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Schönstadt will gemeinsam mobil sein

Carsharing-Konzept Schönstadt will gemeinsam mobil sein

Seit Januar gibt es im Bioenergiedorf Schönstadt eine Projektgruppe, die das Zukunftthema Verkehr anpacken will. Geplant ist ein Carsharing-Projekt für das Dorf, das ausschließlich auf Elektrofahrzeugen beruht.

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Wollen das Bioenergiedorf Schönstadt elektromobil machen (von links): Marco Hofmann, Pfarrer Michael Fröhlich, Bürgermeister Volker Carle, die stellvertretende Ortsvorsteherin und Projektmitarbeiterin Barbara Fiebiger, Gerhard Petri, Ortsvorsteher Hannes Weber, Herwig Hahn und Regionalmanager Stefan Schulte.

Quelle: Martina Koelschtzky

Schönstadt. „Vielleicht sind wir ein bisschen früh dran, aber einer muss ja anfangen“, sagt Schönstadts Ortsvorsteher Hannes Weber. Nach der Nahwärmegenossenschaft, die 290 Haushalte mit erneuerbarer Energie beheizt, wollen die Schönstädter nun den Verkehr angehen.

Die Idee für die Projektgruppe „Elektromobil teilen“stammt von Pfarrer Michael Fröhlich, Dorfpfarrer und Umweltbeauftragter im Kirchenkreis Kirchhain. Der hatte sich überlegt, dass mit einem ehrenamtlichen Carsharing-Projekt die heute noch bestehenden Nachteile von Elektrofahrzeugen - hoher Anschaffungspreis und geringe Reichweite - gemeinsam aufgefangen werden können. Und alle können gemeinsam die Vorteile nutzen: Geringer Verschleiß und geringer Verbrauch, der noch dazu von vor Ort hergestelltem Strom aus erneuerbaren Energien bestritten werden kann.

Die Idee begeisterte sofort ein gutes Dutzend Schönstädter. Mehrere Elektroautos und auch Elektrofahrräder sollen angeschafft und im Ort verteilt stationiert werden. Eine Elektrotankstelle soll am Bürgerhaus entstehen. Die Elektrofahrräder sind besonders Projektkoordinator Hannes Weber wichtig. „Sie lohnen sich zwar im Verleih finanziell nicht, aber ich denke, wir können mit der Ausleihmöglichkeit viele Leute von den Vorzügen überzeugen und sie schaffen sich selbst eins an“, hofft er.

Auch Regionalmanager Stefan Schulte von der Region Burgwald-Ederbergland war sofort von der Idee überzeugt. „Auch das Nachbar-Bionenergiedorf Oberrosphe hat sich an ein Verkehrskonzept gemacht, in Rosenthal gibt es Ansätze, die Zeit ist reif“, sagt er. Er arbeitet an einer Förderung als Leader-Projekt der EU und steuerte einen weiteren wichtigen Baustein für das Projekt bei - indem er einen Tramper im Auto mitnahm, dem er von dem Projekt erzählte.

Der Mitfahrer, der Geograf Marco Hofmann, war von der Idee fasziniert und machte sie zum Thema seiner Examensarbeit. Und so recherchierte er über andere Carsharing-Projekte in Dörfern und über Elektromobilität und entwickelte einen Fragebogen, mit dem gegenwärtig der Bedarf und die Bedürfnisse der Schönstädter abgefragt werden. „Das ist für uns unschätzbar, die Aufarbeitung anderer Carsharing-Modelle und die Umfrage hätten wir als Ehrenamtliche nicht leisten können“, freut sich Herwig Hahn von der Projektgruppe.

Mit im Boot ist auch die Gemeinde Cölbe, deren Bürgermeister Volker Carle (parteilos) das Projekt „voll unterstützt“. Die Gemeinde wird auch ihre eigenen Fahrzeuge, die ebenfalls auf Elektrobetrieb umgestellt werden sollen, ab Freitag nachmittag über das Wochenende mit in den Carsharing-Pool in Schönstadt einbringen, kündigt er an. „So kann die Nachfrage an den Wochenenden aufgefangen werden“, sagt er. Elektromobilität, am besten mit vor Ort produziertem Strom aus erneuerbaren Energien, sei ein Baustein, um die Wertschöpfung in der Region zu halten, ist er überzeugt.

Finanzierbar soll das durch die ehrenamtliche Organisation und die Förderung durch Gemeinde und Region bleiben. Es soll für jedes Fahrzeug einen Paten aus der Projektgruppe geben, der sich um „sein“ Fahrzeug kümmert, planen die Aktiven. „Für die Nutzer wird es nicht teurer werden als konventionelle Carsharing-Angebote“, ist Pfarrer Fröhlich überzeugt. „Wir denken an ein Vereinskonzept mit einem Grundbeitrag und Verbrauchsanteilen.“ Auch eine soziale Staffelung soll in den Preis einfließen, wünscht er sich.

Dass die Kosten im Rahmen bleiben, dazu will auch das Renault-Autohaus Gnau beitragen. Prokurist Gerhard Petri schlägt ein neues Modell vor, das im Sommer kommen wird und mit einem Anschaffungspreis von rund 20000 Euro im Bereich üblicher Mittelklassewagen liegt.

Wieviele und welche Fahrzeuge es in Schönstadt geben wird, entscheidet sich nach den Ergebnissen der Umfrage. Die Fragebögen liegen in der örtlichen Sparkasse aus und können bis zum 15. April dort oder bei Pfarrer Fröhlich, Ortsvorsteher Weber oder Carola Carius abgegeben werden. Auch im Internet kann man sie unter der Adresse www.schoenstadt.net herunterladen.

von Martina Koelschtzky

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