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Tradition reicht weit zurück

Kirchenchor „Klangfarben“ Schönstadt Tradition reicht weit zurück

Notenblätter aus dem 14. Jahrhundert belegen bereits mehrstimmigen Chorgesang in Schönstadt. Heute sucht der Kirchenchor wieder nach jungen Sängern.

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Der Kirchenchor „Klangfarben“ Schönstadt unter der Leitung von Reinhold Hartmann eröffnete den Gottesdienst.

Quelle: Freya Altmüller

Schönstadt. „Das Orchester kann heute nicht spielen“, sagte Reinhold Hartmann und hält den Gottesdienstbesuchern seine mit Mullbinden umwickelte Hand entgegen. Die Bach-Kantate muss heute ohne Instrumentalstück auskommen. „Deshalb machen wir mit der zweiten Strophe weiter“, erklärt der Leiter des Kirchenchors „Klangfarben“ Schönstadt. Hartmann spielt die ersten Töne für die verschiedenen Stimmlagen auf dem Keyboard an. „Mmmmm“, antworten die Sänger leise. „Wachet auf, ruft uns die Stimme“, singen sie dann aus vollem Herzen.

Zu seinem 110-jährigen Bestehen hat der Kirchenchor vergangenen Sonntag gemeinsam mit Pfarrer Michael Fröhlich zum Festgottesdienst eingeladen. Den Anlass haben die Sänger genutzt, um wie jedes Jahr mit ihrer Darbietung die Geburtstagsjubilare zu beschenken. Die Mitglieder des Kirchspiels Schönstadt, Reddehausen und Schwarzenborn, die einen runden Geburtstag ab 75 Jahren oder über 90 feiern, sind an diesem Tag zu Gast. Aber nicht nur Bach gehört zum Repertoire des Kirchenchors, auch lateinische Stücke wie „Alta trinitae beata“ und Gospels wie „Swing Low, Sweet Chariot“ singen die „Klangfarben“.

Erste Notenblätter aus dem 14. Jahrhundert

Die Sangestradition in Schönstadt reicht weit zurück, erklärt Hermann Köhler, Dekan des Kirchenkreises Kirchhain, in seiner Predigt. Notenblätter aus dem 14. Jahrhundert belegen den mehrstimmigen Chorgesang zu dieser Zeit. Der heutige gemischte Chor entstand 1906, als Pfarrer Eduard Korff im Ort junge Männer fragte, ob sie nicht gemeinsam mit den Mitgliedern des Jungfrauenvereins singen wollen. Heute ist der Chor wieder auf der Suche nach neuen Sängern. Zwischen 14 und 80 Jahren sind die derzeit 21 Chormitglieder. Längst habe nicht mehr jede Gemeinde einen eigenen Chor, erklärt Köhler. „Das ist ein wunderbarer Schatz, den wir mit allen Kräften hegen und pflegen müssen.“ Beim Singen werde die Gnade Gottes körperlich spürbar. „Zum Beispiel, wenn ein Musikstück Gefühle in uns hervorlockt, von denen wir gar nicht wussten, dass sie in uns sind“, sagte Köhler.

Viele der Sänger sind gleich nach ihrer Konfirmation eingetreten, wie Margarete Brunet vor 80 Jahren. Als das langjährigste und inzwischen passive Mitglied wird sie gemeinsam mit anderen Ehemaligen von Christiane Kessler, Kantorin des Kirchenkreises, zum Ehrenmitglied ernannt. Auch Eva Göttig, Luise Pinschmidt, Leni Krug, Margarete Peter, Renate Göttig und Margarete Lang gehören zu den Ehrenmitgliedern.

Zu den Geburtstagsjubilaren sagt Pfarrer Fröhlich: „Sie haben bittere Schicksalsschläge erlebt und es dennoch geschafft, im Licht und in der Liebe zu bleiben.“ Nicht selten höre er von älteren Menschen, das Vertrauen in einen menschenfreundlichen Gott sei ihnen eine Stütze. „Erzählen Sie Ihren Kindern und Enkeln, in Schule und Kindergarten davon, damit wir Jüngeren das nicht vergessen und verlernen.“

 
Kirchenchor-Vorsitzende Christel Blumkaitis (rechts) ernannte Luise Pinschmidt (von links), Eva Göttig, Leni Krug und Margarete Brunet zu Ehrenmitgliedern. Foto: Freya Altmüller

von Freya Altmüller

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