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RP Gießen fordert Sanierungskonzept

Goßfelden RP Gießen fordert Sanierungskonzept

Mit zwei Verwaltungsverfahren will das Regierungspräsidium Gießen den Druck auf den Betreiber der Marburger Rohstoffverwertung (MRV) in Goßfelden zur Sanierung des Standorts erhöhen.

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Das Regierungspräsidium fordert eine umfassende Sanierung der Anlagen auf dem MRV-Gelände in Goßfelden. Der Betreiber kündigt seinerseits Verbesserungen an.

Quelle: Thomas Breme

Goßfelden. Nach der Auswertung aller „Ermittlungen, Berichte und Gutachten aus 2012 im Zusammenhang mit der Firma Marburger Rohstoffverwertung (MRV) Völker in Goßfelden“ zieht die Aufsichtsbehörde rechtliche Konsequenzen, kündigte RP-Sprecherin Gabriele Fischer gestern an.

Das Unternehmen müsse „erheblichen Aufwand betreiben, um die Schadstoffbelastungen im Umfeld für Mensch und Natur deutlich zu reduzieren“. Dazu sind zwei Verfahren in Gang gesetzt worden. Einerseits wird dem Unternehmen in einer immissionsschutzrechtlichen Anordnung ein Bündel von Auflagen zur Sanierung des Betriebes erteilt. Hierzu kann sich die MRV im Rahmen einer Anhörung bis zum 22. April äußern, so die Mitteilung des RP.

Zum zweiten legt das RP in einer zweiten Anordnung die zulässigen Höchstwerte für Dioxine, Furane und dioxinähnliche PCB neu fest. Außerdem wird darin der Höchstwert für Staub auf 10 anstatt bisher 20 Milligramm pro Kubikmeter herabgesetzt. Hintergrund ist, dass sich Schadstoffe bevorzugt an Staub binden. Bei einer Herabsetzung des Grenzwertes verringerten sich so auch alle anderen Schadstoffwerte, so die Mitteilung aus Gießen weiter. Diese zweite Anordnung wird im Entwurf auch öffentlich ausgelegt, Betroffene - auch Bürger - können bis zum 30. Mai Einwände erheben oder sich dazu äußern.

Die „Sanierungs-Auflagen“ umfassen laut Behördenangaben die „Einhausung eines besonders emissionsträchtigen Betriebsbereichs“, in dem die Schredderleichtfraktion (SLF) umgeladen wird. Außerdem wäre demnach der weitere Umgang mit den Schredderreststoffen ausschließlich in geschlossenen Containern gestattet. Beides dient dazu, die Staubbelastung zu reduzieren. Weiterhin soll der Betreiber eine detaillierte Sanierungsplanung vorlegen, „in der alle als mögliche Emissionsquellen in Frage kommenden Betriebsbereiche einzubeziehen sind“. Besonders im Fokus steht dabei aus Sicht des RP Gießen das Schreddergebäude.

Günther Knarr, Vorsitzender der Bürgerinitiative (BI) Windrose, begrüßte die Nachricht gestern in einer ersten Stellungnahme als „längst überfälligen Schritt in die richtige Richtung“. Eine genauere Einschätzung könnten die langjährigen Kritiker der MRV allerdings erst abgeben, wenn sie die Anordnungen mit ihrem Sachverständigen analysiert hätten, so Knarr weiter. „Wir werden uns das Verfahren genau anschauen“, sagte er. Entscheidend sei allerdings auch, „wie der Betreiber damit umgeht“ und wie die Einhaltung der Schadstoffgrenzwerte letztlich kontrolliert werde.

Der Bevollmächtigte des Unternehmens, Professor Reinhard Müller, teilte auf Anfrage der OP mit, dass „die MRV im Rahmen dieses Verfahrens eine Stellungnahme abgeben wird“. Allerdings, so Müller, habe man dem RP schon vor der Bekanntmachung dieser Anordnung einen eigenständigen Vorschlag über anstehende Maßnahmen zugeleitet, die unabhängig von behördlichen Anordnungen von der Firma umgesetzt würden. Diese umfassten die Instandsetzung der Schredderanlage auf den neuesten Stand der Technik, so Müller.

Dieses Schreiben habe sich mit dem des Regierungspräsidiums überschnitten, bestätigte die Behörde gestern auf OP-Nachfrage. Man werde diese Informationen der MRV aber im Rahmen der Anhörung würdigen, so RP-Sprecherin Gabriele Fischer.

Die Anhörung zu den Schadstoff-Grenzwerten wird auf der Homepage des RP Gießen unter www.rp-giessen.de, in der Rubrik „Öffentliche Bekanntmachungen“ eingestellt. Außerdem liegt sie sowohl beim RP Gießen in der Umweltabteilung als auch in der Gemeindeverwaltung Lahntal in Sterzhausen, ab dem 16. April für einen Monat zur Einsichtnahme aus. Die Frist für Einwände endet am 30. Mai.

von Michael Agricola

Hintergrund

Nach dem Brand im Sommer 2011 hatten die Futtermittel-Experten des RP Gießen überhöhte Schadstoffgehalte in Wiesen in der Nachbarschaft zum Firmengelände festgestellt. Um zu überprüfen, ob die Belastungen Folge des Brandes waren, wurden Boden- und Futtermitteluntersuchungen angeordnet. Auf der östlich der Firma gelegenen Grünlandfläche wurden dabei aber Werte ermittelt, die nach Beurteilung durch die Experten auch noch längerfristig Grenzwertüberschreitungen erwarten ließen. Auch in den vergangenen zwölf Monaten ist es zu unerlaubt hohen Schadstoffgehalten auf den am nächsten gelegenen landwirtschaftlichen Flächen gekommen. Der Aufwuchs von Futtermitteln des vergangenen Jahres wurde untersucht und bewertet. Diese Erkenntnisse fließen nun in das verwaltungsrechtliche Verfahren ein. Auch dieses Jahr werden die Futtermittel untersucht.

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