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Peter Funk: „Wir wollen nicht schließen“

Kindergarten Oberasphe Peter Funk: „Wir wollen nicht schließen“

Das Kinderförderungsgesetz zwinge den evangelischen Kindergarten Oberasphe, die Betreuungszeiten um zwei Stunden in der Woche zu erhöhen. Sonst werde er unattraktiv, sagt die Pfarrerin.

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20 Zuhörer verfolgten die Debatte um den Wunsch des Kindergartens Oberasphe, darunter auch Pfarrerin Michaela Frischholz (Zweite von links), die auch das Wort ergriff.

Quelle: Götz Schaub

Münchhausen. Der Kindergarten Oberasphe ist in kirchlicher Trägerschaft, und gehört zur Landeskirche Hessen-Nassau. So war es ein fünfseitiges Schreiben der Oberaspher Pfarrerin Michaela Frischholz an die Eltern der Kinder, die derzeit in den evangelischen Kindergarten Oberasphe gehen, der in den vergangenen Tagen ordentlich aufschreckte. Darin legte die Pfarrerin dar, dass die Öffnungszeiten des Kindergartens um exakt zwei Wochenstunden erweitert werden müssen, um nicht nach dem Kinderförderungsgesetz in eine unvorteilhafte Kategorie eingestuft zu werden, die in ihrer Konsequenz eine erhebliche Minderung der Betreuungszeit zur Folge hätte. Und zwar eine Betreuungszeit, die dem derzeit sehr gut ausgelasteten eingruppigen Kindergarten keine Zukunftsperspektive mehr lassen würde.

Pfarrerin Frischholz nannte in der gemeinsamen Sitzung des Haupt- und Finanz- sowie des Bau-Ausschusses der Gemeinde Münchhausen am Dienstagabend als letzte Konsequenz aus einer Ablehnung der Stundenerhöhung eine Kinderabhol-uhrzeit von 11.15 Uhr. Ja, kein Druckfehler. 11.15 Uhr. „Das geht natürlich an der Lebenswirklichkeit völlig vorbei“, führte sie aus.

Anlass des Schreibens war ein Beschlussvorschlag des Gemeindevorstandes der Gemeinde Münchhausen, der zum Inhalt hat, dem Träger die Erweiterung um zwei Stunden zu verweigern. Zudem heißt es dort, dass angedacht sei, in Oberasphe nur noch die Regelbetreuung anzubieten, allerdings bei gleichzeitiger Erarbeitung eines Gesamtkonzepts für die drei Kindergärten in der Gemeinde.Diese stehen bekanntlich unter drei verschiedenen Trägerschaften.

Ziel soll es sein, dass nur noch in Niederasphe, unter der Trägerschaft der evangelischen Kirche Kurhessen Waldeck, und in Münchhausen, unter der Trägerschaft der politischen Gemeinde Münchhausen, aufgrund der Nähe zur Grundschule ein Ganztagsangebot unterbreitet werden soll.

Das wertete Pfarrerin Frischholz als Angriff des Bürgermeisters gegen den kirchlichen Kindergarten zugunsten der Auslastung des Kindergartens in Münchhausen. Und so durfte sich Bürgermeister Peter Funk dieser Tage auch einiges von Bürgern anhören, die sich klar gegen eine Schließung des Kindergartens Oberasphe aussprachen und ihm den Vorwurf machten, mit dem Beschlussvorschlag genau daran zu arbeiten. Funk wies dies strikt zurück: „Wir wollen Oberasphe nicht schließen.“ Er führte aus, dass der Gemeindevorstand die Gesamtheit bewerten müsse und es nicht sein könne, dass im für drei Gruppen ausgelegten Kindergarten in Münchhausen nur eineinhalb Gruppen sind, was dann eine Personalreduzierung zur Folge hätte.

Neue Berechnung: keine Mehrkosten zu erwarten

Die SPD-Fraktion versuchte über einen Antrag die Schärfe aus der Diskussion zu nehmen. SPD-Mann Klaus Weisenfeld plädierte dafür, die zusätzlichen Stunden zu genehmigen und auch die zusätzlichen Kosten für die Gemeinde von gerade mal 6600 Euro, auf drei Jahre verteilt zu finanzieren, die drei Jahre aber auch dazu zu nutzen, ein Gesamtkonzept mit allen drei Trägern auf den Weg zu bringen. Das forderte auch Rainer Ulbrich von der Unabhängigen Grünen Liste ein. „Wir reden schon lange über ein notwendiges Gesamtkonzept, aber es hat sich noch gar nichts getan.“ Es müsse mal transparent gemacht werden, so Ulbrich, warum die Betreuungskosten pro Kind in den drei Kindergärten so unterschiedlich ausfallen und gerade in Oberasphe mit deutlichem Abstand am höchsten sind. So sah das auch Johannes Wagner von der CDU: „Wir haben in Oberasphe ein Defizit von 131000 Euro und die gleiche Summe in Niederasphe, aber bei doppelter Kinderzahl. Da muss man doch mal Fragen stellen können.“ Wolfgang Henseling von der CDU merkte kritisch an, dass die Kirche gegenüber der Gemeinde Druck aufbaue. Die Gemeinde wolle schließlich nichts am Ist-Zustand verändern, der derzeit so gut angenommen werde. Er könne sich nicht vorstellen, dass bei unveränderter Stundenzahl und damit auch bei unveränderter Öffnungszeit als Konsequenz eine Kindergartenschließung stehe. Letztendlich machten die Ausschussmitglieder deutlich, dass sie auch für die nächsten Jahre rückläufige Belegungszahlen erwarten und dass deshalb irgendwann auch mal eine Kindergartenschließung anstehe, aber sicher nicht in den nächsten drei Jahren.

Als Pfarrerin Frischholz verkündete, dass nach einer aktuellen Überarbeitung für die zwei Mehrstunden unter dem Strich keine Mehrkosten für die Gemeinde zu erwarten seien, kamen die beiden Ausschüsse auf Vorschlag von Hans-Martin Seipp (SPD) einstimmig überein, das Thema zurückzustellen, bis der kirchliche Träger ihnen eine verlässliche Rechnung vorgelegt habe. Frischholz sagte, dass dies frühestens zur ersten Parlamentssitzung nach der Sommerpause geschehen könne, keinesfalls mehr zur Sitzung am kommenden Donnerstag.

Wagner regte noch an, dass man generell über eine Erhöhung der Kita-Gebühren nachdenken sollte, die beispielsweise in Lahntal viel höher seien als in Münchhausen. Im Sinne der Haushaltskonsolidierung müsse das ein Thema sein.

Hintergrund
Pfarrerin Michaela Frischholz erläutert, um was es in Oberasphe genau geht: Das Kinderförderungsgesetz des Landes Hessen sieht Betreuungsmodule vor, die letztendlich die Öffnungszeiten einer Kindertagesstätte ergeben. Es gibt dabei drei Kategorien. Der evangelische Kindergarten fällt mit 33,5 Stunden Öffnungszeit noch in die mittlere Kategorie. Würden nur zwei Stunden hinzukommen, so dass der Kindergarten mehr als 35 Stunden geöffnet hat, würde er in die höchste Kategorie eingestuft. Wer sich darin befindet, könne sogar mit mehr Geld vom Land Hessen rechnen. Das sei sehr schön, aber nicht wirklich der ausschlaggebende Punkt. Der verbirgt sich darin, dass mit jeder Kategorie auch ein bestimmtes Kontingent von Erzieherinnenstunden verbunden ist. Jedem Kind ab drei Jahren stehen bis zum Übergang in die Grundschule rechnerisch 0,07 Erzieherinnen zur Verfügung. Bei 20 Kindern sind das 1,4 Erzieherinnen. Da die Gruppe aber immer von zwei Erzieherinnen betreut wird, ergeben sich Personal-Mehrstunden, die nicht wie gesetzlich vorgesehen abgebaut werden können. Das ginge nur über eine Reduzierung der Öffnungszeiten. Das hätte wiederum Auswirkungen auf das Angebot des Mittagstisches, das aber auch nicht wegfallen könne, weil dann nur noch das Regelbetreuungsmodul zum Tragen käme, mit dem noch weniger Stunden und auch weniger Zuschüsse verbunden sind.

von Götz Schaub

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