibeamte verantworten. Archivfoto

Quelle: GTÜ-Pressestelle

Marburg. Das Marburger Amtsgericht verurteilte den 36-Jährigen jetzt zu einer Geldstrafe wegen fahrlässiger Straßenverkehrsgefährdung durch Trunkenheit, Unfallflucht und wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte.

Der Angeklagte gestand im Wesentlichen alle Vorwürfe der Staatsanwaltschaft. Demnach hatte er mindestens 1,4 Promille Alkohol im Blut, als er sich in seinen Kleinlaster setzte, um in Schönstadt loszufahren. Beim Wenden stieß er dabei gegen einen PKW, etwa 4000 Euro Schaden waren die Folge.

Während der folgenden Unfallflucht wurde der Weimarer von dem PKW-Halter und einem Bekannten verfolgt, die ihn in Bernsdorf stellten. Die hinzugerufene Polizei nahm ihn mit auf die Wache, um die Blutprobe zu veranlassen.

An dem Tag habe Deutschland bei der Fußball-Weltmeisterschaft gegen Portugal gespielt, so der Angeklagte. Er sei mit dem Firmenwagen zu einem Sportverein gerufen worden, um schnell den defekten Beamer für die Übertragung zu reparieren. Aus Dankbarkeit sei er anschließend eingeladen worden und habe einige Bier getrunken. Nicht glauben wollten ihm Staatsanwalt Johannes Stochel und Strafrichter Thomas Rohner, dass er aus Versehen zusätzlichen Alkohol getrunken habe, den er für Apfelsaftschorle gehalten habe, „Sie erzählen mir was vom Pferd, das merkt man doch, wenn Alkohol drin ist“, so Stochel.

Ebenso wenig glaubten sie, dass er von dem Unfall nichts bemerkt hat. Diesen hatte nämlich ein 23-Jähriger beobachtet, der sofort den Halter informierte, um die Verfolgung aufzunehmen. Die Alarmanlage sei angesprungen, so der Mann, inklusive Warnblinker, das habe der Angeklagte sehen müssen.

Die beiden Männer berichteten, dass sie den 36-Jährigen durchaus lautstark zur Rede gestellt hätten. Er habe 300 Euro angeboten, was man abgelehnt habe. Außer kleinerer Diskussionen vor Ort war aber laut Aussage eines Polizisten nicht absehbar, was später passieren würde. Man habe auch keine Fesseln angelegt.

Als man dem Beschuldigten aber auf der Fahrt eröffnet habe, dass die Blutprobe fällig sei, sei er bereits unruhig geworden. Auf dem Revier habe er dann gefordert, dass man ihm schriftlich mitteile, dass er das erdulden müsse, was man des lieben Friedens willen auch gemacht habe.

Trotzdem habe er sich trotz Androhung von körperlichem Zwang geweigert, Blut abnehmen zu lassen.

Wie drei Beamte aussagten, sei er aufgesprungen und habe gerufen, „kommt doch, das schafft ihr eh nicht“, dann habe er einem von ihnen das Hemd zerrissen. „Er war kaum zu beruhigen.“ Letztlich hätten ihn acht Polizisten niedergerungen. Nach der Blutprobe habe man ihn zu seinem eigenen Schutz in die Psychiatrie gebracht. Dort sei er ruhiger geworden. „Es war wohl die Uniform, die ihn gereizt hat“, mutmaßte einer der Beamten.

Er habe Angst vor ihnen gehabt, so der Angeklagte, „das waren so viele“. Der aus dem ehemaligen Jugoslawien stammende Mann sagte dazu, dass er noch unter schlimmen Eindrücken des Bürgerkriegs leide, Polizisten sei damals nicht zu trauen gewesen. Er habe sein Problem erkannt, trinke keinen Alkohol mehr und habe sich psychologische Hilfe geholt. Es tue ihm alles schrecklich leid und solle keinesfalls mehr vorkommen, beteuerte er. Seine Verteidigerin Anja Uhlfelder ergänzte, dass bei ihrem Mandanten eine posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert worden sei.

Dass er sich Hilfe geholt habe und auch sein Geständnis müssten positiv ins Gewicht fallen, betonte Rohner in seiner Urteilsbegründung, deshalb sei noch eine, wenn auch empfindliche Geldstrafe ausreichend, trotz zahlreicher Vorstrafen.

Rohner verurteilte den Mann zu 100 Tagessätzen, insgesamt 4000 Euro. Der Führerschein wird eingezogen und ein neuer darf ihm frühestens in eineinhalb Jahren erteilt werden. Das Urteil ist rechtskräftig.

von Heiko Krause

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr