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Schleuser wider Willen muss zahlen

Amtsgericht Schleuser wider Willen muss zahlen

Mindestens 46 Menschen aus der ehemaligen Sowjetunion haben aufgrund falscher Einladungen eines Geschäftsmannes aus dem Nordkreis unberechtigt Visa für die Einreise nach Deutschland bekommen. Dieser wurde nun bestraft.

Marburg. Das Marburger Amtsgericht verurteilte den 62-Jährigen wegen „Einschleusen von Ausländern“ jetzt zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten.

Das Gericht unter Vorsitz von Nadine Bernshausen folgte mit seinem Urteil den Anträgen von Staatsanwalt und Verteidigung. Man gehe von einem minderschweren Fall aus, so die Richterin. Der Angeklagte habe sich einfach keine Gedanken über die Tragweite seines Handelns gemacht. Staatsanwalt Oliver Rust hob hervor, der Angeklagte „passt nicht in die klassische Schlepperkriminalität“.

Gleichwohl seien eine Vielzahl der illegal eingereisten Personen untergetaucht und bei zwei Frauen wisse er, dass sie in Bremen zur Prostitution gezwungen worden seien. „Sie wurden verkauft, und was sie getan haben, ist verboten, weil skrupellose Menschenhändler es ausnutzen“. Er glaube dem Angeklagten allerdings, dass dieser davon keine Ahnung hatte, so Rust.

Der Mann gestand und bedauerte die ihm vorgeworfenen Taten. Er habe aus Gefälligkeit gehandelt. Bei seinen Geschäftstätigkeiten in Kasachstan, Usbekistan und Kirgisien habe er einen Inhaber eines Reisebüros kennengelernt, der ihn vor Ort unterstützt habe. Dieser habe ihm gesagt, dass es schwierig sei, für Deutschland Visa zu bekommen. Er kenne aber mehrere Menschen, die gerne kurz hierher kommen würden, um Autos in ihre Heimat zu überführen.

Der Mann habe ihm zum Teil Namen per E-Mail genannt, so der Angeklagte, in anderen Fällen habe er ihm auch abgestempelte Blankoformulare zukommen lassen, die dann ausgefüllt dem deutschen Generalkonsulat für den Besuch vermeintlicher Geschäftspartner des Angeklagten vorgelegt wurden sei.

Er kenne die Menschen gar nicht, betonte er, und er habe sein Tun auch sofort beendet, als es Schwierigkeiten gegeben habe. „Ich sehe meinen Fehler ein“, so der Mann, der den Richterspruch annahm.

Als Bewährungsauflage muss er 6000 Euro an gemeinnützige Einrichtungen zahlen. Rust regte an, auch Organisationen zu bedenken, die sich für Opfer des Menschenhandels engagierten.

Das Gericht gehe davon aus, dass der Mann keinen weiteren Straftaten begehen werde, schloss Bernshausen. Er sei bisher nicht in Erscheinung getreten, führe ein geregeltes Leben und sie glaube, dass die Verurteilung Warnung genug sei.

von Heiko Krause

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