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Schönstädter sind mit Strom unterwegs

Car-Sharing Schönstädter sind mit Strom unterwegs

Das Carsharing-Projekt Schönstadts könnte ein Modell für weitere Dörfer werden, um die Mobilität auf dem Lande umweltfreundlich und erschwinglich zu halten - und speziell auch für Seniorenzu sichern.

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Initiatoren des Vereins, Vertreter der Politik und Sponsoren mit den beiden Elektroautos vor der Tanksäule am Bürgerhaus in Schönstadt.Fotos: Manfred Schubert

Quelle: Manfred Schubert

Schönstadt. Schönstadt hat erfolgreich das deutschlandweit größte über eine Bürgergenossenschaft betriebene Nahwärmenetz errichtet. Nach „schöner“, sprich umweltfreundlicher warm, ist das Dorf jetzt auch noch „schöner-mobil“ geworden.

Am Samstag fand die Einweihung des Elektro-Carsharing statt. Dank des Einsatzes einiger Schönstädter, denen es gelang, weitere Mitbürger, Politiker der Gemeinde sowie Sponsoren von ihrem Vorhaben zu überzeugen, konnte das nichtkommerzielle Projekt verwirklicht werden.

So konnte auch die größte Hürde, die Anfangsinvestitionen für die Elektrofahrzeuge und die Ladesäule, durch die erfolgreiche Beantragung von Fördermitteln aus dem Leader-Programm der Europäischen Union überwunden werden.

Landrat Robert Fischbach hatte im November dem Träger des Projekts „Gemeinsam unterwegs - Verein zur nachhaltigen Entwicklung Schönstadt“, der sich Ende Juni 2013 gegründet hatte, den Bewilligungsbescheid überreicht. Die Kosten fast aller Anschaffungen des Carsharing-Projekts werden mit 50 Prozent bezuschusst.

Seit dem 28. März stehen zwei Renault Zoe vor der Ladesäule am Bürgerhaus für ihre Nutzer bereit. Seither seien diese über 100-mal gebucht worden, also jedes Auto rund zweimal pro Tag, berichtete Herwig Hahn, stellvertretender Vorsitzender von „Gemeinsam unterwegs“ den etwa 40 Zuhörern. Das angestrebte Minimum sei somit schon erreicht.

Ergänzt wird das Fahrzeugangebot am Wochenende durch den ebenfalls elektrisch betriebenen Renault Kangoo ZE der Gemeinde Cölbe, der größere Transportkapazität bietet. Bei der Gemeinde können insbesondere Senioren telefonisch die Fahrzeuge buchen, zusätzlich zur Buchungsmöglichkeit per Internet.

Jeder, der bucht, kann auch eine Mitfahrgelegenheit anbieten und so helfen, die Zahl der Fahrten insgesamt zu reduzieren. Ein Blick auf die Buchungsplattform unter www.schoenstadt.mobilesdorf.de zeigt, dass dies häufig geschieht.

Geplant sei auch, erklärte Hahn, dass Menschen, die nicht selbst fahren können oder wollen, einen Fahrer anfragen können. Dafür suche man noch ehrenamtliche Fahrer. Auch sollen noch Elektrofahrräder, darunter ein Lastenfahrrad, angeschafft werden, um noch flexiblere und dazu gesundheitsfördernde Mobilität zu ermöglichen.

Ortsvorsteher Hannes Weber gab zu, er sei skeptisch gewesen, als Pfarrer Michael Fröhlich, der Umweltbeauftragte des Kirchenkreises Kirchhain, Ende 2012 mit der Idee kam, nichtkommerzielles Carsharing mit Elektroautos in Schönstadt auszuprobieren. Trotzdem habe er mitgemacht. „Den meisten Menschen ist noch nicht klar, wie weit der Klimawandel schon fortgeschritten ist“, wies Weber auf ein wesentliches Ziel des Projektes hin, durch Minimierung des CO2-Ausstoßes zum Klimaschutz beizutragen. „Wir brauchen noch mehr Unterstützer in diesem Verein, auch für weitere Projekte“, betonte er. Falls die Klimakatastrophe eintrete, wolle man zumindest sagen können, dass man getan habe, was möglich war.

Michael Meinel, Klimaschutzmanager im Nordkreis, stimmte zu. Es sei wichtig, eine nachhaltige Mobilität zu schaffen. Stefan Schulte, Manager der Region Burgwald-Ederbergland, über die und den Landkreis die Leader-Fördermittel beantragt wurden, ergänzte, dass jetzt das Projekt „Flinc“ in der Region anlaufe, um mit den modernen Kommunikationsmöglichkeiten Fahrgemeinschaften zu bilden.

Die Kreisbeigeordnete Angelika Löber (SPD) betonte, dass dieses Projekt, Carsharing im ländlichen Raum mit Elektromobilen und von den Stadtwerken Marburg gesponsertem Ökostrom, ein Modell für andere Gemeinden werden könne. Daher wolle der Landkreis es begleiten, dessen Ziel sei, bis 2050 den Energiebedarf für Mobilität um 70 Prozent zu senken. Uwe Helfert vom Gemeindevorstand unterstrich, dass nachhaltige Entwicklung in Cölbe einen hohen Stellenwert habe, bei dem beispielgebenden Projekt in Schönstadt sei auch das soziale Miteinander ein wichtiger Aspekt. Die Vorsitzende Regine Hassenpflug warb ebenfalls um neue Mitstreiter für den Verein „Gemeinsam unterwegs“.

von Manfred Schubert

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