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Stadt lehnt Windvorrangfläche bei Mellnau ab

Parlament Wetter Stadt lehnt Windvorrangfläche bei Mellnau ab

Die Stadt Wetter sieht die vorgesehenen Windkraftvorrangflächen im Nordkreis differenziert: Sie sagt deutlich Ja zum Wollenberg, hat nichts gegen einen Standort nordwestlich von Treisbach, sieht aber Konfliktstoff bei Mellnau.

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Für Windräder oberhalb von Todenhausen, wie in dieser Montage, sieht die Stadt Wetter keine ausreichende Wirtschaftlichkeit, aber reichlich Konfliktstoff.Montage: Lothar Feisel

Wetter. Einstimmig und ohne Diskussion gab die Stadtverordnetenversammlung grünes Licht für die vom Magistrat vorgeschlagenen Einwendungen zum derzeit öffentlich ausgelegten Teilregionalplan Energie.

Drei dieser Stellungnahmen zum vom Regierungspräsidium Gießen vorgelegten Plan beziehen sich auf die Windkraft. Bei der Vorrangfläche im Wollenberg, die die Stadt gemeinsam mit der Nachbargemeinde Lahntal und den Stadtwerken Marburg entwickeln will, wird moniert, dass ein Anlagenstandort aus der Planung herausgefallen ist, der zuvor schon mit der Oberen Naturschutzbehörde abgestimmt gewesen sei. Dieser Standort auf einer Windwurffläche nahe Kernbach und Brungershausen solle entsprechend wieder in die Vorrangfläche aufgenommen werden.

Zur Vorrangfläche zwischen Engelbach und Oberasphe, die auf dem Gebiet der Nachbarkommunen Münchhausen und Biedenkopf liegt, hält die Stadt Wetter eine Überprüfung der naturschutzfachlichen Situation für notwendig. Dies leitet man aus den eigenen Erfahrungen beim Standort Wollenberg ab. Aus Sicht des Treisbacher Ortsbeirats und der beteiligten Grundeigentümer bestünden hingegen keine Bedenken gegen den Windkraftstandort.

Kritischer sieht die Stadt die schon bestehende Vorrangfläche zwischen Todenhausen und Mellnau. Hier gebe es, nicht zuletzt wegen der aktiven Bürgerinitiative (BI) Windkraft Wetter, erhebliche Bedenken - wegen sehr hohem Konfliktpotenzial und geringer Akzeptanz in der Bevölkerung.

Der Magistrat sehe an diesem Standort die Wirtschaftlichkeit nicht gegeben, da die Zuleitung zum nächstgelegenen Umspannwerk in Lahntal unter anderem eine Kreuzung des FFH-Gebiets Wetschaftsaue erfordere. Außerdem zweifelt die Stadt das zugrundelgelegte Windgutachten an, das von einer Windgeschwindigkeit von über 5,75 Metern pro Sekunde ausgeht und weist auf nicht ausreichend widerlegte Naturschutz-Bedenken hin.

Neben der landschaftsprägenden Stellung der Burg Mellnau, die durch Windkraftanlagen an dieser Stelle beeinträchtigt würden sei auch der Schutz der Menschen dort nicht ausreichend berücksichtigt, so Bürgermeister Kai-Uwe Spanka zur Begründung.

Die vom Stadtparlament beschlossene Veränderungssperre auf den dort gültigen Flächennutzungs- und Bebauungsplan der Stadt wurde in der Sitzung am Dienstagabend um ein weiteres Jahr, bis Mitte 2014, verlängert. Auf Nachfrage der Bürgerinitiative verneinte Spanka, „dass die Aufstellung des Bebauungsplans für einen Windpark Todenhausen-Mellnau maßgeblich durch den“ - an diesem Standort interessierten - „Investor Eno durchgeführt wird“. Als Kommune wolle man die Planung selbst bestimmen, und tue dies nicht gemeinsam mit einem interessierten Investor, so Spanka.

Marc Böttcher von der Bürgerinitiative Windkraft Wetter freute sich über die Stellungnahme der Stadt, „die in unsere Richtung wirkt“. Er wies zugleich darauf hin, dass nicht nur die Kommune, sondern jeder Bürger noch bis zum 4. April Einwendungen zum Teilregionalplan einreichen könne. Er verwies dazu auf die Stellungnahme der BI, die auch auf der Homepage www.bi-windkraft-wetter.de nachzulesen sei.

Auch zu den im Teilregionalplan behandelten Thema Biomasse hat die Stadt Einwendungen formuliert. Sie fordert die Herausnahme von „Suchräumen für Biogasanlagen“. Diese bezögen sich auf Großanlagen mit mehr als 2 Megawatt Feuerungswärmeleistung. Da es bereits zwei große Anlagen bei Mellnau und Sterzhausen gebe, lehnt man die Errichtung weiterer Großanlagen ab.

Eine weitere Einwendung dr Stadt Wetter richtet sich gegen Vorzugsflächen für Bioenergiepflanzen, etwa schnell wachsende Holzarten, auf wertvollen Grünflächen. Solche sogenannten Kurzumtriebsplantagen, so die Forderung, sollten auf Ackerflächen begrenzt werden. Die Ausweisung von Potenzialflächen für Fotovoltaik sieht die Stadt hingegen als unproblematisch.

von Michael Agricola

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