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Selbstbewusstsein auf die Straße bringen

1. Mai Selbstbewusstsein auf die Straße bringen

„Die Zukunft der Arbeit gestalten wir“ - das ist das Motto der Gewerkschaftsaktivitäten rund um den Tag der Arbeit. Zu Gast in Marburg ist ein hochkarätiger Politiker mit Bezug zur Universitätsstadt.

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Auch im vergangenen Jahr beteiligten sich zahlreiche Menschen an der Kundgebung zum Tag der Arbeit in Marburg.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Bodo Ramelow, seit Dezember erster Ministerpräsident der Partei „Die Linke“ und früher Gewerkschaftssekretär in Marburg, ist der prominente Hauptredner bei der traditionellen Kundgebung, die gegen 12.30 Uhr auf dem Elisabeth-Blochmann-Platz beginnt.

Dort sprechen darüber hinaus Marburgs Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) und Vertreter der derzeit in Tarifverhandlungen und Arbeitskämpfen befindlichen Gewerkschaften, zum Beispiel aus den Reihen der Erzieher und Mitarbeiter der Sozialdienste im kommunalen Dienst. Für die Livemusik bei der Maikundgebung und der anschließenden Maifeier auf dem Blochmannplatz sorgt die Gruppe „Shake Hands“.

Trotzige Slogans

Bodo Ramelow schließt sich nach Angaben von Gewerkschaftssekretär Ulf Immelt bereits dem Demonstrationszug an, der am Freitag um 11 Uhr am Gewerkschaftshaus in der Marburger Bahnhofstraße seinen Anfang nimmt. Dann geht es durch die Oberstadt zum Marktplatz, wo der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow (CDU), Mitglied im Landesvorstand des Arbeitnehmerflügels CDA seiner Partei, zu den Teilnehmern spricht.

„,Auf die Straße! Die Zukunft der Arbeit gestalten!‘ oder ,Die Zukunft der Arbeit gestalten wir‘ - das sind schon etwas trotzige Slogans, mit denen wir in den 1. Mai gehen“, sagt DGB-Kreisvorsitzender Pit Metz. Vielleicht seien sie derzeit auch „mehr Wunsch als Abbild der Realität“, aber die Gewerkschaften wollten damit zeigen, dass sie selbstbewusst eine Umkehr in der Arbeitsmarktpolitik erzwingen wollen.

Ernüchterndes Ergebnis

In den vergangenen 20 Jahren sei es in der Arbeitsmarktpolitik immer nur nach den Wünschen der Arbeitgeber gegangen, nach dem Motto „Hauptsache Arbeit - egal wie“. Das Ergebnis sei ernüchternd, so Ulf Immelt: „Durch die sogenannten Arbeitsmarktreformen wurden Normalarbeitsverhältnisse in großem Umfang durch Leiharbeit, Minijobs und andere Formen von prekären Arbeitsverhältnissen ersetzt.“ Ein Viertel der Arbeitnehmer arbeite heute in prekären Beschäftigungsverhältnissen, vielen reichte trotz Vollzeitjob das Geld nicht zum Leben, sie müssten „aufstocken“.

Die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns zum Jahreswechsel war aus DGB-Sicht insofern der erste durchgreifende Erfolg, wenn auch nur „ein erster richtiger und wichtiger Schritt“ (Pit Metz), um die Fehler aus der Vergangenheit zu korrigieren. „In der Vergangenheit wurden die Rahmenbedingungen in der Arbeitswelt von der Politik im Interesse der Unternehmerverbände ausgestaltet. Jetzt sind wir dran. Die Zukunft der Arbeit gestalten wir“, so Metz kämpferisch.

Damit das gelingt, müsse man diesen Druck der Arbeitnehmer allerdings auch auf der Straße sehen. Und darauf hofft der DGB auch an diesem Feiertag, dem Tag der Arbeit. Die Mitgliedszahlen im Kreisverband seien mit gut 20000 stabil, die Arbeit von Gewerkschaften werde inzwischen wieder deutlich mehr geschätzt als noch vor ein paar Jahren.

Auch Erzieher sollen zu Wort kommen

Aber die Macht der Gewerkschaften zeige sich eben auch an den Teilnehmerzahlen am 1. Mai. Und nicht nur da, weiß Immelt: „Das Einzige, was die Arbeitgeber wirklich beeindruckt, ist, wie viele Menschen auf die Straße gehen und wie viele Kollegen streiken.“ Alle guten Argumente der Gewerkschaften seien in Verhandlungen mit Arbeitgebern nicht so ein „Wachmacher“ wie sichtbare Streiksignale der Beschäftigten.

Aus diesem Grund werden bei der Maikundgebung gerade auch die zu Wort kommen, die momentan mit Warnstreiks in den Kindertagesstätten und in sozialen Diensten eine Neubewertung ihrer Arbeit und die Anpassung der Löhne an die gestiegenen Berufsanforderungen erreichen wollen.

Die DGB-Senioren und der DGB-Kreisverband laden traditionell schon am Vorabend des 1. Mai zu einer Feier ein. Die wird in diesem Jahr einen besonderen kulturellen Rahmen haben. Zwar gibt es Redebeiträge, unter anderem vom GEW-Vertreter Ralf Schrader. Im Mittelpunkt steht aber der Auftritt des Chores Politöne, der unter dem Titel „Nie wieder – Lieder zum Erinnern, für eine solidarische Welt“, nachdenkliche und inspirierende Lieder vortragen wird. Die Vormai-Feier findet am Donnerstag um 18 Uhr in der Neuen Aula der Blindenstudienanstalt (Blista), Am Schlag 2 in Marburg statt. Für Getränke und Laugengebäck ist gesorgt.

von Michael Agricola

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