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Politische Diskussion ärgert die Wehr

Cölbe Politische Diskussion ärgert die Wehr

Gemeindebrandinspektor (GBI) Volker Vincon hatte frühzeitig angekündigt, dass er zum jetzigen Zeitpunkt nicht für eine Wiederwahl zur Verfügung steht. Auch einen anderen Kandidaten gab es nicht.

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Der stellvertretende Gemeindebrandinspektor Patrick Junk, (von links), die Beförderten Klaus Haberzettl, Karina Müller, Nicole Eckel und David Loechelt, Gemeindebrandinspektor Volker Vincon und Bürgermeister Volker Carle.Foto: Manfred Schubert

Quelle: Manfred Schubert

Cölbe. „Da ich die politische Entwicklung und beabsichtigte Ausrichtung der Gemeinde Cölbe derzeit nicht überblicken kann, kann ich ruhigen Gewissens nicht für das Amt des Gemeindebrandinspektors kandidieren“, erklärte Volker Vincon. Das Vertrauen der Feuerwehrleute, welches er als GBI genieße, wolle er zu keinem Zeitpunkt auch nur ansatzweise missbrauchen.

Hintergrund seien die noch ausstehenden Abschlussarbeiten am Bedarfs- und Entwicklungsplan der freiwilligen Feuerwehren der Gemeinde Cölbe, die daraus folgenden politischen Beschlüsse und deren Umsetzung. Diese und das Verhalten gegenüber der Feuerwehr, insbesondere erwähnte Vincon Äußerungen einiger Gemeindevertreter, die nicht von Verständnis für den Ausrüstungsbedarf der ehrenamtlichen Helfer zeugten („warum braucht ihr so große Fahrzeuge?“), seien von entscheidender Bedeutung, um das Amt weiter ausüben zu können, sowie für die Zukunft der Cölber Feuerwehren im Allgemeinen.

Warten auf neues Fahrzeug

Der im Februar 2006 verabschiedete Bedarfs- und Entwicklungsplan hätte eigentlich bereits 2011 fortgeschrieben werden müssen, erläuterte Vincon. Erfreulicherweise sei die Fortschreibung mittlerweile an die Firma BBS Gefahrenabwehr in Hamburg übertragen worden, ein im vergangenen Jahr gebildeter Arbeitskreis arbeite unter Hochdruck gemeinsam mit den Vertretern dieser Fachfirma daran.

Die umfangreichen Einsatzdaten der Jahre 2009 bis 2014, die Daten zu Personal und Verfügbarkeit, Löschwasserversorgung und Risiken wurden übermittelt, nun warte man auf die fachliche Bewertung.

Unter anderem hängt es an dieser Fortschreibung, das 26 Jahre alte Tanklöschfahrzeug der Wehr Cölbe-Mitte ersetzen zu können. Mittlerweile sind sogar passende Reifen dafür kaum noch zu finden. Die Landeszuschüsse für das Fahrzeug fließen erst, wenn ein passender Stellplatz vorhanden ist, und Geld für einen Neubau kommt wiederum erst, wenn der Bedarfs- und Entwicklungsplan von der Brandschutzaufsicht genehmigt ist.

Angesichts dieser Lage ist seit Ende Januar bereits das Amt des Cölber Wehrführers vakant, nachdem Jens Peter zurückgetreten war. Volker Vincon bleibt vorerst im Amt, zwei Monate bleiben, um einen Kandidaten zu finden, erläuterte Bürgermeister Volker Carle. Falls dies nicht gelinge, müsse die Gemeinde letztlich einen neuen GBI benennen.

Zu Beginn hatte Carle den 45 Versammlungsteilnehmern in der Gemeindehalle berichtet, dass die ehemalige Verwaltung am Heuberg jetzt freigeräumt werde, damit die Feuerwehr einziehen könne. Architekt Johann Heinrich Berghöfer aus Münchhausen, selbst Feuerwehrmann und früherer GBI, sei beauftragt worden, im Rahmen des Entwicklungsplans soll nun über den Um- und Ausbau des Feuerwehrstützpunkts Cölbe gesprochen werden. Carle betonte, dass Geld für die Feuerwehr im Haushalt vorhanden sei, aber ohne Raum und die davon abhängige Bewilligung das Fahrzeug in diesem Jahr noch nicht angeschafft werden könne.

Wehren pflegen ihr Material

Der Bürgermeister unterstrich, dass die Feuerwehren die ihnen zur Verfügung gestellten Geräte und Gebäude pflegten, was bei manch anderem Verein nicht so sei. Er hoffe, dass sie ihre Motivation nicht verlieren, denn das, was sie ehrenamtlich leisten, könne die Gemeinde nicht bezahlen: „Wenn die Feuerwehr wegbricht, dann gehen die Lichter aus.“

Kreisbrandinspektor Lars Schäfer knüpfte daran an: „Die freiwilligen Feuerwehren sind alternativlos bei der Sicherstellung der Gefahrenabwehr. Das zeigt auch der Blick ins benachbarte Ausland, wo Anfahrtszeiten von 30 Minuten keine Seltenheit sind.“ Und die bis dahin im Ausland „belächelten“ freiwilligen Feuerwehren aus Hessen seien bei dem landesweiten Stromausfall in Slowenien vor einem Jahr die einzigen gewesen, die es geschafft hätten, zehn gleichartige Notstrom-Großaggregate zum Laufen zu bringen und wichtige Einrichtungen mit Strom zu versorgen.

Was die Feuerwehren der Gemeinde im vorigen Jahr leisteten, berichtete Volker Vincon. Zwar sei die Zahl der Alarmierungen mit 41 im Vergleich zu 2013 mit 85 wesentlich geringer gewesen, aber dafür seien schwierige Einsätze dabei gewesen.

Im Februar 2014 beispielsweise einen Verkehrsunfall auf der B62 bei Bürgeln mit zwei stark eingeklemmten Schwerverletzten und im Dezember auf der B3 zwischen Chausseehaus und Eichholz ein weiterer, bei dem ein Pkw-Fahrer ums Leben kam. Den ersten Einsatz hatte übrigens der Jahreswechsel 2013/14 erfordert, als in Cölbe gegen ein Uhr eine Feuerwerksrakete einen Baum in Brand setzte.

Insgesamt kamen bei sechs Brandeinsätzen, 24 technischen Hilfeleistungen und elf anderen Einsätzen 688 Personalstunden zusammen, 15 Prozent mehr als 2013. 2872 Ausbildungs- und Lehrgangsstunden, 1160 Stunden für Fahrzeug- und Gebäudeunterhaltung, 650 Stunden für Geräteprüfung und -unterhaltung sowie 1300 Stunden für Besprechungen, Führungs- und Verwaltungsaufgaben schlugen außerdem zu Buche. Die Zahl der Mitglieder in den Einsatzabteilungen sank von 116 auf 99, davon sind elf weiblich. Der Altersdurchschnitt liegt bei 36 Jahren.

Den Jugendfeuerwehren gehören zurzeit 24 Jungen und acht Mädchen an, berichtete Gemeindejugendfeuerwehrwartin Sabine Otto. Im vergangen Jahr erfolgte eine Übernahme in eine Einsatzabteilung, in diesem Jahr erreichten drei Jungen das 17. oder 18. Lebensjahr, sie hoffe, dass diese ebenfalls übertreten.

Gesucht würden weitere Jugendbetreuer, es komme viel zurück und mache Spaß, warb sie.

von Manfred Schubert

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