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Süßlicher Kitsch über dem Ehebett

Dorfmuseum Oberrosphe Süßlicher Kitsch über dem Ehebett

Kitsch oder Kunst? Oder etwas von beidem? Auf jeden Fall geht etwas Anziehendes von den Bildern aus, die Anfang des vergangenen Jahrhunderts über den Ehebetten der wohlsituierten „Mittelschicht“ hingen.

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Elfriede Hahn (links) und Brigitte Stuhl platzieren ein „Schlafzimmerbild“. Rechts: eine heitere Szene . Fotos: Götz Schaub

Oberrosphe. „Es war wohl so etwas wie ein Prestigeobjekt“, sagt Elfriede Hahn, die eine über mehrere Jahre gehegte Idee für eine Ausstellung im Museumshof jetzt in die Tat umgesetzt hat. Unter dem Motto „Kitsch oder Kunst“ sollen die Besucher selbst entscheiden, in welche Schublade sie die so genannten Schlafzimmerbilder aus den ersten 30 Jahren des 20. Jahrhunderts einsortieren würden.

„Wer damals etwas auf sich hielt, kaufte sich so ein Bild für das Schlafzimmer. Solche Bilder waren auch ein typisches Hochzeitsgeschenk“, weiß Elfriede Hahn zu berichten. Die Bilder hatten zumeist religiöse Inhalte, sehr oft wurde Jesus abgebildet, etwa auf dem Ölberg oder mit seinen Jüngern in einem Kornfeld. Auch lassen sich Engel und Elfen oder liebevolle Mutter-Kind-Szenen darauf entdecken. Mitunter gab es auch mal eine Naturlandschaft. Weil die Häuser auf dem Lande früher eine geringere Raumhöhe hatten passten sich die Bild-Formate entsprechend an: schmal und breit. Der Volksmund nannte sie deshalb auch Handtuchbilder.

Brigitte Stuhl aus Niederwetter, die Elfriede Hahn bei der Gestaltung der Ausstellung zur Hand geht, weiß, dass sich viele Menschen noch daran erinnern können, dass es so ein Bild bei ihren Großeltern oder auch bei ihren Eltern im Haushalt auch einmal gegeben hat. „Von daher werden sich sicher viele an ihre Kindheit erinnern, wenn sie die Bilder hier sehen“, sagt Brigitte Stuhl.

Wollten die stolzen Besitzer, Arbeiter, Landwirte und Beamte seinerzeit zeigen, dass auch sie einen Sinn für Kunst haben, gab es auch eine öffentliche Kritik, die diese Bilder als Kitsch herabwürdigten. In der Nazi-Zeit war es dann mit dieser Kunst sowieso vorbei, so dass auch viele Bilder von der Bildfläche verschwanden. Andere lagerten auf Dachböden und werden heute als Schätze vergangener Zeiten wieder stolz aufgehängt oder wenigstens weiter aufgehoben. Im Museumshof sind drei Zimmer mit diesen Bildern ausgestattet worden. Das eine oder andere Bild ist noch von „Ausleihern“ zugesagt. Elfriede Hahn musste die Bilder alle zusammen sammeln, sie selbst besitzt keines.

Die Ausstellung ist mindestens bis zu den Sommerferien an den normalen Museumsöffnungstagen, also samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr zu sehen. Und natürlich nach Vereinbarung unter Telefon 06423/2345.

von Götz Schaub

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