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Offene Linien für einen unendlichen Glauben

Kunst in der Kirche Offene Linien für einen unendlichen Glauben

Seit dem Bau der neuen Münchhäuser Kirche 1973 ist die Wand hinter dem Altar weiß. Im Zuge einer Auffrischung erhielt sie jetzt ein schlichtes, aber sehr durchdachtes Kunstwerk, das große Symbolkraft entwickelt.

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Wolfgang Vajen vom Kirchenvorstand und Elke Rees, die ihren Gestaltungsvorschlag an der bis dato komplett weißen Altarwand auch selbst umgesetzt hat, sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden.

Quelle: Götz Schaub

Münchhausen. Eine weiße Wand. Eins, zwei, drei, pinsel, pinsel, ein paar Striche und noch ein bisschen Farbe - fertig. So kann man es sehen, doch wer es nur so sieht, wird dem Werk von Elke Rees in der Münchhäuser Kirche nicht im Ansatz gerecht. Erst wenn man sich mit dem Kerngedanken, der hinter diesem Kunstwerk steht, auseinandersetzt, beginnt man den Wert zu erkennen, die Arbeit, die darin steckt, wirklich zu sehen.

Es ging darum, ein Kunstwerk zu schaffen, das atmosphärisch zu den verschiedenen Baukörpern der Kirche passt und zudem endlich den lang gewünschten direkten Bezug zwischen dem historischen Taufbecken und dem historischen Altar herstellt.

Warme Erdfarben ohne blaue Elemente

An der Aufgabe versuchten sich mehrere Künstler, und ihre Entwürfe waren sicherlich interessant, aber für das oben beschriebene Anliegen zu überladen oder auch zu persönlich gehalten, sagen Wolfgang Vajen vom Kirchenvorstand und Elke Rees, die schließlich den Auftrag bekam. Und sie gibt auch gerne zu, dass sie bis zur finalen Planung mehrere Schritte benötigt hat. So begann sie deutlich bunter. Ihre Idee war es, die Farben der modernen Buntglasfenster auch auf der Wand vorkommen zu lassen. Und obwohl ihr ihr erster Entwurf, der neben den jetzigen Erdfarben noch Blau enthielt, nach wie vor sehr gut gefällt, sah sie ein, dass es für das Anliegen einfach zu viel gewesen wäre. Sie trennte sich von den blauen Elementen und beschränkte sich auf die warmen Erdfarben.

 „Das ist ein Prozess, den man bereit sein muss zu gehen“, sagt Rees. Die ausgesparte weiße Fläche war so geplant, dass sie direkt hinter dem Holzkreuz die Form eines Kreuzes auf der Wand reproduziert. Diese Idee wurde dann aber durch eine neue Erkenntnis ergänzt. Denn genau in die weiße Fläche fällt auch der Schatten des Holzkreuzes. So wurde die weiße Fläche etwas ausladender gestaltet, damit sie den gesamten Schattenwurf in sich vereinigt. Diese Dreifachkombination bildet die zentrale Einheit in einem sonst völlig offenen Kunstwerk. Mit dem Querriegel an der Wand, der auf der Höhe des Taufbeckens beginnt, wird das Leben nachgezeichnet „von der Geburt bis zum ewigen Leben auf Höhe des Altars“, sagt Vajen.

Historisches Taufbecken neben modernen Buntglasfenstern

Dann führt er aus: „Wir haben hier in der Kirche sehr unterschiedliche Elemente. Den historischen Altar und das historische Taufbecken aus Sandstein, dann einen Teil des alten Kirchturms, die modernen Buntglasfenster, den glatten schlichten Steinboden, die weiße Wand. Das, was hier zusätzlich an der Wand entstehen sollte, musste atmosphärisch so passen, dass es die meditative Wirkung auf die Gottesdienstbesucher entfaltet“, so Vajen.

Und weiter: „Das, was wir an künstlerischer Gestaltung sehen, ist beseelt von der Idee, den Glauben zu stärken.“ Und weil der Glauben unendlich ist, laufen alle Leitlinien des Kunstwerks offen aus. „Die Wandgestaltung unterstreicht so erstens die Symbolik des Kreuzes in seiner vertikalen Ausrichtung als Verbindung des Himmels mit der Erde, zweitens sehen wir in seiner horizontalen Achse die Verbindung der Menschen untereinander“, sagt Vajen.

Das Kunstwerk ist noch sehr neu. „Wir sind damit am vergangenen Samstag fertig geworden“, sagt Elke Rees. Es soll im Gottesdienst am 3. Advent, also am kommenden Sonntag, 11. Dezember, ab 9.45 Uhr allen Gottesdienstbesuchern vorgestellt und erläutert werden. Beim anschließenden Kirchenkaffee besteht auch Gelegenheit, darüber zu sprechen.

von Götz Schaub

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