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Um 420 vor Christus wird auf dem Berg gesiedelt

Neues Chrsitenberg-Buch Um 420 vor Christus wird auf dem Berg gesiedelt

Endlich, endlich: Alles was wichtig ist, über den historischen Hintergrund des Christenbergs zu wissen, ist jetzt in einem Buch verständlich, unterhaltsam und dabei durchaus auf wissenschaftlichem Niveau zusammengefasst worden.

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Freuen sich über das gelungene Buch: Martina Sührig, die sich um die Umsetzung kümmerte, Antje Coburger vom Förderkreis, die das Vorwort verfasste, und die Autoren Walter Holzapfel und Armin Weber, die sich ehrenamtlich zur Verfügung stellten.

Quelle: Götz Schaub

Münchhausen. Über den Christenberg wurde schon viel geschrieben und veröffentlicht. Dabei kamen die Macher aber nie über den Status einer schönen informativen Broschüre hinaus. Jetzt hat der Förderkreis Christenberg Nägel mit Köpfen gemacht und zwei ambitionierte Autoren aus seinen Reihen mit der Aufgabe betraut, die beiden wichtigsten Besiedlungszeiten auf dem Christenberg zu beschreiben und in den historischen Gesamtkontext zu stellen.

Herausgekommen ist ein lesenswertes, in der Sprache verständliches Werk, das aber keineswegs den Vergleich mit einer wissenschaftlichen Abhandlung scheuen muss. Zahlreiche farbige Abbildungen, Fotos und kleine Exkurse durchgehend auf hochwertigem Papier gedruckt machen das Buch „Kelten und Franken auf dem Christenberg“ ganz klar zum ersten allumfassenden Werk über den Christenberg, das in keiner privaten Bibliothek geschichtsinteressierter Menschen in Münchhausen, im Landkreis und in der Region fehlen sollte.

Es ist ein Buch zum Lesen, aber auch zum Nachschlagen. Es kann aufgrund der zahlreichen Verweise auf weitere Quellen auch als Ansatz für weitergehende Forschungsthemen dienen. In zwei Kapiteln beschäftigen sich die Autoren Armin Weber und Walter Holzapfel nicht nur mit den Erkenntnissen und Funden auf dem Christenberg, sondern stellen sie in einen Gesamtzusammenhang weit über den Tellerrand des Christenbergplateaus hinaus. So wird im ersten Teil, der sich mit der keltischen Zeit auf dem Christenberg auseinandersetzt, auch Bezug auf andere Fundstellen genommen. Wer dabei auf den Geschmack kommt, für sich selbst weitere Informationen einzuholen oder die anderen Fundorte besuchen möchte, erhält die entsprechenden Hinweise auf Internet-Seiten. So beispielsweise über die Heuneburg, dem bestdokumentierten Fürstensitz der Hallstatt-Kultur. - Der was? Hallstatt-Kultur? Was ist das denn jetzt? Keine Bange, eine Zeittafel von der späten Bronzezeit bis zur späten Eisenzeit macht es auch für historisch interessierte Anfänger richtig leicht, das Gelesene richtig einzusortieren. Damit wird der Leser auch in die Lage versetzt, sich selbst ein Gesamtbild zur Keltenzeit in der Region sowie im heutigen Deutschland zu machen. Das Kapitel über die Kelten haben Weber und Holzapfel zusammen geschrieben, das Kapitel über die Franken hat Weber alleine verfasst. Auch hier sorgen Schautabellen und Übersichtskarten für eine schnelle Einordnung der Franken in die Geschichte.

Eine wichtige Grundlage für die heutigen Erkenntnisse sind die Ergebnisse der Grabungen, die auf dem Christenbergplateau stattgefunden haben. Diese fanden statt in 1953, dann in den Jahren von 1964 bis 1970 und dann noch einmal im Zuge der Friedhofserweiterung unter der Leitung von Dr. Rolf Gensen 1988/89. Die Funde machten den Christenberg zu einem bedeutenden historischen Ort. Viele Meinungen und Annahmen über die Entstehung des Christenbergs mussten komplett einer neuen Betrachtungsweise angeglichen werden.

Seither ist bekannt, dass die erste nachweisbare Besiedlung schon um 420 vor Christus stattgefunden hatte, also mehr als 1000 Jahre vor den Franken, die dort um 700 eine Befestigung aus Steinen, die Kesterburg, anlegten, deren Grundmauern noch heute zu sehen sind. Damit steht der Christenberg auch in Beziehung zum Glauberg, der mit seinen sensationellen Funden die „Keltenwelt“ in den Fokus touristischer Ausflugsziele gebracht hat.

Als sich Armin Weber und Walter Holzapfel an die Arbeit machten, über die für den Christenberg bedeutenden zwei Siedlungsepochen zu schreiben, wurde ihnen schnell klar, dass sie dieses Mal im Begriff waren, ein grundlegendes Werk zu schaffen. Deshalb entschieden sie sich auch dazu, ihre Quellen als Fußnoten auf den Seiten mit anzugeben. „Man kann das Buch sehr gut ohne Fußnoten lesen, doch wer sich eingehender mit der Geschichte befassen möchte, erhält wie in jedem wissenschaftlichen Werk auch die Informationen, die er dazu benötigt“, sagt Antje Coburger vom Vorstand des Förderkreises Christenberg.

Weber war es zudem wichtig, den „Stoff“ in allgemein verständlicher Sprache rüberzubringen. Das ist ihm und Holzapfel in vortrefflicher Weise gelungen. Wer einmal in die Geschichte des Christenbergs eintaucht, wird schnell fasziniert sein und mit dem Wissen, dass der Christenberg noch längst nicht abschließend erforscht ist, vielleicht einen Traum entwickeln, dabei zu sein, wenn irgendwann noch einmal Grabungengeschichte geschrieben werden sollte.

„Der Verein Förderkreis Christenberg hat sich zum Ziel gesetzt, den Christenberg in Münchhausen als wertvolles Kulturerbe und touristischen Anziehungspunkt in unserer Region zu erhalten, den Menschen näher zu bringen und mit Leben zu füllen.“ So heißt es auf der Homepage des Vereins im Internet. Mit dem Buch „Kelten und Franken auf dem Christenberg“ hat der Verein einen wertvollen Beitrag zu seinem Anliegen geliefert, der es verdient entsprechend berücksichtigt zu werden.

HINTERGRUND

Das Buch „Kelten und Franken auf dem Christenberg“ von Walter Holzapfel und Armin Weber liegt druckfrisch in einer Auflage von 1000 Exemplaren in gebundener Form vor. Auf 108 Seiten sind alle Erkenntnisse und der aktuelle Forschungsstand dargestellt. Am Ende des Buches befindet sich ein Übersichtsplan des gesamten Plateaus, auf dem die historisch gesicherten Bautätigkeiten aus allen Siedlungsepochen bis in die heutige Zeit dargestellt sind. Dabei fällt auf, dass es in karolingischer Zeit neben den Außenmauern entlang des Plateaus noch eine zweite mitten auf dem Plateau gegeben hat.

Das Buch, herausgegeben vom Förderkreis Christenberg, ist für 18 Euro erhältlich beim Verein und bei der Gaststätte auf dem Christenberg. Zudem sollen auch Buchläden in Marburg und Frankenberg mit Exemplaren ausgestattet werden. Kontaktaufnahme ist über die beiden Autoren Holzapfel und Weber sowie dem Vorstand möglich.

Des Weiteren können Bücher auch pere-Mail geordert werden: info@foerderkreis-christenberg.de

von Götz Schaub

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