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Plädoyer für die Optimisten vom Dienst

Abschiedsfeier Plädoyer für die Optimisten vom Dienst

Vieles hat sich gewandelt in 50 Jahren Grundschule Münchhausen. Der scheidende Schulleiter Wolfgang Vajen zog ein liebevoll-optimistisches Resümee mit kleinen ironischen Seitenhieben.

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„Tuishi pamoja“ bedeutet auf Swahili „Wir wollen zusammen leben“. Ein Musical, das die Schüler der Münchhäuser Grundschule aufführten, spielt unter Tieren in der afrikanischen Savanne und erzählt von Vorurteilen, Freundschaft und Toleranz.

Quelle: Manfred Schubert

Münchhausen. Mehr als 300 Gäste kamen in die Burgwaldhalle, um das 50-jährige Bestehen der Grundschule Münchhausen zu begehen. Neben der Festansprache von Wolfgang Vajen, der nach 26 Jahren Schulleitertätigkeit in Münchhausen in Ruhestand geht, sowie Grußworten, stand die Aufführung eines Musicals durch die Schülerinnen und Schüler im Mittelpunkt.

Dieses stellte zugleich die Abschiedsfeier für Vajen sowie für Barbara Kleinmann-Burkardt dar, die nach 28 Jahren als Lehrerin an dieser Schule ebenfalls in den Ruhestand versetzt wird. Vajen hatte ausdrücklich seine offizielle Verabschiedung nur im kleinen Rahmen mit dem Kollegium gewünscht.

Vajen blickte in die Geschichte zurück. In den 1960er Jahren wurden überall in Deutschland Schulneubauten geplant, und für den kleinen Ort Münchhausen ein recht großer. Bei der Einweihung 1965 besuchten mehr als 300 Grund- und Hauptschüler die „Mittelpunktschule Oberes Wetschaftstal“. Oft über 40 Kinder in einer Klasse, „heute für Lehrer und Eltern unvorstellbar“, berichtete Vajen. Die Situation entspannte sich, als die Wollenbergschule in Wetter fertig wurde. 1986 wurde Münchhausen zur reinen Grundschule, allerdings mit über 200 Kindern. Heute sind es 130.

Die Studentenproteste und gesellschaftlichen Veränderungen drangen auch in die Schule vor, die Zeit der „Alleinherrschaft“ für den Schulleiter war vorbei, die neue Anspruchshaltung einiger Eltern gegenüber Kindern und Lehrkräften entwickelte sich.

„Überspitzt formuliert: Wenn das eigne Kind nicht nur Einser oder Zweier nach Hause brachte, hatte es schlechte Lehrer, wenn es auf dem Schulhof Streit gab, hatten grundsätzlich die frechen Kinder anderer Leute angefangen. Und im modernen Unterricht sollten Lehrer den Spagat vollbringen, mittels einer Spaßschule eine Leistungselite zu erziehen“, porträtierte Vajen den Geist der Zeit.

Bindung vor der Bildung

In Münchhausen sei es zum Glück gemäßigter zugegangen. Es gab und gebe eine sehr angenehme, bereichernde Zusammenarbeit mit Eltern, Förderverein und den Schulkindern.

Eine Reformidee der vergangenen 25 Jahre, die vom „kompetenzorientierten Unterricht“, sei aber auch in der Grundschule angekommen: „Dazu haben wir mehrere Ordner. Wir haben nicht alles behalten, aber gelesen. Heute unterrichten wir Selbstkompetenz, Fachkompetenz, Methodenkompetenz und Sozialkompetenz. Weil das alles sehr kompliziert ist, sind Schulleiter heute keine Schulleiter mehr, sondern Manager mit total vielen Vernetzungskompetenzen, vertikal und horizontal.“ Dies unterstrich Vajen mit ausladenden vertikalen und horizontalen Handbewegungen und erheiterte damit seine Zuhörer, insbesondere die Pädagogen, sehr.

Wesentlich klarer klang Vajens Einschätzung dessen, was der wichtigste Nährboden für gutes schulisches Lernen sei: „Nicht die vieldiskutierte frühkindliche Bildung, sondern die frühkindliche Bindung, und die hat mit der Beziehung der Eltern zum Kind zu tun. Ein gut gebundenes Kind erfährt, dass es gewollt und geliebt ist, gerade auch mit seinen Grenzen und Schwächen. Zuerst einmal von den Eltern, dann auch von den Erzieherinnen und Lehrkräften. Nur diese frühkindliche Bindung macht stark genug für die Herausforderungen des Lebens.“

Zur Schule heute erklärte er, dass es seit über 25 Jahren das Betreuungsangebot gebe und praktisch keinen Unterrichtsausfall mehr – nicht einmal hitzefrei, dabei sei das früher das Schönste an der Schule gewesen.

Allerlei Wettbewerbe habe die Schule in den vergangenen 25 Jahren gewonnen, sich nach außen geöffnet, sei als bewegungsorientierte Schule zertifiziert, baulich in sehr gutem Zustand, mit Pelletheizung, Photovoltaikanlage und Vollwärmedämmung ökologisch ein Vorzeigemodell.

In die Zukunft blickend erklärte er: „Eltern und Pädagogen müssen Optimisten sein. Sie sollen die Verlockungen des Lebens vor den Kindern ausbreiten, die Herrlichkeiten der Welt eröffnen sowie Lebensträume ausmalen, trotz mancher dunklen Wolke am Horizont. Und gleichzeitig das mögliche Scheitern einiger Träume auffangen. Auch wir sind mit manchen unserer Lebensträume gescheitert und lachen heute trotzdem. Seid geduldig in der Erziehung und fröhlich in der Hoffnung, dann hat auch unsere Schule eine Zukunft.“

Oliver Wolf, Vorsitzender des Fördervereins der Schule, wies auf das kurz vor Fertigstellung stehende Multifunktionsfeld auf dem Schulhof hin und lobte das „hyperaktive Kollegium“ sowie die Elternarbeit. Jetzt sei eine Zeit des Umbruchs, da neben Vajen mehr als eine Handvoll Mitarbeiter die Schule verlassen oder schon verließen.

Schuldezernent Marian Zachow betonte, er sei oft in Münchhausen wegen der guten Kooperation. Mit Wolfgang Vajen sei 1983, als er zunächst die Leitung der Schule in Amönau übernahm, ein „Rekordtransfer“ aus Delmenhorst in den Landkreis geglückt. „Es war ein Glücksfall, dass Sie in den Landkreis, in diese Gemeinde, an diese Schule gekommen sind.“

Musical über Freundschaf t

Mit dem Musical „Tuishi pamoja“, das bedeutet auf Swahili „Wir wollen zusammen leben“, wurde anschließend die seit 2007 auf dem Schulhof stehende Skulptur „Gemeinsam“ musikalisch und szenisch umgesetzt.

Das Musical spielt unter Tieren in der afrikanischen Savanne und erzählt von Vorurteilen, Freundschaft und Toleranz. Auf und vor der Bühne, in der Flötengruppe, wirkten Schüler mit, zum Orchester gehörten außerdem ehemalige Schulkinder, Lehrerinnen und professionelle Musiker. Außerdem wirkte der Gesangverein Münchhausen mit, der schon die Proben in der Schule unterstützt hatte. Die gelungene Aufführung unter Leitung von Jessica Lenz begeisterte die Zuschauer und erntete riesigen Beifall.

Grundschule Münchhausen im Internet: www.grundschule-muenchhausen.de.

von Manfred Schubert

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