Volltextsuche über das Angebot:

14 ° / 6 ° Regenschauer

Navigation:
„Orpheus“ - das Herz des Sängerbundes

Jubiläum in Wetter „Orpheus“ - das Herz des Sängerbundes

Mit einem gelungenen Fest, vom Kommers über zwei Freundschaftssingen, die den Spaß am Gesang vermittelten, bis zu gut besuchten Tanzveranstaltungen feierte der VMGV „Orpheus“ Wetter sein stolzes Jubiläum.

Voriger Artikel
Backhaus ist einsatzbereit
Nächster Artikel
Stammgäste warten mit Sprung ins Nass

Das Freundschaftssingen am Samstag eröffnete der VMGV „Orpheus“ unter Leitung von Kurt Latzko mit „Es wandert eine schöne Sage“ und „Lustig ihr Brüder“.

Quelle: Manfred Schubert

Wetter. Mehr als 2000 Gäste feierten drei Tage lang in Stadthalle und Zelt mit dem Vereinigten Männergesangverein (VMGV) „Orpheus“ dessen 175-jähriges Bestehen. Bevor es mit dem fröhlichen Teil des Festes losging, gedachte man am Ehrenmal auf dem alten Friedhof der Toten des Vereins.

In der Stadthalle folgte der Kommers, bei dem der stellvertretende Vorsitzende Karl Stolte einen Festvortrag hielt, der viel Anklang unter den etwa 160 Zuhörern fand. Er ließ die Geschichte des Vereins, der laut mündlicher Überlieferung am 11. Januar 1838 mit der Gründung des „Singvereins Wetter“ seinen Anfang nahm (für das Jahr zumindest gibt es Belege), Revue passieren.

Unter den Gästen des Festkommerses waren zahlreiche Politiker und Vertreter von Vereinen und Verbänden.

Zur Bildergalerie

1906 gründete sich ein zweiter Gesangverein mit dem Namen „Orpheus“. Nach dem Ersten Weltkrieg kam es 1919 zu einem ersten Zusammenschluss als „Vereinigter Männergesangverein“, allerdings trennte man sich 1924 wieder. 1933 ging man wieder und endgültig zum VMGV „Orpheus“ zusammen, allerdings auf Befehl der damaligen Machthaber und „keineswegs freudig um der Sache willen“, sagte Stolte.

In seiner Rede arbeitete er heraus, dass auf Jahre höchster Blüte immer wieder Zeiten des Niedergangs bis zum völligen Stillstand folgten. Dies griffen später einige der Gastredner auf, um einen optimistischen Blick in die Zukunft zu rechtfertigen. War „Orpheus“ einst mit 100 Sängern einer der größten und leistungsfähigsten Chöre Hessens, so hat er derzeit noch 30 Sänger im Durchschnittsalter von 67,3 Jahren. Wie vielen anderen Chören fehlt der Nachwuchs.

„Wesentlicher Kulturträger“

Bürgermeister und Schirmherr Kai-Uwe Spanka hob die 175 Jahre ehrenamtliches Engagement in der und für die Stadt Wetter hervor. Ohne dieses sei vieles in unserer Gesellschaft gar nicht zu erreichen.

Er kritisierte, dass mancherorts Vereine zu 50 Prozent zu allen Kosten herangezogen würden, das sei der schlechteste Weg, den eine Kommune gehen könne, denn die Vereine seien „das Leben und die Kultur in unseren Städten und Gemeinden“. Dass der Chor jetzt ein Tief durchlaufe, sei, wie Stolte gezeigt habe, nichts Außergewöhnliches.

Landrat Robert Fischbach würdigte den „Orpheus“ als einen der ältesten Gesangvereine im Landkreis und darüber hinaus und als wesentlichen Kulturträger. Er überreichte dem Orpheus-Vorsitzenden Dieter Rincke die Silberne Ehrenplakette des Hessischen Ministerpräsidenten für besonders anerkennenswerte Leistungen und die Pflege des Deutschen Liedes durch den Verein.

Konrad Bender überbrachte Jubiläumsurkunden des Deutschen Chorverbands und des Hessischen Sängerbunds. Seine Ansprache ließ Viele im Saal aufhorchen: Statt sich über die jüngere Generation zu beschweren, die man selbst in die Welt gesetzt und erzogen hat, sollte dem Musikunterricht in den Schulen wieder ein höheres Gewicht zugemessen werden. „Musik und Kunst gehören zu einer zivilisierten Gesellschaft dazu“, betonte er.

Verdiente Sänger geehrt

Schließlich ging es an die Ehrungen langjähriger Sänger sowie des scheidenden Dirigenten Kurt Latzko. Dieser wurde zum Ehrenchorleiter und Ehrenmitglied ernannt. „Ich bin überrascht. Ich bedanke mich bei den Orpheusianern, bei denen ich 36 Jahre verbringen durfte. Ich war nicht nur Chorleiter, sondern habe mich hier zuhause gefühlt. Ihr habt sehr dazu beigetragen, dass ich so lange geblieben bin,“ sagte er.

Auch die Sänger scheinen sich bei ihrem Chor zuhause zu fühlen. Paul Hilberg, Heinrich Junk und Otto Schwarz sind seit 65 Jahren aktiv dabei und bekamen entsprechende Urkunden des Hessischen Sängerbunds. Für Bernd Eidam, seit 25 Jahren Sänger beim Orpheus, gab es Urkunde und Silberne Ehrennadel des HSB.

Unter den zahlreichen Gratulanten fand Eva Wagner, stellvertretende Vorsitzende des Wetschaftstal-Sängerbundes, treffende Worte der Hoffnung und Anerkennung: „Ich glaube, langsam merken die Menschen, dass Konsum, iPhones und 500 Facebookfreunde echte Gemeinschaft nicht ersetzen. Und ihr seid das Herz des Sängerbundes, die meisten seiner Veranstaltungen finden hier bei euch statt.“

Während des Kommers‘ hatten die Gastgeber gesungen und der Posaunenchor Wetter-Todenhausen gespielt. Anschließend ging es zum Festplatz zu etwas lauterer Beschallung, zur HR-3-Disco-Party im Zelt, die etwa 700 Besucher anzog.

Elf geladene Chöre beim Freundschaftssingen am Samstag sowie sechs, außer den Gastgebern, vom Wetschaftstal-Sängerbund am Sonntag vermittelten mit abwechslungsreichen, teils sehr niveauvollen Vorträgen einen genussvollen Eindruck von dem Reichtum, den die heimische Chorlandschaft trotz Mitgliederschwunds zu bieten hat. Von alten Volksliedern in modernen Sätzen über Schlager, Musicalsongs und brasilianische Eingeborenenlieder war eine Menge dabei, das zu hören viel Spaß bereitete.

Winfried Stark und seine Original Steigerwälder sowie die Kinzigtaler Spitzbuben spielten jeweils im Anschluss zum Tanz auf. Guten Zuspruch fand auch der ökumenische Gottesdienst im Zelt am Sonntagvormittag, zu dem etwa 200 Besucher kamen.

von Manfred Schubert

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr