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Opfer stirbt nach Faustschlag

Landgericht Opfer stirbt nach Faustschlag

Weil eines seiner Opfer im letzten Jahr an den Folgen seiner Verletzungen starb, musste die bereits begonnene Verhandlung vom Amtsgericht zum Landgericht übertragen werden. Dort begann am Mittwoch wieder alles von vorne.

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Quelle: dpa

Marburg. Insgesamt muss sich der 21-jährige Angeklagte wegen dreier Körperverletzungen verantworten. Die chronologisch gesehen letzte wurde gestern als erste verhandelt und wird nächste Woche noch fortgesetzt, weil ein Zeuge nicht erschienen war. Am 28. September 2011 hat der Angeklagte in Wetters neuer Mitte einen Mann mit nur einem Faustschlag ins Gesicht niedergestreckt. Das gab der Angeklagte gestern auch unumwunden zu. Doch habe er nicht gewollt, dass der Mann sich dabei so schwer verletzt, dass er zu einem Pflegefall wurde beziehungsweise dann an den Folgen starb, fügte er hinzu. Unter anderem konnte das Opfer nur durch einen Luftröhrenschnitt atmen, litt unter Gehirnblutungen und Lähmungen. 2012, gerade als der Fall vor dem Jugendschöffengericht verhandelt wurde, verstarb das Opfer. So musste die Anklage „schwere Körperverletzung“ mit dem Zusatz „mit Todesfolge“ von Gesetz wegen an das Landgericht verwiesen werden.

Angeklagter und Opfer sahen sich zum ersten Mal

Er habe ihm eigentlich nur drohen wollen, dass er Stress mit ihm bekomme, wenn er noch einmal seine Schwester und Mutter anmache, sagte der Angeklagte gestern aus. Wie er darauf kam, dem Mann so etwas zu sagen? Nun, ein Freund habe ihn am 28. September 2011 angerufen und gesagt, dass ein Mann gerade Mutter und Schwester im Rewe-Markt angegangen sei, sie belästigt habe. „Daraufhin bin ich mit einem anderen Freund zum Rewe-Parkplatz gefahren, habe mir den Mann zeigen lassen. Der war an der Bushaltestelle. Ich war schon wütend und bin dann auf ihn zugegangen“, schilderte der Angeklagte. Noch während des Gehens habe er den Mann als „Hurensohn“ angesprochen und ihm gedroht, dass es beim nächsten Mal was setzen würde. Aus dem „nächsten Mal“ wurde dann ein sofort, den der Angeklagte schlug dann zu, traf mit seiner Faust das Gesicht des Mannes, der daraufhin nach hinten umgefallen sein soll. Wohl beim ungebremsten Aufkommen auf dem Asphalt zog sich dieser die schwerwiegenden Kopfverletzungen zu, die letztendlich auch für seinen späteren Tod ursächlich waren. Für die 3. Strafkammer am Landgericht unter Vorsitz von Richter Dr. Thomas Wolf gilt es nun zu klären, ob der Angeklagte wie von ihm behauptet den Faustschlag aus Notwehr ausführte. Der Angeklagte sagte schließlich aus, der offenkundig alkoholisierte Mann sei nach seiner Ansprache auf ihn zugekommen und habe eine Hand nach oben bewegt, als ob er ihn angreifen wolle. Den Mann selbst habe der Angeklagte an diesem Tag das erste Mal bewusst wahrgenommen.

Zeugin seit dem Vorfall in psychologischer Behandlung

Auch wenn Richter Wolf dem Angeklagten Glauben schenkte, dass dieser sein gegenüber nicht töten wollte, muss der Angeklagte selbst schon gewusst haben, wie sich seine Faustschläge auswirken können. Denn nur drei Monate zuvor, so die Staatsanwaltschaft, soll er in Gladenbach während des Kirschenmarktes einen Mann per Faustschlag niedergestreckt und anschließend auf den am Boden Liegenden gezielt gegen den Kopf getreten haben.Das Opfer erlitt eine Jochbeinfraktur und behielt eine große Narbe im Gesicht zurück. Die Behauptung, der alkoholisierte Mann habe tatsächlich seinen Arm so gehoben als ob er den Angeklagten habe angreifen wollen, stützte gestern nur ein Zeuge, der mit dem Angeklagten befreundet war. Ein weiterer Freund wollte sich entgegen früherer Aussagen gegenüber der Polizei gestern an so gut wie nichts mehr erinnern. Er schob dies einem Autounfall zu, landete aber mit dieser Geschichte nicht wirklich bei Richter Wolf. Ein weitere Zeuge kam nicht zur Verhandlung, er soll nun nächste Woche gehört werden. Zudem sagten gestern zwei Teenager aus, die den Vorgang zufällig beobachtet hatten. Sie können sich nicht an eine Angriffsbewegung des Opfers erinnern. Eines der beiden Mädchen konnte nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit aussagen. Es leidet seit dem Vorfall unter Angstzuständen, fühlte sich subjektiv sogar so sehr bedroht, dass die Familie wegziehen musste.Das Mädchen befindet sich noch immer in psychologischer Behandlung.

  • Der Prozess wird am Mittwoch, 4. September, ab 9 Uhr im Saal 101 am Landgericht fortgesetzt.

von Götz Schaub

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