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Technik versagt - Wärter springen ein

Kaputtes Schrankensystem Technik versagt - Wärter springen ein

Schranke runter, wenn der Zug kommt - Schranke hoch und der Weg ist wieder frei. So sollte es funktionieren. Am Bahnübergang Hainmühle müssen Menschen einspringen, weil die Technik ihren Dienst versagt.

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Am Bahnübergang nahe der Hainmühle reicht die Schranke allein derzeit nicht. Seit dem Einbau einer neuen Anlage ist die Technik unzuverlässig – deshalb ist 24 Stunden am Tag ein Wärter vor Ort, der den Übergang bei jedem Zug zusätzlich mit Sperrband sichert.

Quelle: Nadine Weigel

Bürgeln. Die Schranken an der Hainmühle bei Bürgeln ließ die Bahn vor einigen Monaten modernisieren. Schranke hoch, sobald der Personen- oder Güterzug vorüber ist, Schranke wieder runter, sobald ein neuer Zug kommt - so sollte es ganz automatisch funktionieren. Am Bahnübergang Hainmühle ist das noch Theorie. Faktisch arbeiten die Schranken nicht zuverlässig. Mitunter, so berichten Anwohner, öffnen sie sich, während der Zug vorüberfährt - eine Gefahr für Leib und Leben an der Linie der Main-Weser-Bahn, wo reger Betrieb herrscht.

Die Bahn nimmt dieses Problem sehr ernst. Bis die Technik reibungslos funktioniert, ist deshalb ein Schrankenwärter vor Ort. 24 Stunden am Tag wird der Übergang bewacht. Gearbeitet wird im Schichtsystem - wenn ein Wärter geht, kommt er nächste.




 
 
 
 
 
 
 
 
 


Neben den Schranken, die die Gleise sichern, ist auf beiden Seiten zusätzlich ein Trassierband angebracht. Das Handy des Wärters klingelt, ein Zug wird angekündigt. Die Schranken schließen sich diesmal ordnungsgemäß und trotzdem sichert der Wärter den Übergang zusätzlich mit dem Trassierband ab - weil es ja doch sein könnte, dass die Schranken sich öffnen, noch während der Zug vorüberfährt. Die Waggons rattern vorbei, die Schranken gehen wieder hoch - und der Wärter hängt das Trassierband aus und öffnet den Überweg für ein Auto von der einen Seite und eine Gruppe Radfahrer von der anderen.

"Und das in unserer modernen Welt"

Fasziniert schaut sich Gisela Heller aus Bürgeln dieses Schauspiel an: „Und das in unserer modernen Welt“, sagt die 71-Jährige, die in der Nähe des Übergangs wohnt, und wundert sich kopfschüttelnd, dass es der Bahn über Monate nicht gelingt, die Schranken so einzurichten, dass es auch ohne den wohl kostspieligen Einsatz von Personal vor Ort funktioniert.

Auch andere Passanten sind irritiert von dem Schauspiel - die meisten bemitleiden die Schrankenwärter wegen ihres Jobs. Die Aufpasser sitzen, wenn es einmal längere Pausen zwischen den Zügen gibt, in ihrem Auto und warten. Ansonsten steht der Schrankenwärter direkt am Bahnübergang parat - denn in den Stoßzeiten kommen die Züge im Takt von nur wenigen Minuten Abstand.

Für die Bahn ist das, was in Bürgeln passiert, keine ungewöhnliche Sach, wie die Antwort der Pressestelle dokumentiert. „Nach dem Einbau einer neuen Bahnübergangstechnik arbeitete das Übertragungssystem nicht korrekt. Aus Sicherheitsgründen wird der Bahnübergang deshalb zusätzlich durch Bahnübergangsposten gesichert“, teilt die Kommunikationsabteilung der Bahn auf Anfrage der OP mit. Der Einsatz von Schrankenwärtern sei noch bis zum 5. November geplant. „Bis dann soll die gestörte Technik ersetzt werden“, heißt es. Über die bisher angefallenen Kosten durch die gestörte Technik und die Überwachung des Übergangs durch Personal könne die Bahn zurzeit noch keine Angaben machen.

von Carina Becker

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Noch knapp 50 Meter bis zum Haus von Gisela Heller. Die Fahrt nimmt ein jähes Ende. Jeder, der die Straße Im Semt passieren will, muss erst über den Anrufkasten zum Bahnstellwerk Kirchhain Kontakt aufnehmen.

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