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Über den Baumwipfeln schaltet das Radar ab

Nabu Wetter Über den Baumwipfeln schaltet das Radar ab

Wahlen und Jahresberichte nahmen bei der Jahreshauptversammlung des Nabu Wetter nicht viel Zeit in Anspruch. Über zwei Stunden dagegen hörten Mitglieder und Gäste einem Vortrag über Fledermäuse zu.

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Manchmal kann man Fledermäuse aus der Nähe beobachten: diese Zwergfledermaus hatte sich in ein Treppenhaus in Marburg verirrt.Foto: Manfred Schubert

Quelle: Manfred Schubert

Wetter. Die Vorstandswahlen brachten eine Änderung. Dr. Wilhelm Wißner, 1977 Mitgründer der Ortsgruppe Wetter des Naturschutzbunds Deutschland (Nabu), damals noch „Deutscher Bund für Vogelschutz“ (DBV), stellte sich nach 30 Jahren als stellvertretender Vorsitzender nicht mehr zur Wahl. Sein Nachfolger wurde Peter Zimmermann.

Der Vorsitzende Hermann Schmack berichtete, dass die Aktiven unter den 84 Mitgliedern im vergangenen Jahr mehr als 800 Stunden ehrenamtlicher Naturschutzarbeit leisteten. Im Durchschnitt hätten sich fünf bis sechs Personen an jedem Einsatz beteiligt.

Das ging los mit der jährlichen Kontrolle und Reinigung von 300 Nistkästen im Bereich von Wetter, Amönau, Mellnau und Unterrosphe. Im Februar 2013 pflanzte man gemeinsam mit dem Jungjägerlehrgang der Hegegemeinschaft Wetter hochstämmige Apfelbäume am Galgenberg, außerdem im Dezember bei Unterrosphe. Am Krötenzaun an der K 1 zwischen Mellnau und Simtshausen wurden bei den allmorgendlichen Kontrollgängen 1737 Erdkröten, zwei Grasfrösche, 58 Bergmolche und 81 Teichmolche eingesammelt, im Teich am Stettebach ausgesetzt und so vor dem Straßenverkehr gerettet.

Problemfall Goldfisch

Trotz wiederholter Appelle und Aufklärungsversuche haben wieder einmal Unbekannte Goldfische in einem der 14 betreuten Amphibienteiche ausgesetzt. Aus gutem Grund ist das verboten, denn diese fressen den Laich der Amphibien und gefährden deren Population. Als Gegenmaßnahme hat der Nabu zwei Hechte eingesetzt. Sobald keine Goldfische mehr im Teich sind, sollen die Raubfische wieder herausgefangen werden.

Bei weiteren Arbeitseinsätze schnitten die Naturschützer Obstbäume, pflegten Teichanlagen, Trockenrasenflächen und Orchideenwiesen. Die Sumpfständelwurz habe hier ihren letzten aktuellen Standort im Landkreis, unterstrich Schmack. Weitere Arten sind das Breitblättrige, das Kleine und das Gefleckte Knabenkraut.

Auch mit der Ausweisung von so genannten Kernflächen im Burgwald beschäftigte sich der Nabu. Gemäß einer Forderung der Bundesregierung sollen fünf Prozent des öffentlichen Waldes nicht mehr genutzt werden. Zwei Vogelstimmen- und eine Orchideenexkursion fanden statt.

Nach dem zügig durchgeführten offiziellen Versammlungsteil berichtete der Marburger Biologe Matthias Simon über das „Besondere Leben der Fledermäuse“ und Schutzmaßnahmen. Seit 20 Jahren ist Simon fasziniert von den weltweit 800 Arten umfassenden Tieren, zu denen mit der thailändischen Hummelfledermaus das kleinste aller Säugetiere gehört. Zu unterscheiden sind sie von den in der Regel bedeutend größeren, ausschließlich in den Tropen und Subtropen der Alten Welt vorkommenden Flughunden, die sich nicht mittels Echolotung per Ultraschall, sondern mit ihren Augen orientieren.

Diese Faszination vermittelte Simon auch seinen Zuhörern, die über die vielen interessanten Fähigkeiten und Verhaltensweisen der Tiere staunten. „Zum Glück hören wir, bis auf einige junge Leute, die Schallwellen im Bereich von 18 bis 19 Kilohertz nicht, das wäre sonst eine ganz schöne Lärmbelästigung“, meinte er. Mit ihren Ohren können die Fledermäuse 0,1 Millimeter feine Fäden erkennen und „dreidimensional sehen“.

Gefahr für Fledermäuse

Die Reichweite des Echolots ist je nach Art unterschiedlich, meist liegt sie bei 20 bis 25 Metern wie bei den bei uns am häufigsten vorkommenden Zwergfledermäusen, bei der Hufeisennase beispielsweise nur über einen Meter. Das sei eine Erklärung, warum Windkrafträder Fledermäuse töten.

Und sie müssen gar nicht direkt vom Rotor getroffen werden. Wenn sie in die Windschleppe des an der Spitze 200 km/h schnellen Flügels geraten, erlitten sie ein so genanntes Barotrauma, der Luftdruck verletzt Lungen und Trommelfelle, so Simon. Außerdem: wenn Fledermäuse oberhalb der Baumwipfel größere Strecken zurücklegen, setzen sie ihre Echoortung gar nicht ein, weil es dort nichts zu orten gibt. Helfen können Algorithmen, die die Windräder zu den Flugzeiten und bei Windgeschwindigkeiten und sechs Metern pro Sekunde abschalten.

Beim Schutz der fleißigen Insektenvertilger können auch Hausbesitzer helfen. Wenn Fassaden gedämmt werden, geschieht das oft so gründlich, dass Nistmöglichkeiten für Fledermäuse wegfallen. Man sollte entsprechende Schlitze vorsehen, es gibt auch spezielle Fassadenkästen, berichtete Simon. Fledermäuse werden bis zu 33 Jahre alt. Das sei viel Zeit, Traditionen auszubilden. Erfahrene Tiere zeigen Jungtieren zum Beispiel Winterquartiere. Daher kämen die Fledermäuse auch mit einem einzigen Jungtier im Jahr über die Runden.

Das nächste Monats-Treffen ist am 12. Juni um 20 Uhr im Vereinsheim am Diebsturm. Jeden ersten Samstag im Monat kann Jedermann auch bei der praktischen Naturschutzarbeit der Aktionsgemeinschaft „Rettet den Burgwald“ mithelfen.

von Manfred Schubert

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