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Schöne Blüten, ungenießbare Früchte

Auf den Spuren des Holzapfels Schöne Blüten, ungenießbare Früchte

Holzapfel ist in unseren Breitengraden ein recht häufiger Name. In der Gemeinde Münchhausen gibt es im aktuellen Telefonbuch fast 20 verschiedene Einträge zum Nachnamen Holzapfel. Kein übler Nachname, oder?

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Für diese Wanderer war der Baum des Jahres 2013 Grund für einen Ausflug nach Wollmar.

Quelle: Privatfoto

Münchhausen. Woher kommt der Name Holzapfel? Okay, wer so fragt, bekommt eine prompte Antwort: vom Holzapfel. Aber wie wird ein Wildapfel Namensgeber? Nun, darüber schweigt sich selbst das allwissende Internet aus.

Aber halt, fragen wir doch einfach mal einen dieser Holzapfel-Namensträger. Walter Holzapfel aus dem Münchhäuser Ortsteil Niederasphe ist nicht einfach nur ein stolzer Holzapfel-Namensträger, er ist auch Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins Münchhausen. Der bewanderte Hobby-Historiker weiß wirklich verdammt viel, aber tatsächlich nichts zu seiner Namensherkunft.

Es traut sich wohl niemand, es offen auszusprechen - wenigstens eine Vermutung. Also, wir machen das jetzt einfach mal und warten ab, ob uns jemand, eventuell sogar ein Holzapfel höchstpersönlich, widersprechen möchte. Hier unsere Behauptung: Holzapfel wurden früher diejenigen unter uns gerufen, die besonders wilde Gesellen waren, echte harte Kerle, die selbst bei Minustemperaturen nicht so leicht froren, Sturm und Hagel die Stirn boten und mit saurer Miene das Tun anderer beäugten. Von den Frauen ließen sich solche Exemplare freilich nicht so leicht als Familienvater pflücken, äh, gewinnen. Sie mussten erst regelrecht weichgekocht werden, bis auch sie endlich ihrerseits ein paar Gefühle zeigten.

Nun, die Charaktereigenschaften haben wir bei Leibe nicht frei erfunden, sondern einfach übertragen. Übertragen von einem Baum, dem Holzapfel, dem Baum des Jahres 2013. Jetzt mal ehrlich: Wer von Ihnen wusste bereits, dass es überhaupt einen Holzapfelbaum gibt? Schon mal einen gesehen?

Da er nun Baum des Jahres 2013 ist, muss es ihn ja geben. Aber wie vermutet, kommt er nicht mehr wirklich häufig vor. Er gehört zu den im Bestand bedrohten Bäumen. Warum? Weil unsere Vorfahren nach Einführung des uns allen bekannten Apfels aus Asien mit der kleinen sauren im Rohzustand nur schwer genießbaren germanischen Frucht nichts mehr anfangen konnten oder wollten und ihn aus seinem natürlichen Lebensraum zugunsten anderer Pflanzen oder Nutzfelder verbannten. Es gibt sogar Experten, die der Meinung sind, dass die Bäume, die heute als Holzapfel bezeichnet werden, nur noch Nachfahren von verwilderten Apfelbäumen sind, nicht aber mehr die Urform des eigentlichen Holzapfels. Na ja, bevor es jetzt zu kompliziert wird, gehen wir einfach mal davon aus, dass die Bäume, die heute als Holzäpfel anerkannt sind, auch welche sind. Und dies vorausgesetzt, können wir uns sogar erfolgreich auf die Suche nach einem Exemplar machen. Und da kommen die Münchhäuser Holzapfel-Namen wieder ins Spiel. Ausgerechnet dort, wo es so wie eingangs gesagt viele Holzapfel-Familien gibt, gibt es auch den Holzapfelbaum. Grund für die Wild- und Kräuterpädagogin Katja Loida-Freiling eine Wanderung dorthin zu organisieren. Und so trafen sich auch viele Interessierte, um den Holzapfel bewusst in Augenschein zu nehmen und sich etwas über seine Herkunft erzählen zu lassen. Weil das alles so schön war, bietet Katja Loida-Freiling am Samstagnachmittag noch einmal eine Tour an.

Wer Lust hat, dabei zu sein, meldet sich bitte unter Telefon 06457/783 an.

von Götz Schaub

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