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Solidarität mit Klimawandel-Opfern

Kommunale Klimapartnerschaften Solidarität mit Klimawandel-Opfern

Nachdem die von Bürgermeister Volker Carle angeregte Klimapartnerschaft der Gemeinde Cölbe mit dem Ort Dhye in Nepal von Cölber Seite politisch abgelehnt worden war, gründete sich Mitte November ein Verein.

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Sabine Altmann (von links) Regine Hassenpflug und David Schneider bilden den Vorstand des Vereins Cölbe – Dhye. Das Foto zeigt die Landschaft rund um das aufgegebene ursprüngliche Dorf Dhye im Distrikt Mustang in Nepal.

Quelle: Götz Schaub

Cölbe. Regine Hassenpflug nahm im Sommer am „International Kick-Off-Workshop“ der fünften Phase des Projektes „50 Kommunale Klimapartnerschaften bis 2015“ auf den Philippinen teil. Dort sollte die Cölber Delegation ihre Partner aus dem nepalesischen Dhye kennenlernen.

Der Tripp war ein gewagter Vorgriff auf eine noch ausstehende­ Entscheidung des Cölber Gemeindeparlaments, doch wollte man dort nicht fehlen. Allein der Einsatz war zunächst vergebens, weil sich politisch keine Mehrheit dafür finden ließ (die OP ­berichtete). Nun fanden sich auf privater Ebene Menschen aus Cölbe zusammen, um die geknüpften Kontakte als Verein zu vertiefen. Keinesfalls nicht mehr als Teilnehmer des eigentlichen Projekts.

„Die ganzen Fördermittel sind so für uns natürlich nicht abrufbar“, sagt Regine­ Hassenpflug, die sich in der Gründungsversammlung zur stellvertretenden Vorsitzenden wählen ließ. Sie war schon überrascht und sicher auch etwas enttäuscht, dass sich das Projekt politisch nicht durchsetzen ließ. Doch damit war es nicht aus ­ihrem Kopf verschwunden und auch nicht aus den Köpfen anderer Cölber.

Sabine Altmann, Vorsitzende des Vereins, sagt: „Gleich nach der Ablehnung im Parlament hatten wir die Idee, einen Verein zu gründen, um die Menschen in Dhye nicht im Stich zu lassen.“ Auch der ehemalige Cölber, Wolfgang Korn, ein ausgewiesener Nepal-Kenner, war im Ort Dhye im ­Distrikt Mustang und weiß, um was es dort geht: um das direkte Erleben des Klimawandels.

Der Ort lag bisher 3900 Meter hoch und bot 140 Menschen ein Zuhause. Diese erlangten schon 2010 eine Aufmerksamkeit als erste nepalesische „Klimawandel-Flüchtlinge“. In früheren Zeiten sorgte die langsame Schneeschmelze im Sommer dafür, dass der Ort immer über ausreichend Wasser verfügte. Doch damit war es plötzlich vorbei.

Am Mittwoch wird ein Film über Dhye gezeigt

Die Temperaturen steigen jetzt früher im Jahr, der Schnee schmilzt schneller und bietet so kein Wasser mehr für die Felder. Im Gegenteil, die Schneeschmelze und Regen, der früher als Schnee fiel, reißen die fruchtbare Erde der Felder mit in das Tal, ehe dann die Trockenheit kommt.

Für die Menschen in Dhye gibt es keine andere Möglichkeit mehr, als das Dorf aufzugeben und 500 Höhenmeter tiefer noch einmal neu anzufangen. Sie haben dem veränderten Klima nichts mehr entgegenzusetzen. Bei ihrem Neuanfang erhalten sie auch Hilfe von einer französischen Patenschaftsinitiative unter Beteiligung des hiesigen Obstbaufachberaters Dr. Norbert Clement. So wurde dort eine Apfelbaumplantage mit bis zu 10000 Bäumen angelegt.

Mit der Vermarktung der Äpfel wollen die Menschen jetzt ihren Lebensunterhalt verdienen. „Die Menschen dort sind motiviert und gerade die junge Generation unter 30 will etwas bewegen“, sagt Sabine Altmann. Ein Beispiel, wo sich der neue Verein Cölbe - Dhye einbringen kann, ist die Unterstützung eines jungen Mannes, der sich zum Elektrotechniker ausbilden lassen will, um dann mit seinem neuen Wissen und Können den Menschen in Dhye zu helfen und sein Know-how überdies in der Region als Dienstleistung anzubieten. So könnte dort auch das Thema erneuerbare Energien besetzt werden.

"Wir stehen trotzdem mit in der Verantwortung"

„Das Beispiel dieses Dorfes zeigt, dass Klimawandel stattfindet, auch wenn es die Menschen in Europa noch nicht so stark betrifft. Wir stehen trotzdem mit in der Verantwortung, deshalb ist es wichtig, auch darauf aufmerksam zu machen“, sagt Altmann.

Cölbes Bürgermeister Volker Carle, der auch Nepal schon besucht hat, ist wie Wolfgang Korn Gründungsmitglied. Gründungsmitglieder sind auch Jannis Gerling und David Schneider vom Verein „Junge Entwicklung Fördern“ (JEF ), dem Träger der Kinder- und Jugendarbeit in Cölbe. Schneider hat dabei auch das Amt des Kassenwarts übernommen.

nAm Mittwoch, 7. Dezember, kommt der Berliner Visuelle Anthropologe und Filmemacher Fidel Devkota nach Schönstadt, um dort allen Interessierten seinen Film „Wandel in Dhye“ zu zeigen. Für Speisen und Getränke wird gesorgt sein. Der Filmemacher steht auch für Gespräche zur Verfügung. Devkota bildete übrigens mit Regine Hassenpflug im Sommer die Cölber Delegation auf den Philippinen.

von Götz Schaub

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