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So hilft Ihnen der Klimaschutzmanager im Nordkreis

Erneuerbare Energien So hilft Ihnen der Klimaschutzmanager im Nordkreis

Damit die Energiewende gelingen kann, braucht es viele Akteure und zunächst auch viele Informationen. In Cölbe, Lahntal und Wetter versucht sich in den kommenden Jahren Michael Meinel an dieser Herkulesaufgabe.

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In Sachen erneuerbare Energie beackert Michael Meinel viele Felder im Nordkreis.

Quelle: Thorsten Richter

Cölbe. Michael Meinel will den Bürgern der drei Kommunen auf allen Kanälen - im persönlichen Gespräch, am Telefon, per Mail oder über das Internet - den Zugang zu diesem breiten Themenspektrum ermöglichen und Informationen liefern, mit denen sie auch etwas anfangen können. In erster Linie ist der 54-Jährige Ansprechpartner für die Bürger in den drei Kommunen. Er gibt allgemeine Informationen zu Energieeffizienz, zu geeigneten Einsparvorhaben oder Erstberatungen, wenn man plant, selbst Energie zu erzeugen oder durch Dämmungen Energie einzusparen.

Der Klimaschutzmanager sieht sich dabei auch nicht in Konkurrenz zu den heimischen Handwerksbetrieben. Im Gegenteil: Auf Wunsch kommt er zu einem interessierten Bürger nach Hause, „um zu verstehen, was sein Anliegen ist“ und gibt Tipps, an wen dieser sich wenden kann, wenn sich sein Vorhaben konkretisiert. Dabei kann es um Fragen der Dämmung, einer Fotovoltaikanlage der neuen Heizung oder die Möglichkeit des Anschlusses an ein Nahwärmenetz gehen.

Zweites wichtiges Aufgabenfeld ist die Beratung der beteiligten Kommunen bei der Modernisierung ihrer Liegenschaften wie Verwaltungsgebäude oder Bürgerhäuser. Bei der Erarbeitung des Klimaschutzkonzeptes wurden dazu bereits unter seiner Beteiligung für öffentliche Gebäude Energiepässe erstellt, die Auskunft über geeignete Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz geben.

Diskussion über Strompreis nicht immer korrekt geführt

Doch es gibt noch einen dritten Punkt, der Meinel in seiner Arbeit wichtig ist. „Ich sehe es auch als Aufgabe, auf Fragen einzugehen, die die Bürger aktuell bewegen, sagt Meinel und verweist zum Beispiel auf die jüngsten öffentlichen Veranstaltungen zur Frage „Was treibt den Strompreis?“ (die OP berichtete). Nicht alles, was etwa in der Diskussion um das EEG-Gesetz und die Umlage für die Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Energien vorgebracht werde, sei so korrekt.

Im Fall der Strompreise erkennt Meinel durchaus an, dass die Preissteigerungen gerade im ländlichen Raum auch ein soziales Problem darstellen. Die Steigerungen beim Strom seien auch erheblich, schlügen allerdings im Vergleich zu den Wärme- und Mobilitätskosten längst nicht so stark durch, rechnet er vor.

Innerhalb der vergangenen zehn Jahre sei der Preis für 3000 Liter Heizöl, eine Menge, wie sie viele Haushalte in älteren Häusern pro Jahr verbrauchten, von 1050 auf 2800 Euro (jeweils Preise im November) gestiegen. Beim Tanken (Super von 1,02 auf 1,65 Euro pro Liter, bei Diesel von 0,83 auf 1,48 Euro) gebe es ebenfalls heftige Anstiege, die natürlich in der Gesamtsumme von der Menge der gefahrenen Kilometer abhängen. Beim öffentlichen Nahverkehr sind jährliche Steigerungen von drei bis fünf Prozent an der Tagesordnung.

Beim Strom hingegen liege für den Durchschnittshaushalt mit einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden im Jahr die Teuerung von 2002 bis 2012 bei rund 320 Euro. Die EEG-Umlage mache von diesem Betrag laut Meinel 120 Euro aus. Absolut gesehen ist der Strompreis im Jahr von aktuell (November 2012) etwa 890 Euro im Jahr (kWh-Preis von 25,20 Cent) im Vergleich zu etwa 563 Euro vor zehn Jahren nicht der größte Posten bei den Ausgaben der Haushalte für Energie. Nach der Intensität der öffentlichen Diskussionen scheine es aber oftmals so zu sein. Auch das vielzitierte „Mitnehmen“ der Bürger bei der Energiewende steht für Michael Meinel auf der Agenda.

Wer den Wandel vor Ort gestalten wolle, egal, ob es um Nahwärmenetze unter Nachbarn oder in Wohnvierteln gehe oder um Investitionsmöglichkeiten in Anlagen nach dem Vorbild des Solarackers in Cölbe, jeder, Privatmann oder Gewerbetreibender, sei herzlich eingeladen, diese Prozesse mit zu initiieren oder zu begleiten.

Zur Person: Michael Meinel

Michael Meinel wurde in Frankfurt geboren und lebt seit 32 Jahren im Kreis. Der studierte Agrarwissenschaftler (angewandte Biologie und Umweltsicherung) war bis 2010 Geschäftsführer eines Versandhandels für Naturschuhe und -textilien, seit 2003 auch selbständiger Berater für Energiekonzepte. Seit 2005 ist er Organisator der Solarmesse des Nordkreises. Zuletzt erwarb er an der Technischen Hochschule Mittelhessen die Qualifikation als kommunaler Energieprojektberater. Meinel engagierte sich schon als Beigeordneter im Lahntaler Gemeindevorstand für die Themen Klimaschutz und Energiewende. Er sitzt für die Grünen im Kreistag.

Die Arbeit des Klimaschutzmanagers im Nordkreis

Die Gemeinden Cölbe, Lahntal und Münchhausen sowie die Stadt Wetter erstellten in den Jahren 2010 und 2011 unter dem Titel „KlimaX - Synergien im Klimaschutz maximal nutzen“ ein vom Bund gefördertes gemeinsames Klimaschutzkonzept. Zur Begleitung der Umsetzung dieses Konzeptes bestand die Möglichkeit, gemeinsam die Stelle eines Klimaschutzmanagers zu schaffen, die in den ersten drei Jahren fast ausschließlich vom Bund bezahlt wird. Der Eigenanteil der drei Gemeinden beträgt jeweils rund 140 Euro im Monat. Da die Gemeinde Münchhausen diesen Schritt letztlich nicht mitgehen wollte, ist die Stelle nun als Dreiviertel-Stelle für die drei übrigen Kommunen ausgelegt. Nachdem der Vertrag mit der ersten Stelleninhaberin nach wenigen Monaten einvernehmlich aufgelöst wurde, übernahm der bisherige Beigeordnete der Gemeinde Lahntal den Job.

Zu den Aufgaben des Klimaschutzmanagers im Nordkreis gehören die Beratung von Privatleuten, Gewerbetreibenden und der beteiligten Kommunen, über die Chancen der Nutzung erneuerbarer Energien, aber auch der Möglichkeiten, durch effiziente Nutzung von Energie oder die Dämmung von Räumen, Geld zu sparen.

4 Fragen, 4 Antworten:

OP: Sie sind jetzt seit einem Vierteljahr Klimamanager von Cölbe, Lahntal und Wetter. Was sind die Hauptbeweggründe, aus denen die Menschen zu ihnen kommen?
Meinel: Sie bilden die ganze Vielfalt der Thematik ab: Energie einsparen, effizient nutzen und erneuerbare Energien einsetzen. Oft ist der Anlass natürlich eine gerade aktuelle Aktion, zuletzt der Heizungspumpenaustausch, jetzt die Wärmebildaufnahmen.

OP: Und wie lässt sich der Nutzen einer solchen Beraterstelle konkret messen? Was bringt so ein Klimaschutzmanager an Wertschöpfung für die Region?
Meinel: Ich nenne ein Beispiel: Rund 400 Förderanträge sind aus der von mir begleiteten Pumpentauschaktion hervorgegangen, mit denen bis zu 800 Hocheffizienzpumpen in Cölbe, Lahntal und Wetter gefördert werden können. Damit kann ein Investitionsvolumen von vorsichtig geschätzt rund 200 000 Euro ausgelöst und eine Stromeinsparung von etwa 150 000 Kilowattstunden und etwa 100 000 Kilogramm CO2 erreicht werden.

OP: Die steigenden Preise für Energie sind in aller Munde. Wie können die Bürger bei diesen Themen denn ohne großen Aufwand Geld sparen?
Meinel: Beim Strom könnte der Einbau einer effizienten Heizungspumpe die prognostizierten Strommehrkosten von 60 Euro pro Jahr auffangen. Mehr als das lässt sich aber bei vielen Menschen über einen Stromanbieterwechsel sparen. Etwa 40 Prozent der Haushalte haben noch nie ihren Stromanbieter gewechselt. Gerade für diese ist es wichtig, sich umzuschauen, ob sie wirklich noch den bestmöglichen Stromtarif haben und was die anderen bieten. Der Vergleich der Tarife ist durch das Internet heute relativ problemlos möglich, genauso wie der Wechsel des Stromanbieters.

OP: Wie sieht das Sparpotenzial bei den großen Kostenfaktoren Wärme und Mobilität aus?
Meinel: Hier liegt ein Vielfaches an Einsparpotenzial, das aber deutlich schwieriger ohne einen großen Aufwand nutzbar zu machen ist. Auch wenn der öffentliche Nahverkehr für manchen Berufstätigen eine Alternative zum Auto wäre, ist die Benutzung von Bussen und Bahnen zwar umweltschonender, aber nicht unbedingt billiger. 
Das größte Potenzial hat die Wärmeversorgung und auch die größte Kostensteigerung, für einen Durchschnittshaushalt Mehrkosten von durchschnittlich rund 200 Euro jedes Jahr. Sich mit Wärmedämmung und alternativen Heizsystemen unabhängig von den Preissteigerungen bei Öl und Gas zu machen, rechnet sich, braucht aber erhebliche Investitionen. Hier helfen Förderprogramme.     

Energiebeiräte bieten die Chance, mitzugestalten

Das Klimaschutzkonzept der Nordkreiskommunen sieht dafür die bereits angelaufenen „Energiestammtische“ vor, aus denen sich auch die Mitglieder der Energiebeiräte speisen sollen, die jeweils in den drei Kommunen mitgestalten sollen. Dieses Gremium ist offen für jeden. Michael Meinel bietet in allen drei Kommunen wöchentliche Sprechzeiten an und ist per Anrufweiterschaltung in der Regel täglich zu erreichen.

  • Kontakt: Telefon 06421/985035 (wird weitergeschaltet), Fax: 985028, E-Mail
  • Die Sprechzeiten vor Ort: Mittwoch 9 bis 12 Uhr im Rathaus Cölbe (Zimmer 5); Donnerstag 9 bis 12 Uhr im Rathaus Wetter (Zimmer 23); Freitag 9 bis 12 Uhr in der Gemeindeverwaltung Lahntal (Zimmer 2). Nachmittagstermine nach Vereinbarung.

von Michael Agricola

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