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Paten für 13 Stolpersteine gesucht

Gegen das Vergessen Paten für 13 Stolpersteine gesucht

Auch mehr als 70 Jahre nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges kommen noch traurige Nachrichten ans Tageslicht: Nicht alle jüdischen Mitbürger aus Bürgeln ent‑kamen dem Nazi-Regime.

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Vor diesem Haus in der Ohmtalstraße in Bürgeln werden einige der Stolpersteine verlegt. Bewohnerin Isabell Schlösser (rechts) ist damit einverstanden. Das Foto zeigt von links Ortsvorsteher Jörg Block,  Roland Moucka von der Verwaltung, Bürgermeister Volker Carle und Hans Junker.

Quelle: Götz Schaub

Bürgeln. Anlässlich eines neuen Sammelbandes, der sich mit Deportationen von Juden aus dem heutigen Landkreis Marburg-Biedenkopf während der Zeit der Nazis in Deutschland beschäftigt, hat Hans Junker aus Bürgeln die Schicksale jüdischer Einwohner von Bürgeln näher untersucht. Dabei stieß er auf eine traurige Neuigkeit: „Bisher dachte man in Bürgeln, dass alle Mitbürger jüdischen Glaubens es geschafft haben, sich durch rechtzeitige Flucht ins Ausland den Nazis zu entziehen.“

Das ist aber nicht der Fall. Vier Frauen, die in Bürgeln lebten oder von dort stammten, wurden 1942 nach Theresienstadt deportiert. Drei von ihnen, Frieda Wertheim (Jahrgang 1877), Frieda Gunzenhäuser (1884) und Jettchen Marx (1873) wurden im selben Jahr im Vernichtungslager Treblinka ermordet. Betty Katz (1888) wurde im damals von Nazis besetzten Polen ermordet. In erster Linie ihrer soll nun in Bürgeln in Form von „Stolpersteinen“ gedacht werden.

Darüber hinaus soll aber auch jener jüdischen Mitbürger mit eigenen Stolpersteinen gedacht werden, denen die Flucht aus Nazi-Deutschland gelungen war. Einer von diesen war Isidor Wertheim, der in der Ohmtalstraße mit seiner Familie lebte und es nach den Worten von Hans Junker nicht wirklich glauben konnte in ernsthafter Gefahr zu schweben. War er doch im Ersten Weltkrieg Soldat gewesen und hatte für seine Tapferkeit an der Ostfront in Russland das Eiserne Kreuz verliehen bekommen. Auch Albert Hess, der in der gleichen Straße in unmittelbarer Nachbarschaft lebte, kämpfte im Ersten Weltkrieg und hatte dabei ein Bein eingebüßt.

Soldaten-Vita schützte nicht vor Verfolgung

„Isidor Wertheim musste die Erfahrung machen, dass er keineswegs sicher war. Nach der Pogromnacht 1938 wurde er in das KZ Buchenwald verschleppt und dort schwer misshandelt.“ Er hatte dann das Glück, mit Frau und Kind nach England fliehen zu können. Erich Wertheim, Jahrgang 1922 floh in die USA, wie auch  Hess mit Ehefrau Berta und den Kindern Martin, Erna und Fritz.

Allein schon die deutschen Namen der Kinder zeigen auf, dass die Bürgelner Juden sich hier sehr heimisch fühlten, Teil der Dorfgesellschaft waren. Irmgard, die Tochter von Isidor und Berta Wertheim, lebt heute auch in den USA, und zwar in Baltimore. „Sie kann sich noch an Vorgänge in Bürgeln aus ihrer Kindheit erinnern“, sagt Junker. So wurden vor den Häusern der jüdischen Mitbürger anitjüdische Parolen geschrien oder Lieder angestimmt. Sehr gut, so Junker, kann sie sich noch an das Lied „Wenn das Judenblut vom Messer spritzt, dann geht‘s nochmal so gut“ erinnern und an die furchtbare Angst, die sie als damalig Elfjährige gehabt hatte.

Ortsbeirat unterstützt das Projekt in Bürgeln

Den ermordeten und geflohenen damaligen Mitbürgern möchten die Bürgelner am 3. Mai Stolpersteine widmen, die dann von Gunter Demnig verlegt werden, dessen Projekt „Stolpersteine“ in ganz Deutschland und auch im Ausland bekannt ist. Verlegt werden sollen sie vor den Häusern, in denen sie damals wohnten. Der Ortsbeirat unterstützt diese Idee ausdrücklich, sagt Ortsvorsteher Jörg Block. Auch Cölbes Bürgermeister Volker Carle findet die Idee unterstützenswert.

„Gerade in der Zeit, in der wir immer weniger auf Zeitzeugen zurückgreifen können, ist es wichtig, dass wir uns erinnern, was hier während der NS-Zeit passiert ist“, so Carle. Stolpersteine seien eine gute Sache, die Erinnerung an die Schicksale jener Menschen lebendig zu halten.  Junker setzt nun darauf, dass sich für die Finanzierung der Stolpersteine noch Paten finden. Die Kosten für den Stolperstein von Isidor Wertheim übernimmt bereits der Gesangverein Bürgeln.
Wer eine Spende geben möchte, kann sich bei Hans Junker unter Telefon 0 64 27 / 22 49 oder per Mail unter junker.hans@gmx.de  melden.

von Götz Schaub

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