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Schläger kommt mit Bewährung davon

Landgericht Schläger kommt mit Bewährung davon

Mit einem Faustschlag hatte ein heute 21-Jähriger in Wetter einen Mann niedergestreckt, der später verstorben war. Dafür erhielt der junge Mann nun eine zweijährige Bewährungsstrafe.

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Marburg. Laut Anklage hatte der Wetteraner sein Opfer im September 2011 mit einem Schlag niedergestreckt, weil er angeblich zuvor Schwester und Mutter des Angeklagten in einem Supermarkt „angemacht“ habe. Der Mann sei durch den Schlag derart unglücklich gefallen, dass er mit dem Kopf auf den Boden schlug, erst im Koma lag und danach ein Pflegefall war. Im April vergangenen Jahres war der damals 57-Jährige verstorben.

Gestern präsentierte eine Sachverständige zunächst die Obduktionsergebnisse des Wetteraners. Demnach habe er durch den Sturz ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten, was zu seiner langwierigen Behandlung geführt habe. Durch die lange Liegezeit sei es zu einer Entzündung der Atemwege und Lunge gekommen. „Das ist bei Personen, die sich nicht ausreichend bewegen können, leider häufig der Fall“, so die Sachverständige. Letztendlich sei „aus rechtsmedizinischer Sicht das Schädel-Hirn-Trauma ursächlich“ für die Erkrankung und die anschließende Verschlechterung gewesen.

Gestorben sei der Mann letztendlich an der Aspiration durch Blut. Dadurch habe er nicht mehr atmen können, erläuterte der ärztliche Leiter der Notaufnahme des Uni-Klinikums. „ Als der Notarzt den Patienten übernommen hatte, lag dieser schon im Sterben“, so der Arzt. In Rücksprache mit der Betreuerin des Mannes habe man sich „für einen palliativen Weg“ entschieden, denn der Patientenwille sei für die Behandlung entscheidend gewesen. Doch auch mit Intensivmedizin sei er seiner Ansicht nach nicht zu retten gewesen.

Zu der Tat wurde auch ein heute 21 Jahre alter Zeuge aus Kirchhain gehört, der den Angeklagten damals zum Ort des Geschehens in Wetters neuer Mitte gefahren hatte. Allerdings präsentierte der Kirchhainer weitestgehend Erinnerungslücken - die Tat liege schon zu lange zurück. Doch Details waren noch präsent: So war sich der junge Mann sicher, das Opfer habe die Hand gehoben. „Ob die flache Hand oder die Faust weiß ich nicht mehr“, sagte er. Auf Nachfrage von Richter Dr. Thomas Wolf, ob er sich vielleicht nur habe schützen wollen, sagte der 21-Jährige: „Das glaube ich nicht. Er war ja wohl öfters auf Krawall aus.“

Danach ging es um eine Schlägerei auf dem Kirschenmarkt am 30. Juni 2011. In der Nacht habe der Angeklagte mit zwei Freunden in der „Fressgasse“ gestanden. Von Richtung Marktplatz sei ein Jugendlicher nach oben an dem Trio vorbeigelaufen, worauf der Angeklagte gerufen habe: „Nicht so schnell, da oben blitzen sie.“

Der Angesprochene habe innegehalten und sich umgedreht, sei zu der Gruppe gegangen und habe nachgefragt, was los sei, worauf der Wetteraner ihn niedergeschlagen habe, um ihm dann noch einen Fußtritt zu verpassen. Die Folge: Eine Platzwunde und eine Verletzung des Jochbeins.

Schlag und Tritt gab der Angeklagte zu, er bestritt jedoch, gezielt gegen den Kopf getreten zu haben.

Zudem soll der Wetteraner auch an einer Parkplatz-Schlägerei in Roßdorf beteiligt gewesen sein, dieser Anklagepunkt wurde jedoch nach einem öffentlich geführten Rechtsgespräch fallen gelassen.

Eine Vertreterin der Jugendgerichtshilfe bescheinigte dem heute 21-Jährigen, dass er auf einem guten Weg sei: Er werde demnächst Vater, könne seine Ausbildung als Koch fortführen, habe sich um ein Anti-Aggressions-Training bemüht und sei mit seiner Freundin zusammengezogen, wodurch eine positive Sozialprognose gegeben sei.

Die sah auch Richter Wolf: Er verurteilte den Wetteraner nach Jugendstrafrecht wegen Körperverletzung mit Todesfolge und gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird.

Zudem erlegte er ihm auf, dass er sein derzeitiges Praktikum fortführe, danach bis zur Fortführung seiner Ausbildung Arbeitsstunden ableiste und sich schnellstmöglich in psychologische Behandlung begebe. Wolf stellte bei dem Täter eine „deutliche Nachreifung“ fest.

Gleichzeitig gab er dem reuigen Täter mit auf den Weg: „Gehen Sie allem aus dem Weg, was kommt.“ Denn sonst sei eine Gefängnisstrafe unausweichlich.

von Andreas Schmidt

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