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Plan für Straße kommt schlecht an

Wetter Plan für Straße kommt schlecht an

Die Mitglieder des Ausschusses für Bau und Umwelt in Wetter hatten für den Entwurf zum Umbau der Straße „Alter Graben“ wenig übrig. Ebenso einige Anwohner sowie engagierte Bürger aus dem Arbeitskreis Verkehr.

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Einkaufsstraße mit regem Verkehraufkommen: Für den Alten Graben in Wetter diskutieren die städtischen Gremien derzeit über eine Umgestaltung und Verkehrsberuhigung.Foto: Thorsten Richter

Quelle: Thorsten Richter

Wetter. Wetter. Die Pläne, die der Diplom-Ingenieur Michael Schmidt im Auftrag der Stadt Wetter für die Umgestaltung der Straße „Alter Graben“ entwickelt hat und am Montagabend im Ausschuss für Bau und Umwelt vorstellte, kamen schlecht an. Es geht dabei um die Straßenraum-Neugestaltung einer der Haupt-Einkaufsstraßen in Wetter mit mehreren großen Märkten.

Mitglieder des Arbeitskreises Verkehr in der Initiative „Wetter ist uns wichtig“ berichteten, sie hätten die Planung während eines Ortstermins mit Bürgermeister Kai-Uwe Spanka im März angestoßen - und das Ergebnis habe nun rein gar nichts mit dem zu tun, was der Arbeitskreis sich gewünscht habe: Eine verkehrsberuhigte Zone im Stile einer Spielstraße nämlich, in der quasi nur Schritttempo gefahren werden dürfe, um die Kinder auf ihren Wegen von und zur Schule vor dem hohen Verkehrsaufkommen zu schützen. Man war sauer auf Spanka, der an dem Tag Geburtstag hatte und an der Sitzung nicht teilnahm. Ein Mitglied des Arbeitskreises Verkehr fragte ungehalten: „Was hat den Bürgermeister geritten, dass wir da jetzt so ­etwas bekommen sollen?“

Harald Althaus, Fraktionsvorsitzender der SPD, war ebenfalls kritisch. „Wir sind etwas überrascht, wir hatten eine weitreichendere Verkehrsberuhigung erwartet - das hier wäre ein kostspieliger Ausbau, der kaum Veränderungen bringt“, sagte er und sprach von einem „misslungenen Vorschlag“. Anlieger des Alten Grabens sahen in der Umgestaltung der Straße generell ein unnötiges Unterfangen - die wenigsten Autofahrer seien dort schneller als mit Tempo 20 unterwegs, hieß es. Sie schlugen unter anderem vor, das Geld, dass in den Straßenbau fließen soll, besser für etwas anderes zu verwenden.

Anderen Kritikern fehlte es an Grünflächen in der Planung und eine Anliegerin forderte das Einrichten eines Zebrastreifens vorm Mönchtor, damit Kinder die Straße sicherer überqueren könnten.

Straßen-Umbau soll rund 170000 Euro kosten

Veranschlagt für die Umgestaltung der Straße sind derzeit rund 147000 Euro, hinzu kommen noch Planungs- und Ausschreibungskosten, sodass der Ausbau insgesamt rund 170000 Euro kosten könnte, schätzte CDU-Stadtrat Konrad Moog. ­Davon müsste die Stadt nur einen Teil selbst aufbringen, „denn wir rechnen noch mit rund 60000 bis 80000 Euro, die uns noch als Zuschuss für die Stadtsanierung zur Verfügung gestellt werden - und dieses Geld könnte für das Straßenbauvorhaben eingesetzt werden“, erklärte Moog.

Nach den Plänen, die der Ingenieur Michael Schmidt vor den zahlreichen Menschen präsentierte, die zur Ausschusssitzung gekommen waren, bekommt der Alte Graben auf seiner Südseite einen durchgehenden Gehweg mit 1,40 Metern Breite an der engsten und 2,50 Metern Breite an der weitesten Stelle. „Auch Parkplätze sind vorgesehen, damit es kein wildes Parken mehr gibt an der Straße“, erklärte er.

Für einen barrierefreien Übergang hat der Planer an einer Stelle eine Absenkung der Bordsteine vorgesehen, sodass auch gehbehinderte Menschen, beispielsweise mit Rollator, die Straße ohne große Probleme überqueren können.

Für die Straße hat der Planer eine Breite von 5,5 Metern vorgesehen, somit soll der Begegnungsverkehr zwischen Lastwagen und Autos funktionieren. Die Straße soll nur oberflächlich erneuert werden und nicht in der Tiefe, zumal die Versorger an ihren Leitungen und Rohren voraussichtlich keine Erneuerungen planen, die im Zuge des Straßenbaus erledigt werden könnten, wie Schmidt ausführte.

Ausschuss gibt kein Votum ab

Auf der Nordseite der Straße, dort wo sich der Rewe-Markt befindet, sieht der Plan keinen durchgehenden Gehweg vor, sondern einen Verlauf von 1,50 bis 2,20 Metern Breite - das kam bei Anliegern schlecht an; sie waren der Meinung, dass gerade auf Höhe des Einkaufsmarktes ein durchgängig breiter Bürgersteig nötig sei.

Die Diskussion über die Straße „Alter Graben“ endete ohne Abstimmung - der Entwurf wurde vom Ausschuss als nicht beschlussfähig erachtet. Stadtrat Moog schlug vor, eine neue Beratung unter Beteiligung des Arbeitskreises Verkehr aufzunehmen. Der Alte Graben war an diesem Abend ein weiteres Mal Thema - es ging um eine Änderung des Bebauungsplans aus dem Jahre 1981, die nötig wird, damit Aldi sein Marktgebäude Am Untertor und seine Parkflächen erweitern kann. Unternehmer Hans-Gerhard Lenz, dem das Aldi-Gebäude und umliegende Geschäfts-Immobilien gehören, warb für die Änderung des Bebauungsplans im Sinne einer „positiven Weiterentwicklung“ der Innenstadt.

Der Städtebau-Architekt Manfred Hausmann erläuterte, warum der B-Plan umgestellt werden muss. Der aus dem Jahr 1981 definiert den Alten Graben als Mischgebiet, das keinen großflächigen Einzelhandel zulässt. Deshalb ist eine Umwidmung zum Sondergebiet erforderlich für die Aldi-Erweiterung.

Der Markt werde in Richtung Straße wachsen - von 870 Quadratmetern auf dann 1100 bis 1200 Quadratmeter, erklärte Hausmann.

Für zusätzliche Stellplätze soll ein Parkdeck in nördlicher Richtung entstehen - dieses Bauwerk wurde vom Kreisbauamt bereits genehmigt, dafür war keine B-Plan-Änderung erforderlich, sagte Hausmann, der in Aussicht stellte, dass auch die Vorbereitungen für die Aldi-Vergrößerung schnell erfolgen könnten.

Ob es nun schnell geht oder nicht, hängt am Wetteraner Parlament, das ohne Empfehlung aus dem Ausschuss wird entscheiden müssen. Denn dieser gab kein Votum zu dem Vorhaben ab, weil er sich unzureichend informiert fühlte. Die Vorlage enthielt tatsächlich vergleichsweise wenige Details, allerdings einen Übersichtsplan mit einigen Zahlen zur Erweiterung. „Der Vorlage kann man nicht zustimmen - sie ist viel zu minimalistisch“, kritisierte Harald Althaus (SPD) und hatte die anderen Ausschussmitglieder geschlossen hinter sich.

von Carina Becker

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