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Regenwurm gegen Glitzerpaste

Angelsport Regenwurm gegen Glitzerpaste

So ein Angler in Münchhausen genießt übers Jahr seine stillen Stunden an der Wetschaft oder den Aspher Teichen. Und zweimal im Jahr wird das sonst stille Hobby zu einem kleinen Gesellschaftsereignis. Wenn an- oder abgeangelt wird an den Aspher Teichen.

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Das letzte Anglerglück für dieses Jahr: Helmut Roth hält eine prächtige Regenbogenforelle, sein Fang des Tages. Mit dabei seine Nachbarin, die 13-jährige Marie Molodych, die ihre ersten Erfahrungen im Angeln sammelte.

Quelle: Nadine Weigel

Niederasphe. Still ruht der See. Und auch die Aspher Teiche ruhen. Die Saison ist vorüber, bis zum Anangeln im Frühjahr müssen die Mitglieder des Angelsportvereins Müchhausen (ASV) auf andere Weise die Natur, Ruhe und frische Luft genießen. Am Sonntagvormittag jedoch tun sie dies noch einmal so, wie es ihnen am liebsten ist. Mit der Angel in der Hand, ein paar kühlen Getränken und Wurst vom Rost, gebraten über offenem Holzfeuer. „Den Fisch kann man doch nicht direkt grillen“, klärt Wolfang Sauerwald, zweiter Vorsitzender des ASV, unwissende Besucher auf, die sich darüber wundern, dass es da Würstchen gibt statt der frisch gefangenen Forellen. „Die müssen zunächst einmal ruhen und in Salz eingelegt werden, sonst zerbröckelt alles.“

Foto: Nadine Weigel

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Nun gut, dafür gibt’s in den nächsten Tagen Forelle satt in Münchhausen und Umgebung. Gebraten und mit Kartoffeln serviert, mit Meerrettich oder mit Mandeln dazu, wie die Angler verraten. 16 Mitglieder nebst Gästen haben guten Fang gemacht - jeder die drei Forellen, die ihm zustehen beim Abangeln, wie ASV-Vorsitzender Jörg Archinal erklärt. Dabei ist der Begriff Abangeln durchaus irreführend und steht eher fürs Ereignis denn für den Zweck. Da geschätzt nur noch 20 Forellen im Teich gewesen sein sollen, hat der Verein ihn extra für das Anglertreffen nochmal mit 50 zusätzlichen Regenbogenforellen, gekauft aus einer Forellenzucht, besetzt.

Und sie beißen gut an diesem Morgen. Das Abangeln hat noch nicht lange begonnen, da haben viele der Männer, Frauen und Kinder schon ihre drei in Regenbogenfarben schillernden Forellen neben sich liegen, andere stehen noch am Ufer und warten aufs Anglerglück, wieder andere sind gerade dabei, ihre Fische fachmännisch auszunehmen.

Die besten Köder kommen aus der Erde

Dazu wird gefachsimpelt und diskutiert, etwa über die besten Köder und darüber, wer welche Köder bevorzugt. Für den langjährigen Angler Helmut Roth geht nichts über seine Regenwürmer. In einem Döschen voll Erde und Grünzeug trägt er sie in der Jackentasche mit sich. „Wenn ich bei der Gartenarbeit einen erwische, packe ich ihn ein“, sagt er, schmunzelt und zeigt ein Döschen mit einer Paste, die Angler auf künstliche Köder geben, um die Fische anzulocken. Das Zeug riecht nach Fisch und Knoblauch, ist neongelb, enthält Glitzerpartikel und erinnert eher an ein Nagelstudio oder Make-up-Döschen denn an einen Forellenteich. „Für mich ist das auch nicht das Richtige, ich geb’s meinem Kollegen wieder zurück“, erklärt Helmut Roth und schaut sich den letzten Regenwurm in seiner Dose an - da weiß er, was er hat.

Wer noch kein Angler ist, kann es werden

Marie Molodych aus Münchhausen ist eine der jüngsten, die an diesem Tag beim Abangeln mit dabei sind. Die 13-Jährige ist mit ihrem Nachbarn Helmut Roth als Gastanglerin mitgekommen, um sich das Ganze einmal anzuschauen. „Ich glaube, ich bin nicht so das typische Mädchen“, sagt Marie und erzählt, dass sie mit Vorliebe Pilze sammeln oder mit ihrem Opa zur Jagd geht. Das Angeln gefällt ihr auch. „Andere finden das ekelig, ich gar nicht, kann ich mir auch nicht leisten, schließlich will ich Tierärztin werden“, sagt sie und hilft Helmut Roth schon fast routiniert beim Ausnehmen der Fische. Und auch weitere Kinder und Jugendliche angeln am Forellenteich - unter Aufsicht dürfen sie das bis zum Alter von 15 Jahren auch ohne Angelschein, wie Roth erklärt.

Die Pause, die der ASV seinen Angler und den Teichen über den Winter „verordnet“, müsste so nicht unbedingt sein. Als einstige Einwanderer aus Amerika, die extra aus Fischzuchten angekauft werden, gilt für die Regenbogenforellen im Teich, anders als für die natürlich vorkommenden Bachforellen, keine Schonzeit - man könnte sie, solange der Teich nicht zufriert, das ganze Jahr über angeln. „Aber wir halten uns trotzdem daran, auch, um unserem Gelände hier eine Ruhepause zu verordnen und um die Wege und die Natur zu schonen in der Zeit, wo es hier nass und matchig wird“, erklärt Helmut Roth.

Charaktermenschen sind willkommen

Ab Ende März, Anfang April geht’s dann wieder los mit dem Angelsport an den Aspher Teichen, den Mühlgräben in Münchhausen und Simtshausen sowie an der Wetschaft. 40 Fische pro Jahr und maximal drei an einem Tag je Angler, so lauten die Regeln, die der ASV für seine Mitglieder vorgibt. So erklärt es der Vorsitzende Jörg Archinal. Über die Anzahl der geangelten Fische wird im Verein Buch geführt, die Ehrlichkeit der Mitglieder wird vorausgesetzt. Mitmachen kann jeder im ASV, wie der zweite Vorsitzende Sauerwald betont. „Menschen mit ordentlichem Charakter sind uns immer willkommen“, sagt er und lacht. Angelschein vorausgesetzt - und künftigen Anglern, den diese Berechtigung noch fehlt, sei die bevorstehende Fischerprüfung des ASV empfohlen. Ab Samstag, 1. Januar 2014 soll der neue Kurs beginnen, der Nicht-Angler zu Anglern macht. Einen Info-Termin dafür hat der Verein für Samstag, 23. November, ab 15 Uhr im Vereinshaus Talhäuser Straße 3 in Münchhausen (gegenüber der Kirche) anberaumt.

  • Informationen zu dem Vorbereitungslehrgang zur staatlichen Fischerprüfung bei Helmut Roth, Telefon 06457/346, oder bei Ulrich Schlidt, Telefon 06456/500.

von Carina Becker

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